Humanoide Roboter: Agility notiert an Nasdaq mit 2,3-Milliarden-Bewertung
27.06.2026 - 14:35:17 | boerse-global.de
Gleich mehrere Milliarden-Deals und neue Produktions-Einsätze in dieser Woche zeigen: Der Markt für zweibeinige Maschinen nimmt richtig Fahrt auf.
Agility Robotics geht an die Börse
Der wohl spektakulärste Coup gelang Agility Robotics. Am 25. Juni 2026 gab das US-Unternehmen eine Fusion mit Churchill Capital Corp XI bekannt – einem sogenannten SPAC (Special Purpose Acquisition Company). Der Deal bewertet Agility mit umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro und bringt dem Unternehmen mehr als 570 Millionen Euro an frischem Kapital.
Besonders spannend: Foxconn fĂĽhrt eine Privatplatzierung ĂĽber 184 Millionen Euro an. Auch Schwergewichte wie Amazon, NVIDIA und SoftBank sind mit an Bord. Die Aktie soll unter dem KĂĽrzel AGLT an der Nasdaq notieren.
Agility kann bereits Aufträge im Wert von über 275 Millionen Euro vorweisen. Das neue Modell Digit v5 bringt beeindruckende Eckdaten: Bis zu 22 Stunden Betriebszeit, eine Traglast von rund 23 Kilogramm und das brandneue NVIDIA Halos Sicherheitssystem – eine Technologie, die auf autonomen Fahrzeugen basiert. Zu den Kunden zählen Amazon, GXO und Toyota Canada.
BMW setzt auf Roboterkollegen
Die Automobilindustrie treibt den Einsatz humanioder Roboter massiv voran. BMW hat am 25. Juni den Figure 03 in seinem Werk Spartanburg (USA) in Betrieb genommen. Der Roboter ist das Ergebnis eines elfmonatigen Pilotprojekts mit dem Vorgängermodell Figure 02, das bei der Produktion von über 30.000 BMW X3 half und 1.250 Stunden im Einsatz war.
Der Figure 03 bringt entscheidende Neuerungen: kabelloses Laden, Sprachkommunikation und verbesserte Hände mit Tastsensoren. Aktuell sortiert er Komponenten in Sequenzierwagen – ein erster Schritt zu weitreichenderen Aufgaben.
Auch in China tut sich was: SAIC-GM setzt seit dem 27. Juni einen rollenden humanoiden Roboter auf der Buick-Batterieproduktion ein. Entwickelt wurde er mit Agibot. Die Maschine erreicht eine Positioniergenauigkeit von 0,1 Millimetern und braucht weniger als 15 Prozent des Platzes eines herkömmlichen Arbeitsplatzes.
SchweiĂźroboter fĂĽr Werften
Agility Robotics geht mit 2,3 Mrd. € an die Nasdaq – humanoide Roboter erreichen die industrielle Serienreife. Der kostenlose Humanoid-Roboter-Check zeigt Ihnen, wo zweibeinige Maschinen in Ihrer Produktion Kosten senken und Sicherheit erhöhen können. Humanoid-Roboter-Check anfordern
HD Hyundai und Persona AI planen ebenfalls einen gemeinsamen Vorstoß: Bis Ende 2026 soll ein Prototyp für humanoide Schweißroboter auf Werften stehen. Ziel ist es, Arbeiter in gefährlichen Umgebungen zu entlasten.
China: Markt explodiert
Der chinesische Markt für humanoide Roboter wächst rasant – befeuert durch staatliche Förderung und eine starke Lieferkette. Auf der Messe MWC Shanghai, die am 25. Juni eröffnet wurde, standen humanoide Roboter und Drohnen im Mittelpunkt. Ein Hingucker: der Roboter Flash, der kürzlich einen Halbmarathon in rund 50 Minuten absolvierte.
Die Analysten von Morgan Stanley haben ihre Prognose für den chinesischen Markt im Jahr 2026 auf 50.000 Einheiten fast verdoppelt – zuvor waren es 28.000. Bis 2030 rechnen sie mit 446.000 Einheiten und einem Marktvolumen von umgerechnet knapp 14 Milliarden Euro.
Auch Dobot will mitmischen: Das Unternehmen plant einen Börsengang in Shenzhen und will umgerechnet rund 163 Millionen Euro einsammeln – für die Entwicklung von mehrbeinigen und humanoiden Robotern.
Kosten, Training und Widerstand
Trotz des Booms bleiben Herausforderungen. Unitree Robotics expandiert in Europa mit seinem Modell G1 – Preis zwischen 16.500 und 68.000 Euro. Eine Analyse zeigt, dass die reinen Materialkosten derzeit bei etwa 9.200 Euro liegen.
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Siemens meldet Fortschritte beim Training: Mit digitalen Zwillingen lassen sich humanoide Roboter in rund zwei Wochen anlernen – indem tausende Szenarien gleichzeitig simuliert werden. Kein manuelles Umprogrammieren nötig, die Maschinen lernen durch Nachahmung.
Doch nicht überall ist die Begeisterung ungetrübt. In Dowagiac, Michigan, beschwerten sich rund 1.300 Haushalte über Lärm, nachdem ein Rechenzentrum 30 humanoide Roboter von AgiBot einsetzte. Der Vorfall fällt in eine Zeit hitziger Debatten in den USA: Der vorgeschlagene American Security Robotics Act will den Einsatz bestimmter Robotertechnologien durch Bundesbehörden einschränken – aus Sicherheitsbedenken.
