IgG4-Erkrankung, Antikörper

IgG4-Erkrankung: Neuer Antikörper reduziert Kortison um 65%

Veröffentlicht: 03.06.2026 um 11:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Neuartiger Antikörper senkt Schubrisiko bei IgG4-Erkrankung um 56 Prozent und reduziert Kortisonbedarf deutlich.

IgG4-Erkrankung: Neuer Antikörper reduziert Kortison um 65% - Bild: über boerse-global.de
IgG4-Erkrankung: Neuer Antikörper reduziert Kortison um 65% - Bild: über boerse-global.de

Die Ergebnisse einer großen Studie, die Anfang Juni 2026 auf dem EULAR-Kongress in London vorgestellt und zeitgleich im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, zeigen: Der Wirkstoff Obexelimab könnte die Abhängigkeit von Kortison drastisch reduzieren.

Betroffen ist die IgG4-bedingte Erkrankung (IgG4-RD) – eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Gewebe und Organe angreift. Bislang galt eine langfristige Steroid-Therapie als Standard, die jedoch oft mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden ist.

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56 Prozent weniger Krankheitsschübe

Im Zentrum steht die Phase-3-INDIGO-Studie des Biotechnologieunternehmens Zenas BioPharma. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Patienten, die den bifunktionalen Antikörper Obexelimab erhielten, hatten ein um 56 Prozent geringeres Risiko für einen Krankheitsschub im Vergleich zur Placebo-Gruppe (Hazard Ratio 0,44; p=0,0005).

Nach 52 Wochen blieben 73,2 Prozent der Behandelten schubfrei – in der Placebo-Gruppe waren es nur 45,4 Prozent. Der Wirkstoff erzielte zudem alle vier wichtigen sekundären Studienziele:

  • 59 Prozent weniger Schübe, die eine Notfallbehandlung erforderten
  • 52 Prozent niedrigere jährliche Schubrate
  • 37,1 Prozent komplette Remission nach einem Jahr (Placebo: 19,6 Prozent)
  • 65 Prozent Reduktion des gesamten Kortisonverbrauchs

Besonders bemerkenswert: Die Zahl schwerwiegender Nebenwirkungen (Grad 3 oder höher) lag in der Obexelimab-Gruppe mit 11,3 Prozent deutlich unter der Placebo-Gruppe (23,7 Prozent). Das spricht für ein gutes Sicherheitsprofil.

Zulassung in den USA bereits beantragt

Zenas BioPharma hat bereits im Mai 2026 einen Zulassungsantrag (BLA) bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht. Sollte dieser erfolgreich sein, wäre Obexelimab die erste gezielte Therapie ihrer Art für IgG4-RD.

Doch das Unternehmen denkt weiter: Eine Phase-2-Studie (SunStone) untersucht den Wirkstoff auch bei systemischem Lupus erythematodes (SLE). Ergebnisse werden für das vierte Quartal 2026 erwartet.

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Weitere Durchbrüche in der Autoimmun-Forschung

Die INDIGO-Daten sind Teil einer ganzen Welle positiver Studienergebnisse, die Anfang Juni 2026 auf mehreren Fachkongressen präsentiert wurden:

  • Sjögren-Syndrom: Johnson & Johnson zeigte für nipocalimab eine Ansprechrate von 62,5 Prozent bei Patienten mit erhöhten Autoantikörpern. Der FcRn-Blocker hat bereits den Status als Durchbruchstherapie der FDA.
  • Myositis: argenx präsentierte 52-Wochen-Daten zu efgartigimod. 37,5 Prozent der Patienten zeigten eine anhaltende Verbesserung. Ergebnisse einer größeren Phase-3-Studie werden für das dritte Quartal 2026 erwartet.
  • Colitis ulcerosa: Abivax meldete für obefazimod klinische Remissionsraten von über 50 Prozent. Ein Zulassungsantrag bei der FDA ist bis Ende 2026 geplant.
  • Hereditäres Angioödem: Intellia Therapeutics stellte auf dem EAACI-Kongress in Istanbul Daten zu seiner CRISPR-Therapie lonvoguran ziclumeran vor. Die monatliche Anfallrate sank um 87 Prozent. Ein Marktstart in den USA wird für die erste Jahreshälfte 2027 erwartet.

Die geballte Datenflut zeigt: Die Autoimmun-Forschung erlebt einen Innovationsschub. Gleich mehrere Unternehmen stehen vor regulatorischen Entscheidungen und Markteinführungen in den kommenden zwölf Monaten. Für Patienten mit chronischen Entzündungskrankheiten könnte das den lange erhofften Durchbruch bedeuten – weg von der Breitband-Therapie mit Kortison, hin zu präzisen, zielgerichteten Behandlungen.

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