IBM-Kurssturz: 25-Prozent-Einbruch durch KI-Konkurrenz und COBOL-Automatisierung
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 20:35 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Nach vorläufigen Quartalszahlen, die weit unter den Erwartungen lagen, brach die Aktie um rund 25 Prozent ein. Das entspricht einem Wertverlust von 60 bis 70 Milliarden Euro.
Konzernchef Arvind Krishna räumte ein, dass IBM nicht schnell genug auf den Wandel der Technologielandschaft reagiert habe. Kunden verlagerten ihre Ausgaben massiv in Richtung KI-Hardware – Server und Speicherlösungen – und vernachlässigten dabei traditionelle Software und IT-Dienstleistungen.
KI-Boom belastet das Kerngeschäft
Die vorläufigen Ergebnisse für das zweite Quartal zeigen ein gemischtes Bild. Der Umsatz lag bei 17,2 Milliarden Euro – ein Plus von einem Prozent im Jahresvergleich, aber deutlich unter den erwarteten 17,86 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn pro Aktie betrug 2,93 Euro, Analysten hatten mit 3,02 Euro gerechnet.
Besonders hart traf es die Infrastruktursparte: Sie verzeichnete einen Umsatzrückgang von sieben Prozent. „Ende Juni haben Kunden ihre Budgets umgeschichtet – weg von Mainframes, hin zu KI-Infrastruktur und Speicherkomponenten für Rechenzentren", erklärte das Management. Das traf vor allem das Mainframe-Geschäft mit dem aktuellen Modell z17.
Zwar legte die Red-Hat-Sparte um elf Prozent zu, das Softwaregeschäft insgesamt wuchs um fünf Prozent – doch diese Zuwächse reichten nicht, um die Verluste in anderen Bereichen auszugleichen. Das Consulting-Geschäft stagnierte.
Der rasante Wandel durch KĂĽnstliche Intelligenz stellt nicht nur Tech-Riesen vor enorme Herausforderungen, sondern bringt auch komplexe neue Regularien mit sich. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Ăśberblick ĂĽber Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Die COBOL-Falle: KI bedroht traditionsreiche Einnahmequelle
Der jüngste Kurssturz ist nicht der erste Rückschlag in diesem Jahr. Bereits im Februar und März hatten IBM-Aktien zweistellige Verluste erlitten – ausgelöst durch Entwicklungen der KI-Firma Anthropic.
Deren Tool „Claude Code" automatisiert die Modernisierung von COBOL-Code. Und das ist für IBM existenziell: COBOL steckt noch immer in etwa 95 Prozent der Banksysteme weltweit. Die Modernisierung dieser Altlasten war jahrelang eine Goldgrube für IBMs Beratungs- und Servicegeschäft. Claude Code kann Abhängigkeiten schneller analysieren und Risiken identifizieren als menschliche Entwickler – eine direkte Bedrohung für dieses Geschäftsmodell.
Hinzu kommen Sicherheitsbedenken rund um Anthropics KI-Modell „Mythos". Berichten zufolge haben Unsicherheiten über diese neuen Bedrohungen mehrere große Vertragsabschlüsse bei IBM verzögert.
Fünf Milliarden für Sicherheit – und Hoffnung auf Quantencomputer
Als Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage kündigte IBM die Initiative „Lightwell" an. Das Open-Source-Sicherheitsprojekt ist mit fünf Milliarden Euro dotiert und wird gemeinsam mit Großbanken wie Bank of America, JPMorgan und Goldman Sachs entwickelt.
Während Konzerne Milliarden in neue Abwehrsysteme investieren, müssen auch mittelständische Unternehmen ihre IT-Sicherheit an die neue Bedrohungslage anpassen. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Cyberrisiken durch neue KI-Gesetze jetzt auf Sie zukommen. Gratis-Report zu neuen KI-Gesetzen und Cyberrisiken anfordern
Gleichzeitig hält der Konzern an seinen langfristigen Investitionen fest. IBM hat über zehn Milliarden Euro in Quantencomputing gesteckt und will bis 2029 den ersten großskaligen Quantencomputer vorstellen.
Mehrere Finanzinstitute, darunter HSBC, haben ihre Prognosen für IBM nach dem Kurseinbruch gesenkt. Zwar erholte sich die Aktie im vorbörslichen handel am Mittwoch um etwa zwei Prozent – doch der Druck bleibt hoch. Am 22. Juli legt IBM den vollständigen Quartalsbericht vor. Die Anleger warten gespannt.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
