Humanoide Roboter: Auslieferungen steigen 2026 um 272 Prozent
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die internationale Robotik-Branche vollzieht derzeit einen grundlegenden Strategiewechsel von kundenspezifischen Einzelanfertigungen hin zu standardisierten, konfigurierbaren Produktpaketen.
Wie Branchenberichte Mitte September 2026 verdeutlichen, zielen führende Unternehmen wie Figure AI, XPENG und UBTECH verstärkt auf den schnellen Einsatz in der Automobilfertigung und Logistik ab. Dieser Wandel markiert das Ende der reinen Prototypen-Phase und den Beginn einer großflächigen industriellen Skalierung.
Standardisierte Lösungen für die Automobilproduktion
Ein zentraler Akteur dieser Entwicklung ist ???? (Huilun Tech). Das Unternehmen hat für seinen Roboter GoMate Mini nach Einsätzen in Produktionslinien und Parks des Automobilherstellers GAC zwei Standardkonfigurationspakete für die Bereiche Automobilfertigung und integrierter Park-Service entwickelt.
Gemeinsam mit der GAC Power BU wird derzeit eine standardisierte Produktionslinie aufgebaut, die auf eine Kapazität von 10.000 Einheiten ausgelegt ist. Während für das Jahr 2026 zunächst die Lieferung kleiner Stückzahlen geplant ist, soll die breite Vermarktung im Jahr 2027 erfolgen.
Branchenexperten wie Zhang Xinyuan betonten, dass für einen kontinuierlichen störungsfreien Betrieb tausende Betriebsstunden und eine Aufgaben-Erfolgsrate von über 95 Prozent erforderlich seien.
Parallel dazu treibt XPENG die Automatisierung der Humanoid-Fertigung in Guangzhou voran. Das Unternehmen gab bekannt, dass über 80 Prozent der Kernprozesse in der Fertigungslinie automatisiert seien. Der humanoide Roboter IRON, der über ein Chassis mit 76 Freiheitsgraden und Hände mit jeweils 21 Freiheitsgraden verfügt, ist bereits autonom vom Band gelaufen.
Die Massenproduktion ist für Ende 2026 vorgesehen, gefolgt von einer internationalen Vermarktung im Jahr 2027. Die Robotik-Sparte von XPENG konnte bisher über 900 Millionen US-Dollar an privatem Kapital einsammeln und wird nach der Finanzierungsrunde mit über 6,3 Milliarden US-Dollar bewertet.
Skalierung und spezialisierte Fähigkeiten
Auch Figure AI verzeichnet signifikante Fortschritte bei der Skalierung. Vom Modell Figure 03 wurden bereits über 1.000 Einheiten produziert, die unter anderem im BMW-Werk in Spartanburg für das sogenannte Parts-Sequencing eingesetzt werden.
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Marktanalysen zufolge stiegen die weltweiten Auslieferungen humanoider Roboter im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 272 Prozent auf ein Volumen zwischen 19.000 und 22.000 Einheiten. Prognosen von Barclays gehen für das Gesamtjahr 2026 von über 60.000 neuen Einheiten aus, wobei industrielle und kommerzielle Anwendungen über 70 Prozent des Volumens ausmachen.
Der Anbieter UBTECH verfolgt unterdessen den Ansatz, Roboter mit vortrainierten Fähigkeiten statt als reine Hardware-Plattformen auszuliefern. Das Portfolio umfasst spezialisierte Modelle wie den Cruzr Y1 für das Materialhandling oder den Walker C1 für den Servicebereich.
Das Unternehmen expandiert derzeit in die Niederlande, um dort eine lokale Applikationsschicht aufzubauen. Für die Modelle Walker C1 und U-World U1 liegen bereits Aufträge aus Europa, Japan und Südkorea im Wert von über 50 Millionen RMB vor.
Netzwerke für „Physical AI“ und beschleunigte Integration
Die Komplexität der Systeme führt zur Bildung strategischer Allianzen. Samsung SDS hat das „Team REX“ ins Leben gerufen, einen Zusammenschluss von zehn Robotikfirmen, um die Entwicklung sogenannter Physical AI voranzutreiben.
Beteiligt sind Hardware-Spezialisten wie Rainbow Robotics und Wuji Technology sowie Unternehmen für Daten- und Intelligenzlösungen. In diesem Umfeld konnte Holiday Robotics mit einer Serie-A-Finanzierung in Höhe von 155 Milliarden Won einen Rekord in Korea aufstellen.
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Gleichzeitig verkürzen neue Software-Lösungen die Implementierungszeit in Fabriken drastisch. General Robotics erweiterte seine Plattform GRID um Funktionen, die das Onboarding von Robotern von etwa einem Monat auf zwei Stunden reduzieren sollen.
Auch die Zusammenarbeit zwischen Fanuc und Google zielt auf Vereinfachung ab: Ein neues automatisiertes Schweißsystem soll direkt aus Bauplänen arbeiten können, ohne dass eine manuelle Programmierung erforderlich ist. Erste Lieferungen dieses Systems werden für Dezember 2026 erwartet.
Investitionen und regulatorische Rahmenbedingungen
Das hohe Investitionsaufkommen wird durch Maven Robotics unterstrichen, das 100 Millionen US-Dollar für die Automatisierung von Montageprozessen einsammeln konnte. Im ersten Halbjahr 2026 beliefen sich die weltweiten Investitionen in die Robotik auf über 18,8 Milliarden US-Dollar.
Flankiert wird dieser industrielle Aufstieg durch neue Sicherheitsstandards. Der SRES-Leitfaden definiert globale Baselines auf Basis von ISO- und IEC-Normen für General-Purpose-Roboter. In Indien bereiten Behörden derzeit den Entwurf der National Robotics Safety Standards (NRSS 2024) vor, die ab April 2026 verbindlich werden könnten, um die heimische Fertigungsquote bis 2027 signifikant zu steigern.
