Illinois beschließt KI-Sicherheitsgesetze: Verbot bei Lehrerbewertungen ab 2027
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 17:22 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Hunderte Wirtschaftsexperten warnen vor massiven Jobverlusten, während Proteste vor Tech-Konzernen und neue US-Gesetze die wachsende Kluft zwischen KI-Befürwortern und einer verunsicherten Öffentlichkeit offenlegen.
200 Experten fordern sofortiges Handeln
Am 13. Juli 2026 veröffentlichte eine Gruppe von mehr als 200 Ökonomen, Forschern und Technologieführern eine gemeinsame Erklärung mit dem Titel „We Must Act Now" (Wir müssen jetzt handeln). Die Warnung ist deutlich: Der aktuelle KI-Wandel könnte größer sein als die Industrielle Revolution – und das in einem deutlich schnelleren Tempo.
Organisiert wurde der Appell vom Digital Economy Lab der Stanford University. Zu den Unterzeichnern zählen 16 Nobelpreisträger sowie prominente Tech-Größen wie Eric Schmidt, Reid Hoffman und Joseph Stiglitz.
Die Erklärung betont das Risiko einer massiven Verdrängung von Arbeitsplätzen innerhalb des nächsten Jahrzehnts. Daten des „Canaries Dashboard" von Stanford untermauern diese Sorgen: Jobs mit hoher KI-Exposition sind bereits um 0,5 Prozent geschrumpft, Einstiegspositionen sogar um 2,7 Prozent. Manche Tech-Führer wie Dario Amodei von Anthropic prognostizieren, dass KI innerhalb von fünf Jahren die Hälfte aller weiße-Kragen-Einstiegsjobs ersetzen könnte. Die Expertengruppe fordert daher sofortige politische Maßnahmen und Schutzmechanismen.
Illinois macht den Anfang: Neue Gesetze gegen unkontrollierte KI
Die Skepsis findet nun ihren Weg in die Gesetzbücher. Am heutigen Dienstag unterzeichnete Illinois‘ Gouverneur JB Pritzker zwei bedeutende Gesetze. Der „Senate Bill 2909" verbietet ab dem 1. Januar 2027 den Einsatz von KI bei Lehrerbewertungen – weder Prüfer noch Lehrkräfte dürfen automatisierte Systeme zur Notengebung oder Bewertung nutzen.
Noch weitreichender ist der „Artificial Intelligence Safety Measures Act": Illinois wird damit der erste Bundesstaat, der von Unternehmen wie OpenAI und Anthropic verpflichtende Sicherheitsaudits durch Dritte verlangt. Die Firmen müssen ihre Sicherheitspraktiken offenlegen.
Während Illinois bereits erste Sicherheitsaudits für KI-Anbieter vorschreibt, müssen Unternehmen auch in Europa die strengen Anforderungen des EU AI Act erfüllen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick über alle neuen Pflichten, Risikoklassen und Fristen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Auch im Bildungssektor gibt es Gegenbewegungen. Die University of Chicago verbietet ab Herbst 2026 Laptops und Handys für Erstsemester-Jurastudenten. Ziel: Kritisches Denken fördern und die Abhängigkeit von KI bei Schreibaufgaben verhindern. Für grundlegende Recherchen bleibt die Technologie erlaubt.
Protest gegen Rechenzentren: „Nicht in meinem Hinterhof"
Der Widerstand wächst auch auf lokaler Ebene – vor allem gegen die physische Infrastruktur, die KI-Modelle mit Strom versorgt. Aktuelle Umfragen zeigen: 70 Prozent der Amerikaner lehnen den Bau von KI-Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft ab. Das ist ein Anstieg um 30 Prozentpunkte in weniger als einem Jahr.
In Michigan verweigerte die Ypsilanti Community Utilities Authority kürzlich die Wasserversorgung für ein geplantes Rechenzentrum. Im Van Buren Township sorgt ein Google-Rechenzentrum mit einem Strombedarf von 2,7 Gigawatt für hitzige Debatten. Der Widerstand hat längst die Politik erreicht: Gouverneurskandidaten in Pennsylvania, Texas und Georgia passen ihre Wahlprogramme an, um die Sorgen der Bürger zu adressieren. New York und Maine haben bereits Moratorien für neue Rechenzentren verhängt.
Direkte Aktionen und interne Warnungen
Am 13. Juli 2026 marschierten rund 200 Demonstranten zu den Hauptquartieren von OpenAI, Anthropic und Google DeepMind in San Francisco. Organisiert von der Gruppe „Stop the AI Race", forderten sie einen Stopp der Entwicklung immer leistungsfähigerer Modelle – aus Sorge um Sicherheit, Wohnkosten und Umweltauswirkungen.
Doch selbst innerhalb der Branche schlagen Führungskräfte Alarm. Microsoft-CEO Satya Nadella warnte Unternehmen davor, proprietäre Modelle zu nutzen: Sie könnten doppelt zahlen – einmal für die Nutzung und ein zweites Mal durch den Verlust vertraulicher Geschäftsdaten an die Modellanbieter. Palantir-CEO Alex Karp bezeichnete KI als Haupttreiber der wachsenden Vermögenskluft. Die Technologie könne zu einer „vollständigen Entkopplung" zwischen normalen wirtschaftlichen Gewinnen und dem massiven Reichtum einer kleinen Gruppe von KI-Entwicklern führen.
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Industrie versucht gegenzusteuern
Als Reaktion auf die wachsenden Spannungen startete diese Woche die neue Nonprofit-Organisation „Raise US" mit 500 Millionen US-Dollar (rund 460 Millionen Euro) Finanzierung von Amazon, Bank of America und OpenAI. Unter der Leitung der ehemaligen US-Handelsministerin Gina Raimondo will die Organisation mit den Gouverneuren der Bundesstaaten zusammenarbeiten. Geplant sind Lohnversicherungen und technische Unterstützung für Unternehmen, die von KI-Automatisierung betroffene Mitarbeiter umschulen und halten wollen.
Doch die Kluft zwischen KI-Entwicklung und öffentlicher Akzeptanz wird nicht kleiner. Während neue Modelle wie OpenAIs GPT-5.6 und Anthropics „Fable" weiter auf den Markt kommen, formiert sich der Widerstand – von lokalen Facebook-Gruppen bis hin zu internationalen Regulierungsbehörden.
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