Humanoide, Roboter

Humanoide Roboter: Gartner erwartet bis 2028 nur wenige Firmen in Serie

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 12:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
IFR-PrÀsidentin Heffner sieht Humanoide vorerst als ErgÀnzung; Sicherheitsnormen, Kosten und technische Reife bremsen den industriellen Einsatz.
Eine moderne, hochtechnologische Fertigungslinie in einer Fabrikhalle mit stationÀren Industrieroboterarmen. Illustration mit AI erstellt.

Humanoide Roboter werden spezialisierte Industrieanlagen in Fabriken auf absehbare Zeit nicht ablösen, sondern allenfalls ergÀnzen. Diese EinschÀtzung vertritt Jane Heffner, PrÀsidentin des Branchenverbands International Federation of Robotics (IFR).

FĂŒr die meisten Fertigungsaufgaben sei eine zweckgebundene Maschine schneller, sicherer und verlĂ€sslicher als ein Roboter in menschlicher Gestalt. Zudem stehe die Sicherheit dynamisch stabiler, zweibeiniger Systeme mit hohem Schwerpunkt noch am Anfang, wĂ€hrend entsprechende Sicherheitsstandards erst ausgearbeitet werden.

Prototypenstatus und Grenzen der Menschenform

Nach Heffners Darstellung besteht die aktuelle Entwicklung bei humanoiden Systemen ĂŒberwiegend aus Prototypen und Machbarkeitskonzepten. Der Schritt in den industriellen Produktionsmaßstab sei groß und brauche Zeit.

Zwar trieben humanoide Systeme Fortschritte in Bereichen wie Bildverarbeitung, Greiftechnik und Manipulation voran, doch fĂŒr flexible EinsĂ€tze an wechselnden Orten reichten oft schon mobile Plattformen mit Roboterarmen aus.

Einen potenziellen Nutzen fĂŒr Humanoide sieht die VerbandsprĂ€sidentin vor allem bei Aufgaben mit geringem Volumen in Arbeitsumgebungen, die ursprĂŒnglich fĂŒr menschliche ArbeitskrĂ€fte gebaut wurden.

Auch Branchenbeobachter dĂ€mpfen die Erwartungen an eine schnelle industrielle Verbreitung. Das Marktforschungsunternehmen Gartner prognostiziert, dass bis 2028 weniger als 100 Unternehmen humanoide Roboter ĂŒber die Erprobungsphase hinaus einsetzen werden, und weniger als 20 Firmen diese in die Serienproduktion ĂŒbernehmen.

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Zum Vergleich: Laut der IFR wurden im Jahr 2024 weltweit 542.000 herkömmliche Industrieroboter neu installiert, wodurch der globale Bestand auf rund 4,7 Millionen Einheiten anwuchs. Bei humanoiden Robotern verzeichnete IDC fĂŒr das Jahr 2025 zwar ĂŒber 18.000 ausgelieferte Einheiten, von denen rund 95 Prozent auf chinesische Hersteller entfielen.

Allerdings dienten etwa 85 Prozent dieser GerĂ€te VorfĂŒhrungen, Bildungszwecken, Datensammlungen und RundgĂ€ngen. Bis zum Jahr 2030 erwartet IDC weltweit ĂŒber 510.000 ausgelieferte Einheiten.

Technische Reife und ungelöste Zertifizierung

Die frĂŒhere NVIDIA-Robotikmanagerin und heutige Wagniskapitalgeberin Amulya Vishwanath sieht fĂŒr die Branche ebenfalls keinen plötzlichen Durchbruch wie bei generativen Sprachmodellen. Die These eines universellen Basismodells greife zu kurz, da Softwarearchitekturen, Aktuatoren, HĂ€nde und Sicherheitsnormen sich weiterhin im Umbau befĂ€nden.

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Vishwanath verweist auf praktische Grenzen wie Geschicklichkeit, Kosten und Akkulaufzeiten; die Branche bewege sich in einer modularen FrĂŒhphase. Roboter mĂŒssten digitale Modellvorgaben physisch in Drehmoment, Greifkraft und Balance ĂŒbersetzen, wobei die Hardware mechanischem Verschleiß unterliege.

Zudem gelte die Sicherheitszertifizierung fĂŒr erlernte statt fest programmierter BewegungsablĂ€ufe weiterhin als ungelöst. Dauerhaftes Kapital erwartet sie vor allem bei spezialisierten Zulieferern von Simulation, Sensorik, HĂ€nden und Aktuatoren.

VerschĂ€rft werden die industriellen HĂŒrden durch offene Normierungsfragen. Das Regelwerk ISO 25785-1 fĂŒr die Sicherheit dynamisch stabiler industrieller MobilitĂ€tsroboter liegt bislang nur als unverbindlicher Arbeitsentwurf vor und ist nicht zertifizierbar.

In Europa greift ab dem 20. Januar 2027 die Maschinen verordnung (EU) 2023/1230, nach der Unternehmen ohne harmonisierte Normen standortspezifische Risikobewertungen durchfĂŒhren mĂŒssen. Solange Sicherheitsstandards und mechanische Komponenten nicht voll ausgereift sind, bleibt die zweckgebundene Automatisierungstechnik der Standard in Werkshallen.

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