Humanoide, Roboter

Humanoide Roboter in den USA: IDC erwartet 58 Prozent weniger Umsatz bis 2030

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 22:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
IDC prognostiziert für den US-Robotikmarkt bis 2030 mehr als sechs Milliarden US-Dollar an kumulierten Umsatzeinbußen.
Eine leere, sterile Industriehalle mit poliertem Betonboden und industrieller Beleuchtung, die die Weite einer Fertigungsanlage zeigt. Illustration mit AI erstellt.

Die regulatorischen Maßnahmen der US-Regierung treffen die Entwicklung der humanoiden Robotik mit erheblicher Wucht. Laut einer am 22. Oktober 2026 vorgelegten Prognose des Marktforschungsunternehmens International Data Corporation (IDC) wird der US-Umsatz im Bereich der humanoiden Robotik bis 2030 um 58 Prozent unter dem Wert liegen, der vor den Beschränkungen als Baseline modelliert wurde.

Milliardenverluste und sinkende Wachstumsraten

Für den gesamten US-Robotikmarkt beziffert IDC den kumulierten Umsatzverlust im Zeitraum von 2026 bis 2030 auf über 6 Milliarden US-Dollar. Mehr als 2 Milliarden US-Dollar dieses Ausfalls entfallen dabei allein auf das Jahr 2030. Die jährliche Wachstumsrate der in der IDC-Analyse modellierten Kategorien verlangsamt sich demnach spürbar von rund 13 Prozent auf etwa 9 Prozent.

Bereits für 2027 prognostiziert IDC beim US-Umsatz mit humanoiden Robotern ein Minus von 41 Prozent gegenüber der Baseline. Andere Segmente sind deutlich geringer betroffen: Bei Haushaltsreinigungsrobotern erwartet IDC für 2027 lediglich einen Rückgang um 4 Prozent und für 2030 um 18 Prozent unter das ursprüngliche Ausgangsniveau.

Regulatorischer Rahmen und globale Lieferketten

Hintergrund der Einbrüche sind schärfere Vorgaben der US-Behörden. Am 28. Juli 2026 setzte die Federal Communications Commission (FCC) im Ausland hergestellte fortschrittliche Robotergeräte auf die sogenannte Covered List.

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Bereits zuvor autorisierte Gerätemodelle dürfen zwar weiterhin importiert werden, und Software- sowie Firmware-Updates bleiben bis mindestens zum 1. Januar 2029 zulässig. Für bedingte Neugenehmigungen gilt jedoch eine Antragsfrist bis zum 1. Januar 2028.

Die Maßnahmen treffen auf eine stark asymmetrische Ausgangslage. Im ersten Halbjahr 2026 wurden weltweit rund 25.000 humanoide Roboter ausgeliefert, nachdem es im Gesamtjahr 2025 etwa 18.500 Einheiten waren.

Rund 95 Prozent dieser Lieferungen entfielen auf chinesische Hersteller wie Unitree und AGIBOT. IDC geht davon aus, dass chinesische Anbieter ihre Lieferungen infolge der US-Restriktionen verstärkt nach Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Osteuropa umleiten werden.

Laut IDC führt die Politik zu einer Spaltung in zwei voneinander getrennte Industrien mit eigenen Standards, Zulieferern und Kostenstrukturen. Während US-Hersteller den Zugang zu chinesischen Lieferketten, industriellen Fertigungsskalen und Nachfragemärkten einbüßen, bleiben chinesische Unternehmen vom US-Markt abgeschnitten.

Wettbewerbsnachteile und Engpässe in der Industrie

Während sich US-Entwickler wie Tesla mit Optimus, Figure AI, Agility und Apptronik weiterhin in Pilotphasen befinden, bieten chinesische Hersteller wie Unitree, UBTech, AgiBot und Fourier ihre Systeme bereits zu Preisen von unter 20.000 US-Dollar an. Hinzu kommt, dass für die Produktion essenzielle Seltene Erden überwiegend in China konzentriert sind.

Wie stark auch andere Hochtechnologiezweige von den Beschränkungen berührt werden, verdeutlicht eine Entscheidung der FCC vom 22. Oktober 2026: Die Behörde erteilte dem Chiphersteller Intel eine einjährige Ausnahmegenehmigung für ausländische fahrerlose Transportfahrzeuge (AGVs) in US-Halbleiterfabriken.

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Intel hatte den Antrag am 16. Oktober 2026 eingereicht und den Schritt mit dem Schutz der laufenden Produktion sowie dem Fehlen US-amerikanischer Alternativen begründet. Die betroffenen Fahrzeugtypen werden üblicherweise von Anbietern wie Daifuku oder Murata Machinery gefertigt.

Zudem läuft seit Mitte 2025 eine Untersuchung des US-Handelsministeriums nach Section 232 zu Robotern und Industriemaschinen, bei der Maßnahmen von Zöllen bis hin zu Lizenzen im Raum stehen. Der Markt für Fabrikautomation wird maßgeblich von asiatischen und europäischen Akteuren wie Daifuku, Murata, SFA, Fanuc, Yaskawa, ABB und KUKA geprägt, während in den USA eine vergleichbar große industrielle Basis fehlt.

Branchenbeobachter verweisen derweil darauf, dass Käufer bestehende Geräte nach derzeitigem Stand nicht ersetzen müssen. Dennoch wird Unternehmen eine genaue Prüfung ihrer Lieferanten und Robotertypen empfohlen, um künftige Betriebs- und Beschaffungsrisiken zu minimieren.

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