Huawei-Autos: 1,39 Millionen Fahrzeuge, erstmals profitabel
27.05.2026 - 10:30:25 | boerse-global.deDer chinesische Technologiekonzern Huawei hat einen Meilenstein erreicht: Seine Automobilsparte fährt erstmals Gewinne ein. Bis Ende Mai 2026 lieferte die hauseigene Allianz HIMA (Harmony Intelligent Mobility Alliance) insgesamt über 1,39 Millionen Fahrzeuge aus. Möglich wurde der Durchbruch durch jahrelange Milliardeninvestitionen in Forschung und Entwicklung. Nun expandiert Huawei aggressiv in neue Märkte – vom Luxussegment bis zum E-Roller.
Vom Autozulieferer zum Tech-Partner der Mobilitätsbranche
Huawei positioniert sich zunehmend als zentraler Technologieanbieter für die chinesische Mobilitätsindustrie. Das Unternehmen treibt nicht nur den Ausbau seines intelligenten Fahrassistenzsystems Qiankun voran, sondern überträgt sein Know-how aus Robotik und Automatisierung auf immer breitere Verkehrslösungen. Die hauseigene Cloud-Infrastruktur und Künstliche Intelligenz sollen Sicherheit und Vernetzung über verschiedene Fahrzeugplattformen hinweg verbessern.
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E-Roller mit Huawei-Technik: Partnerschaft mit Aima
Ein strategisch wichtiger Schritt gelang Huawei am 26. Mai 2026: Der Konzern unterzeichnete eine umfassende Partnerschaft mit Aima Technologies. Ziel ist die Integration von HarmonyOS, Cloud-Computing, Big Data und KI in elektrische Zweiräder. Aima wird künftig Huaweis Cloud-Dienste und eigene Chip-Designs nutzen, um eine neue Generation intelligenter E-Bikes und E-Scooter zu entwickeln.
Die Kooperation sieht „intelligente Armaturenbretter" und Edge-Computing-Lösungen für Zweiräder vor. Funktionen, die bisher Premium-Elektroautos vorbehalten waren, sollen so für breite Bevölkerungsschichten nutzbar werden. Über das HarmonyOS-Ökosystem können die kleinen Fahrzeuge nahtlos mit anderen Smart-Geräten kommunizieren. Die Partnerschaft baut auf einer ersten Vereinbarung vom Vortag auf – ein Zeichen für das Tempo, mit dem Huawei die Technologie vorantreibt.
Maextro S800: Angriff auf die Luxusklasse
Während Huawei in die Welt der Zweiräder eintaucht, erobert der Konzern gleichzeitig das Ultra-Luxussegment. Die Marke Maextro, entwickelt mit dem Partner JAC Group, fordert etablierte Größen wie BMW und Mercedes heraus. Die Limousine S800 – Startpreis umgerechnet rund 96.000 Euro – verkaufte sich im Januar 2026 in China besser als BMW 7er und Mercedes-Maybach S-Klasse zusammen.
Die Ausstattung liest sich wie ein Technik-Feuerwerk: fortschrittliche Einparkautomatik, Gestensteuerung, ein 40-Zoll-Bildschirm, rund 40 Lautsprecher und Massagesitze. Seit dem Marktstart wurden über 16.000 Einheiten ausgeliefert, der Spitzenwert lag im Dezember 2025 bei 4.376 Fahrzeugen. Für 2026 sind weitere Modelle geplant – darunter SUV- und MPV-Varianten sowie ein exklusives Spitzenmodell für umgerechnet rund 277.000 Euro, das im Juni 2026 auf den Markt kommen soll.
Auch die anderen HIMA-Marken wachsen kräftig. Die Marke AITO (gemeinsam mit Seres) führt in mehreren Branchenkennzahlen, darunter Net-Promoter-Scores und Wiederverkaufswerte für Plug-in-Hybride. Das Modell AITO M9, das am 25. Mai 2026 ein großes Hardware- und Software-Update erhielt, verzeichnet über 60.000 Vorbestellungen. Der neuere AITO M6 (Startpreis rund 33.000 Euro) kam Ende April 2026 auf den Markt und erzielte im ersten Monat über 20.000 Auslieferungen.
Milliarden-Investitionen: Joint Ventures mit GAC und SAIC
Huawei vertieft seine Zusammenarbeit mit großen chinesischen Staatskonzernen. Das „GH-Projekt" mit GAC Group läuft auf Hochtouren. GAC investiert umgerechnet rund 193 Millionen Euro in das Gemeinschaftsunternehmen. Das erste Modell soll 2026 auf den Markt kommen, positioniert im Premiumsegment um 38.500 Euro, und wird unter dem Namen „Trumpchi Xiangwang" mit Huaweis Qiankun-Fahrassistenz ausgestattet sein.
Parallel dazu investiert SAIC Motor umgerechnet rund 770 Millionen Euro in die neue Marke „Shangjie" – ebenfalls in Kooperation mit Huawei. 5.000 Mitarbeiter arbeiten an dem Projekt, eine spezielle „Super-Fabrik" wird gebaut. Das erste Modell ist für das vierte Quartal 2025 geplant und zielt auf ein Preissegment zwischen 21.800 und 32.100 Euro. Diese Partnerschaften zeigen: Huawei wandelt sich vom reinen Komponentenlieferanten zum tief integrierten Technologiepartner, der am gesamten Fahrzeuglebenszyklus beteiligt ist.
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ADS 3.0: 9 Milliarden Kilometer Fahrerfahrung
Die Technologie von Huawei basiert auf einer gigantischen Datenbasis. Bis zum 27. Mai 2026 haben Fahrzeuge mit Qiankun-Technologie insgesamt 9,134 Milliarden Kilometer assistiertes Fahren absolviert. Konzerninterne Daten zeigen: Fahrzeuge mit Huaweis Advanced Driving System (ADS) sind 4,37-mal sicherer als der chinesische Durchschnitt. Die aktiven Sicherheitssysteme haben mehr als 4,29 Millionen potenzielle Kollisionen verhindert.
Die nächste Generation – Huawei ADS 3.0 – soll am 25. Juni 2026 über die Marke Avatr auf den Markt kommen. Das System setzt noch stärker auf eine „Ende-zu-Ende"-Strategie, die manuelle Programmierung für bestimmte Fahrszenarien durch KI-gesteuerte neuronale Netze ersetzt. Huaweis Management setzt auf einen schrittweisen Ansatz: Erst die Perfektionierung von Level 3, dann der Schritt zur vollständigen Level-4-Autonomie.
Ein großes Over-the-Air-Update (OTA) für HarmonyOS im Mai 2026 brachte 17 neue Funktionen und 36 Optimierungen. Dazu gehört „eAES" (Enhanced Automatic Emergency Steering), das automatisches Bremsen mit Ausweichmanövern kombiniert. Das System erkennt nun auch schwächere Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Radfahrer) beim Rückwärtsfahren besser und vereinfacht die Aktivierung des Navigations-Assistenten NCA.
Ausblick: Neuer Luxeed-SUV und Stelato S9
Die zweite Jahreshälfte 2026 wird für Huaweis Automobilpartner intensiv. Ein neuer Luxeed-SUV (entwickelt mit Chery) soll im Herbst 2026 erscheinen. Die Stelato S9 – eine High-End-Limousine mit BAIC – wird voraussichtlich im Juli oder August 2026 technisch vollständig enthüllt.
Der Wettbewerb in Chinas Markt für intelligente Fahrzeuge bleibt hart. Tesla erhielt am 21. Mai 2026 die Zulassung für sein Full Self-Driving-System (FSD) in China – ein Schritt, den Branchenanalysten als Katalysator für weitere Innovationen unter den heimischen Anbietern sehen. Auch Xiaomi hat sich als ernstzunehmender Konkurrent etabliert: Der Innovationsbereich des Elektronikkonzerns, der auch Smart-EVs umfasst, meldete im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von umgerechnet rund 2,56 Milliarden Euro. Die kumulierten Auslieferungen überstiegen Ende April 655.000 Einheiten.
Huaweis Führung räumt den Wettbewerbsdruck ein – insbesondere bei der Marketing-Reichweite von Konsumelektronik-Rivalen wie Xiaomi. Doch das Unternehmen setzt auf seine Kernstärken: tiefe Integration von Intelligenz, großzügige Innenraumgestaltung sowie überlegene Reichweite und Komfort. Mit einer nun profitablen Autosparte und der Expansion in Zweirad- und Luxussegmente hat sich Huawei als zentrale Säule der globalen Robotik- und Automatisierungsrevolution positioniert.
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