Ibuprofen, RegelmĂ€ĂŸige

Ibuprofen: RegelmĂ€ĂŸige Einnahme kann das Herzinfarktrisiko verdoppeln

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden regelmĂ€ĂŸige Schmerzmitteleinnahme mit höherem Blutdruck sowie Herz- und Nierenrisiken; Wechselwirkungen können zusĂ€tzliche Komplikationen auslösen.
Ein Stethoskop liegt auf einem weißen Untersuchungstisch in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Medizinische Untersuchungen warnen vor den kardiovaskulĂ€ren Gefahren einer regelmĂ€ĂŸigen Einnahme gĂ€ngiger Schmerzmittel. PrĂ€parate wie Ibuprofen können den Blutdruck signifikant steigern und das Risiko fĂŒr schwerwiegende Herz-Kreislauf-Komplikationen erhöhen. Die beobachteten Effekte betreffen dabei nicht nur Ă€ltere Patienten oder Personen mit diagnostiziertem Bluthochdruck.

Mechanismen und Risiken von Ibuprofen und NSAR

Ibuprofen hemmt im Organismus die Produktion von Prostaglandinen, was in der Folge eine Vasokonstriktion sowie eine FlĂŒssigkeitsretention auslöst. Dieser Mechanismus kann dazu fĂŒhren, dass der Blutdruck selbst ohne vorherige Hypertonie-Historie ansteigt.

Die Erhöhung tritt mitunter bereits nach wenigen Tagen regelmĂ€ĂŸiger Einnahme auf, wobei das Risiko mit der Dosierung und der Behandlungsdauer zunimmt. Angaben aus der Herzmedizin zufolge besteht bereits bei einer regelmĂ€ĂŸigen Anwendung ĂŒber einen Zeitraum von ein bis sieben Tagen eine Verdopplung des Herzinfarktrisikos.

Diese ZusammenhĂ€nge werden durch klinische Daten gestĂŒtzt. In einer Untersuchung des UniversitĂ€tsspitals ZĂŒrich aus dem Jahr 2017 wurden 444 Patienten mit HerzkranzgefĂ€ĂŸ-Erkrankungen oder entsprechend erhöhtem Risiko untersucht, darunter 408 Personen mit Arthrose und 36 mit rheumatoider Arthritis.

Eine tÀgliche Einnahme von dreimal 600 bis 800 Milligramm Ibuprofen steigerte den Blutdruck nach vier Monaten im Schnitt um 3,7 mmHg. Unter Naproxen (zweimal 375 bis 500 Milligramm tÀglich) stieg der Wert um 1,6 mmHg, wÀhrend Celecoxib (zweimal 100 bis 200 Milligramm tÀglich) eine Senkung um 0,3 mmHg bewirkte.

Unerwartete Blutdrucksteigerung unter Paracetamol

Obwohl Acetaminophen beziehungsweise Paracetamol lange als sicherste rezeptfreie Option bei Bluthochdruck eingestuft wurde, verweisen wissenschaftliche Arbeiten auch hier auf Risikopotenziale. Eine Studie der Hochdruckliga sowie Daten der UniversitÀt Edinburgh dokumentieren einen messbaren Blutdruckanstieg.

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In der randomisierten schottischen Studie nahmen 110 Personen mit Hypertonie ĂŒber zwei Wochen die Maximaldosis von viermal tĂ€glich einem Gramm Paracetamol ein, gefolgt von einer zweiwöchigen Placebophase.

Der systolische Blutdruck kletterte unter Paracetamol im Mittel um rund 5 mmHg im Vergleich zur Kontrollgruppe. Dieser Anstieg manifestierte sich bereits am vierten Tag und hielt ĂŒber die gesamte 14-tĂ€gige Einnahmedauer an – unabhĂ€ngig davon, welche Blutdruckmedikamente die Probanden begleitend einnahmen.

Das Herz-Kreislauf- und Schlaganfallrisiko steigt unter dieser Dosis schÀtzungsweise um rund 20 Prozent, was dem Gefahrenprofil klassischer NSAR nahekommt. Zudem wurde ein leichter, reversibler Anstieg der ALT-Leberwerte registriert.

Prof. James Dear riet vor diesem Hintergrund dazu, bei einer langfristigen Verordnung das Nutzen-Risiko-VerhĂ€ltnis genau abzuwĂ€gen. Dr. Iain MacIntyre betonte zugleich, dass diese Befunde in erster Linie fĂŒr eine dauerhafte Anwendung gelten und nicht fĂŒr kurzzeitige Behandlungszyklen.

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Wechselwirkungen und Risiken bei Mehrfachmedikation

Der chronische Gebrauch von NSAR birgt zudem die Gefahr irreversibler NierenschÀden in Form einer analgetischen Nephropathie sowie einer sekundÀren Hypertonie. Nach dem Absetzen normalisieren sich die Werte meist innerhalb von ein bis drei Tagen.

Bei vulnerablen Gruppen, etwa bei chronischer Niereninsuffizienz, Herzinsuffizienz oder fortgeschrittenem Alter mit Diabetes, können Ibuprofen und Naproxen bereits nach drei Tagen akute Komplikationen verursachen. Eine brasilianische Übersichtsarbeit hebt hervor, dass die NierenschĂ€digung vor allem hĂ€modynamisch vermittelt wird und bereits im therapeutischen Dosisbereich auftreten kann.

Erhebliche Gefahren entstehen zudem durch Wechselwirkungen. Ibuprofen schwÀcht die therapeutische Wirkung von ACE-Hemmern, Angiotensin-Rezeptor-Blockern sowie Diuretika ab. Die gemeinsame Verabreichung von Ibuprofen mit dem ACE-Hemmer Ramipril und dem Diuretikum Furosemid steigert das Risiko akuten Nierenversagens betrÀchtlich.

ZusĂ€tzliche Komplikationen drohen bei der Kombination von NSAR mit Antikoagulanzien, Kortikosteroiden oder Lithium. Da NSAR und COX-2-Hemmer die renale Lithium-Ausscheidung drosseln, drohen toxische Überdosierungen.

Wie relevant unerwĂŒnschte Arzneimittelwirkungen im Versorgungsalltag sind, belegen Erhebungen des britischen National Health Service: In Großbritannien werden tĂ€glich etwa 1.000 Ă€ltere Patienten mit medikamentenbedingten Nebenwirkungen in Notaufnahmen vorstellig.

Nach SchĂ€tzungen nehmen dort rund 2,2 Millionen BĂŒrger zehn oder mehr Wirkstoffe parallel ein, was ihr Risiko fĂŒr toxische Interaktionen und eine damit verbundene Hospitalisierung etwa vervierfacht.

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