Hüftarthrose: Dänische Studie stellt pauschale Sportverbote infrage
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der medizinischen Fachwelt wird die Rolle von gezielter körperlicher Aktivität für den Erhalt von Knorpelgewebe intensiv diskutiert. Lange Zeit galt bei Gelenkverschleiß vor allem der Grundsatz der Schonung.
Neuere wissenschaftliche Untersuchungen und Fachbeiträge stellen jedoch zunehmend die Frage, ob bei degenerativen Gelenkerkrankungen wie der Hüftarthrose eine dosierte sportliche Belastung nicht wirksamer sein könnte als das Vermeiden von Bewegung.
Dänische Beobachtungsstudie hinterfragt pauschale Sportverbote
Wichtige Erkenntnisse lieferte eine dänische Untersuchung, die im Fachblatt British Journal of Sports Medicine erschien. Das Forschungsteam analysierte Daten von insgesamt 17.661 Personen mit diagnostizierter Knie- oder Hüftarthrose.
Davon litten 5.911 Teilnehmende an Hüftarthrose, die im Durchschnitt 66,8 Jahre alt waren und zu 69,5 % aus Frauen bestanden. Bei 11.750 Personen lag eine Kniearthrose vor, mit einem Durchschnittsalter von 66,5 Jahren und einem Frauenanteil von 72,7 %.
Auf Basis der sogenannten UCLA-Aktivitätsskala erreichten lediglich 5,9 % der Hüftpatienten und 5,2 % der Kniepatienten ein hohes Aktivitätsniveau, das Sportarten mit Stoßbelastungen wie Joggen, Tennis oder Skifahren sowie schwere körperliche Arbeit umfasst.
Die Auswertung zeigte, dass Betroffene mit Hüftarthrose und hoher Stoßbelastung innerhalb von 12 Monaten seltener eine Hüfttotalendoprothese erhielten als weniger aktive Vergleichspersonen. Bei der Kniearthrose konnte hingegen weder ein positiver noch ein negativer statistischer Zusammenhang festgestellt werden.
Wer seine Gelenkgesundheit durch gezielte Bewegung unterstützen möchte, findet in diesem Ratgeber 101 bewährte Methoden zur Selbsthilfe. 101 Druckpunkte gegen Arthrose kostenlos entdecken
Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelte, lassen die Daten keine Kausalitätsaussagen zu. Die Autoren zogen dennoch das Fazit, dass pauschale Sportverbote kritisch hinterfragt werden sollten.
Warum Knorpelgewebe auf Bewegung angewiesen ist
Aus biologischer Sicht ist Bewegung für Gelenke unverzichtbar. Gelenkknorpel besitzt weder eigene Blutgefäße noch Nervenbahnen und kann einmal verlorene Substanz nicht eigenständig nachbilden. Seine Nährstoffversorgung erfolgt ausschließlich über die Synovialflüssigkeit, die durch wechselnde Druck- und Entlastungsreize in das Gewebe einmassiert wird.
In Deutschland leiden je nach Erhebung bis zu 8 Millionen oder nach anderen Schätzungen rund 15 Millionen Menschen an Arthrose. Mediziner unterteilen Knorpelschäden in vier Grade:
- Grad 1: Der Knorpel ist erweicht oder aufgequollen, die Oberfläche bleibt jedoch intakt.
- Grad 2: Es treten oberflächliche Aufrauungen auf, die weniger als die halbe Knorpeldicke betreffen.
- Grad 3: Tiefe Risse reichen über mehr als die Hälfte der Knorpeldicke, während der Knochen noch bedeckt bleibt.
- Grad 4: Die Knorpelschicht ist vollständig abgetragen und der darunterliegende Knochen liegt frei.
Gezieltes Krafttraining und modifizierte Bewegungsmuster
Für den Erhalt der Gelenkfunktion empfehlen Orthopäden und Physiotherapeuten ein gezieltes Krafttraining der gelenkführenden Muskulatur etwa zwei- bis dreimal pro Woche. Ergänzend bieten sich gelenkschonende Ausdauereinheiten wie Radfahren oder Schwimmen sowie Koordinationsübungen an. Beim Gehen muss das Kniegelenk das 2,5-Fache des eigenen Körpergewichts abfedern, beim Treppabsteigen steigt die Belastung sogar auf das 3,5-Fache.
Besonders ab dem 50. Lebensjahr ist der Erhalt der Muskelmasse entscheidend, um Gelenke zu entlasten und schmerzfrei aktiv zu bleiben. Dieser kostenlose Leitfaden stellt sechs einfache Übungen vor, die Sie ohne Fitnessstudio bequem zu Hause durchführen können. Kostenlosen Ratgeber für Krafttraining ab 50 herunterladen
Eine einjährige klinische Studie der US-Universitäten Utah, New York und Stanford mit 68 Probanden, veröffentlicht in The Lancet Rheumatology, untersuchte die gezielte Anpassung des Fußwinkels beim Gehen bei leichter bis mittelschwerer Kniearthrose. Durch die veränderte Fußstellung konnte die Last im Gelenk umverteilt werden.
Die Interventionsgruppe verzeichnete nach einem Jahr eine durchschnittliche Schmerzreduktion von 2,5 Punkten auf einer Zehn-Punkte-Skala, verglichen mit 1,3 Punkten in der Kontrollgruppe, verbunden mit einer verlangsamten Knorpelverschlechterung. Fachleute betonen jedoch, dass solche biomechanischen Anpassungen nicht im Selbstversuch, sondern unter professioneller Anleitung erfolgen sollten.
