Humanoide, Roboter

Humanoide Roboter: Amazon startet Digit-Serienproduktion mit 20-kg-Last

17.06.2026 - 07:23:46 | boerse-global.de

Amazon integriert humanoide Digit-Roboter von Agility Robotics in mehreren Logistikzentren. Der Schritt markiert eine neue Phase der Partnerschaft.

Agility Robotics: Amazon weitet Einsatz humanoider Digit-Roboter aus
Humanoide - Ein humanoider Roboter, der in einem modernen Amazon-Lager ein Paket trägt und seine Fähigkeit zur Lastenhandhabung zeigt. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Partnerschaft, die 2023 mit Pilotprojekten begann, erreicht damit eine neue Dimension.

Die humanoiden Maschinen sind speziell für Arbeitsumgebungen konzipiert, die ursprünglich für Menschen gebaut wurden. Sie übernehmen Aufgaben wie Materialtransport, Inventurkontrollen und Sicherheitschecks. Mit einer Traglast von bis zu 20 Kilogramm werden die Roboter schrittweise in die bestehenden Logistikabläufe integriert. Branchenkreise schätzen den Stückpreis eines Digit-Roboters auf 100.000 bis 150.000 Euro.

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Vom Pilotprojekt zur Serienproduktion

Die Ausweitung folgt auf erfolgreiche Testphasen, in denen die Roboter ihre Zuverlässigkeit beim Transport von Behältern und der Lagerverwaltung unter Beweis stellten. Agility Robotics arbeitet zudem daran, die Fähigkeiten von Digit zu erweitern – weg von simplen Greifbewegungen hin zu komplexeren Manipulationsaufgaben.

Um den Schritt von der Forschung zur kommerziellen Massenproduktion zu stemmen, schrieb das Unternehmen Mitte Juni 2026 mehrere Stellen für erfahrene Navigationssoftware-Entwickler aus. Die Positionen in Kalifornien, Oregon und Pennsylvania zielen auf die Entwicklung von Echtzeit-Autonomiesystemen für die kommerzielle Flotte ab.

Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die globale Logistik- und Fertigungsbranche unter erheblichem Personalmangel leidet. Marktdaten zufolge könnten den US-Herstellern bis 2030 bis zu 2,1 Millionen Arbeitskräfte fehlen – mit volkswirtschaftlichen Kosten von umgerechnet rund 900 Milliarden Euro. Ein Bericht von ManpowerGroup aus dem Jahr 2026 zeigt zudem: 72 Prozent der Arbeitgeber haben bereits heute Probleme, offene Stellen zu besetzen.

Milliardenschwerer Wettlauf um die Robotik-Zukunft

Die Amazon-Einführung fällt in eine Phase rasanter Investitionen in humanoide Roboter. Analysten von Goldman Sachs prognostizieren dem Markt bis 2035 ein Volumen von umgerechnet rund 35 Milliarden Euro. Morgan Stanley sieht das langfristige Gesamtpotenzial sogar als signifikanten Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt.

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Mehrere Wettbewerber treiben ihre kommerziellen Anwendungen parallel voran:

  • Neura Robotics: Das deutsche Unternehmen sicherte sich am 15. Juni 2026 umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro in einer Series-C-Finanzierungsrunde. Zu den Investoren zählen Nvidia, Amazon und Bosch. Das Ziel: Millionen von Einheiten bis 2030.
  • Figure AI: Der Figure-02-Roboter absolvierte bei BMW in South Carolina über 90.000 Zyklen mit einer Erfolgsquote von 99 Prozent.
  • Tesla: Die Entwicklung des Optimus Gen 3 läuft. Die Produktion soll im Sommer 2026 anlaufen, die Massenfertigung ist für 2027 zu einem Preis von unter 20.000 Euro geplant.
  • Boston Dynamics: Nach dem Launch des elektrischen Atlas plant Hyundai den Einsatz von rund 25.000 Einheiten in Fabriken bis 2028.

Asien als Vorbild und nächster Markt

Die Automatisierungswelle in den USA und Europa ist Teil eines globalen Trends. Amazon zieht nach eigenen Angaben Lehren aus seinen Quick-Commerce-Operationen in Indien, wo die Bestellzahlen monatlich steigen. Erwartet wird, dass die in Westmärkten entwickelten Systeme künftig auch in asiatischen Logistikzentren zum Einsatz kommen – zur Bewältigung von Stadtverkehr und Lieferzeiten.

In Südkorea, dem Land mit der weltweit höchsten Industrieroboter-Dichte, laufen bereits kommerzielle Tests. Rainbow Robotics erprobte am 15. Juni 2026 seinen rollenden RB-Y1-Humanoiden in einem Coupang-Fulfillment-Center. Auch in Indien ist Agni Robotics aktiv: Das Unternehmen setzte in der dritten Juniwoche 2026 seinen ersten Zwei-Arm-Humanoiden in einem Logistikzentrum in Noida ein – mit dem Ziel, die Arbeitskosten innerhalb von drei Jahren um 40 Prozent zu senken.

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