Hypertonie: Treppensteigen reduziert Herztodesrisiko um 39%
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der medizinischen Fachwelt wird die Rolle von Hausmitteln bei der Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) differenziert bewertet. Kardiologen wie Dr. Max Fritschka von der Berliner Charité weisen darauf hin, dass populäre Hausmittel wie Knoblauch, Zitronen oder Pfefferminztee keine geeigneten Sofortmaßnahmen zur Senkung des Blutdrucks darstellen. Sobald bei ärztlichen Messungen Werte von 140/90 mmHg oder höher erreicht werden, sei die Gabe von Medikamenten medizinisch notwendig.
Aktuelle Leitlinien und Zielwerte für die Herzgesundheit
Nach der Leitlinie der European Society of Hypertension (ESH) liegt ein idealer Blutdruck bei Werten von unter 120/80 mmHg. Wissenschaftliche Untersuchungen aus den Jahren 2017 und 2023 belegen laut Experten der Charité, dass ein systolischer Blutdruck unterhalb dieser Schwelle das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant senkt.
In der medizinischen Praxis der Schweiz wird ein Wert ab 140/90 mmHg als Hypertonie eingestuft, wobei eine europäische Leitlinie aus dem Jahr 2024 den Bereich zwischen 120-139/70-89 mmHg bereits als erhöhten Blutdruck definiert.
Die Prävalenz der Erkrankung ist hoch: Weltweit sind schätzungsweise 1,28 Milliarden Menschen von Bluthochdruck betroffen. In der Altersgruppe über 65 Jahre leidet jede zweite Person unter diesem Krankheitsbild.
Die Schweizer Herzstiftung empfiehlt daher regelmäßige Kontrollen ab dem 18. Lebensjahr alle fünf Jahre, ab dem 40. Lebensjahr sollte die Messung jährlich erfolgen. In England wurde für Personen ab 40 Jahren ein kostenloses Apotheken-Screening etabliert, um die geschätzt 5,5 Millionen unerkannten Fälle zu identifizieren.
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Bedeutung von Kalium und spezifischen Lebensmitteln
Ein US-Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Naomi Fukagawa von der University of Vermont empfiehlt in einer Publikation im American Journal of Clinical Nutrition aus dem Jahr 2026 eine kombinierte Strategie aus erhöhter Kaliumzufuhr und Salzreduktion.
Kaliumreiche Lebensmittel wie Bananen, Avocados, Aprikosen und Feldsalat stünden demnach im Fokus neuer Behandlungsempfehlungen. Diese Ernährung könne zudem Vorteile bei nichtalkoholischer Fettleber bieten.
Verschiedene Metaanalysen stützen das Potenzial bestimmter Säfte und Tees, betonen jedoch, dass diese kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie sind:
- Rote-Bete-Saft konnte in einer Untersuchung von 11 Studien mit 349 Patienten im Jahr 2024 den systolischen Wert um etwa 5,3 mmHg senken.
- Granatapfelsaft reduzierte in 22 Studien den systolischen Wert um circa 7,9 mmHg und den diastolischen um 3,2 mmHg.
- Hibiskustee erzielte laut fünf Studien eine Senkung von etwa 7,6/3,5 mmHg.
- Grüner Tee zeigte in einer Untersuchung aus dem Jahr 2025 einen geringfügigen Effekt von etwa 1 mmHg.
Auch die Aubergine wird aufgrund ihres Gehalts an Kalium (175 mg/100 g) und Anthocyanen in der violetten Schale als gesundheitsfördernd eingestuft, wobei Patienten mit Nierenproblemen aufgrund der nötigen Kaliumrestriktion Vorsicht walten lassen sollten.
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Risiken, Interaktionen und Lebensstilfaktoren
Trotz der Vorteile bestimmter Lebensmittel warnen Mediziner vor riskanten Wechselwirkungen. Die Grapefruit steht im Verdacht, das Enzym CYP3A4 zu hemmen, was die Wirkung von Blutdruckmedikamenten unkontrolliert verstärken kann. Lakritz kann den Blutdruck erhöhen, während die tägliche Salzzufuhr ein Maximum von 5 g nicht überschreiten sollte.
Ein wesentlicher Faktor außerhalb der Ernährung ist die körperliche Aktivität. Eine Metaanalyse des Norfolk and Norwich University Hospital und der University of East Anglia, die Daten von über 480.000 Personen über 14 Jahre auswertete, zeigt einen statistischen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Treppensteigen und der Herzgesundheit.
Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, sank bei den Probanden um 39 Prozent. Experten halten etwa sechs Stockwerke pro Tag für optimal.
Zudem deuten systematische Reviews darauf hin, dass UV-Exposition, insbesondere UVA-Strahlung, zur Senkung des Blutdrucks beitragen kann, da Stickstoffmonoxid aus der Haut freigesetzt wird. Dieser Effekt tritt unabhängig von der Vitamin-D-Bildung auf, erfordert jedoch aufgrund des Hautkrebsrisikos eine sorgfältige Abwägung.
