Ibuprofen, Herzstillstand

Ibuprofen und Herzstillstand: Risiko steigt laut Untersuchung um bis zu 31 Prozent

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien und Fachleute verweisen auf mögliche Herz-Kreislauf-, Nieren- und Magenrisiken bei Ibuprofen, besonders bei längerer Anwendung.
Ein Stethoskop liegt neben einem Glas Wasser auf einer weißen Tischoberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Die regelmäßige Einnahme des weitverbreiteten Schmerzmittels Ibuprofen kann den Blutdruck signifikant erhöhen. Darauf weisen medizinische Berichte hin und betonen, dass dieser Effekt insbesondere im Rahmen einer langfristigen Schmerztherapie sorgfältig berücksichtigt werden muss.

Der Wirkstoff aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) hemmt die Enzyme COX-1 und COX-2, wodurch die Produktion blutdruckregulierender Prostaglandine gedrosselt, Gefäße verengt und vermehrt Natrium im Körper zurückgehalten werden.

Kardiovaskuläre Risiken und messbare Blutdrucksteigerung

Wie deutlich Ibuprofen die Blutdruckwerte beeinflussen kann, belegte bereits eine Untersuchung des Universitätsspitals Zürich aus dem Jahr 2017 an 444 Patienten mit Herzkranzgefäß-Erkrankungen oder entsprechend erhöhtem Risiko, darunter 408 Personen mit Arthrose und 36 mit rheumatoider Arthritis.

Bei einer Dosierung von dreimal 600 bis 800 Milligramm Ibuprofen täglich stieg der Blutdruck nach vier Monaten um 3,7 mmHg. Im Vergleich dazu führte Naproxen bei einer Dosis von zweimal 375 bis 500 Milligramm zu einem Anstieg um 1,6 mmHg, während Celecoxib bei zweimal 100 bis 200 Milligramm den Wert um 0,3 mmHg senkte.

Zudem warnt das Fachportal Herzmedizin vor einer Zunahme des Herzinfarktrisikos um 100 Prozent bei einer regelmäßigen Einnahme über einen Zeitraum von ein bis sieben Tagen. Bei unbehandeltem Bluthochdruck sowie schwerer Herzschwäche gilt das Medikament daher als kontraindiziert.

Auch andere Schmerzmittel sind nicht frei von Nebenwirkungen: Laut einer Studie der Hochdruckliga kann bei Bluthochdruck-Patienten auch Paracetamol zu steigenden Blutdruckwerten führen.

Eine im Fachblatt European Heart Journal veröffentlichte Untersuchung auf Basis dänischer Registerdaten von 29.000 Herzstillstand-Patienten aus den Jahren 2001 bis 2010 ergab, dass rund 3.400 Betroffene in den 30 Tagen vor dem Ereignis NSAR eingenommen hatten.

Ibuprofen erhöhte das Risiko eines Herzstillstands um bis zu 31 Prozent, während Diclofenac einen Anstieg von bis zu 50 Prozent verzeichnete. Der Hauptautor Gunnar Gislason von der Universität Kopenhagen mahnte daher an, NSAR keineswegs als harmlos einzustufen, und empfahl, maximal 1.200 Milligramm Ibuprofen pro Tag einzunehmen.

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Auch die US-Arzneimittelbehörde FDA wies darauf hin, dass Personen mit Herzerkrankungen oder Hypertonie vor dem Gebrauch Rücksprache mit Ärzten halten sollten.

Gefährliche Wechselwirkungen und Belastung der Nieren

Besondere Vorsicht ist bei älteren Menschen geboten. Ein Apotheker warnte davor, dass zunehmend Patienten über 70 Jahre Ibuprofen eigenständig mit verordneten Blutdrucksenkern kombinieren. Die schmerzlindernde Medikation schwächt die Wirksamkeit der Antihypertensiva ab. Gefürchtet ist vor allem die Kombination aus ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptorblockern mit einem Diuretikum und einem NSAR.

Dieses Zusammenspiel kann die Durchblutung der Nieren massiv reduzieren und die Gefahr eines akuten Nierenversagens steigern. Zu den Warnsignalen zählen Schwindel, geschwollene Knöchel, eine verminderte Urinausscheidung sowie eine Dekompensation bestehender Herzinsuffizienzen.

Organisationen wie die britische National Pharmacy Association (NPA) und Kidney Care UK betonen, dass Risiken bei Langzeitanwendung kumulieren. Im Vereinigten Königreich leben schätzungsweise 7,2 Millionen Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung, davon rund eine Million ohne Diagnose.

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Nach den dortigen NHS-Richtlinien sollte Ibuprofen höchstens zehn Tage am Stück eingenommen werden. Der Nephrologe Gerson Berná hob zudem hervor, dass akute Nierenschäden auch nach kurzer Einnahmedauer drohen, wenn Flüssigkeitsmangel durch Erbrechen, Durchfall oder Hitze hinzukommt.

Magen-Darm-Gefahren und Regeln für die Dosierung

Neben Herz und Nieren belastet der Wirkstoff den Verdauungstrakt. Wie Dr. Aravinda S N vom Aster RV Hospital in Bengaluru erläuterte, reizen NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen die Magenschleimhaut, was zu Gastritis, Geschwüren oder Blutungen hinterlassen kann.

Zudem könne der häufige Gebrauch paradoxerweise Kopfschmerzen durch Medikamentenübergebrauch triggern. Eine wissenschaftliche Übersicht aus dem Jahr 2025 bestätigte die Gefahren dauerhafter Selbstdosierung, die von Magenblutungen bis hin zu Atemproblemen bei Asthmatikern reichen. Alkohol verstärkt das Risiko gastrointestinaler Blutungen zusätzlich.

MUDr. Jakub Holešovský vom Krankenhaus Rudolfa a Stefanie Benešov verwies darauf, dass NSAR bei kurzer Behandlungsdauer unter zwei Wochen vor allem bei Patienten ohne schwere kardiovaskuläre Vorerkrankungen zum Einsatz kommen, während bei Risikopatienten ein begleitender Magenschutz erwogen wird.

Der Neurologe Michelangelo Buonocore vom IRCCS Maugeri in Pavia warnte zudem ausdrücklich davor, Schmerzmittel präventiv vor körperlicher oder beruflicher Belastung zu konsumieren, da sie körpereigene Warnsignale unterdrücken.

Ohne ärztliche Konsultation liegt die empfohlene Erwachsenendosis bei 200 bis 400 Milligramm alle vier bis sechs Stunden bei einer Höchstgrenze von 1.200 Milligramm am Tag. Höhere Dosierungen von 1.200 bis 3.200 Milligramm täglich, etwa bei rheumatoider Arthritis, bedürfen einer engen medizinischen Begleitung. Bei leichten Schmerzen gilt Paracetamol weiterhin als schonendere Alternative für Risikogruppen.

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