Immunalterung: Analyse von 3,8 Millionen Zellen zeigt Schübe ab 40
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 05:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen, dass die Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Bezug auf Krankheitsrisiken und Alterungsprozesse weit über den Einfluss von Hormonen hinausgehen. Eine umfassende Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Science (DOI: 10.1126/science.aeh0145) legt dar, wie X- und Y-Chromosomen die Zellfunktion, die Immunität und den Stoffwechsel unabhängig vom Hormonhaushalt beeinflussen.
Chromosomale Einflüsse auf Alterung und Immunsystem
Die unter der Leitung von Forschern der University of Arizona und der University of California, San Francisco (UCSF) erstellte Übersichtsarbeit fasst Ergebnisse aus Humanstudien, Mausmodellen und der Genomforschung zusammen. Ein zentrales Ergebnis dieser Analyse, über die Anfang Oktober 2026 berichtet wurde, ist der Zusammenhang zwischen dem Verlust von Geschlechtschromosomen und spezifischen Gesundheitsrisiken.
Demnach ist bei Frauen der Verlust eines X-Chromosoms mit einem erhöhten Risiko für Leukämie verbunden. Bei Männern wird der Verlust des Y-Chromosoms, der häufig im Blut nachgewiesen wird, mit einer Reihe schwerer Erkrankungen assoziiert, darunter Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schwere Infektionen und Alzheimer.
Besonders bei Krebserkrankungen zeigt sich ein komplexes Bild: Tumoren, die das Y-Chromosom verlieren, können zwar die Immunabwehr umgehen, reagieren jedoch laut der Untersuchung potenziell besser auf Immuntherapien.
Ergänzende Erkenntnisse zur Immunalterung liefert eine im Fachmagazin Nature Communications (DOI: 10.1038/s41467-026-76737-4) veröffentlichte Studie der Duke-NUS Medical School.
Die Forschenden analysierten die Genaktivität von 3,8 Millionen Immunzellen von knapp 2.000 gesunden Personen im Alter zwischen 19 und 97 Jahren. Dabei stellte sich heraus, dass die Immunalterung in Schüben verläuft, insbesondere um das 40. und nach dem 60. Lebensjahr.
Diese Phasen werden maßgeblich durch T-Zellen getrieben, wobei die Veränderungen bei spezialisierten T-Zellen zwischen Männern und Frauen signifikante Unterschiede aufweisen.
Geschlechtsspezifische Disparitäten in der klinischen Praxis
Die Relevanz dieser biologischen Unterschiede zeigt sich auch in der Häufigkeit bestimmter Erkrankungen. Daten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft verdeutlichen dies am Beispiel der Augenheilkunde: Von den weltweit rund 50 Mio. blinden Menschen sind etwa 65 % Frauen.
Neue Forschung zeigt, dass unser Immunsystem nicht gleichmäßig altert, sondern in Schüben — besonders um das 40. Lebensjahr. Wer diesen Wendepunkt kennt, kann Vorsorge und Alltag gezielt darauf ausrichten. Der kostenlose Leitfaden fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und gibt Ihnen eine klare Checkliste an die Hand. Kostenlosen Vorsorge-Leitfaden anfordern
Während Männer deutlich häufiger von Rot-Grün-Farbsinnstörungen betroffen sind (rund 9 % der Männer gegenüber 0,8 % der Frauen), tritt das Engwinkelglaukom bei Frauen weltweit 2- bis 4-mal häufiger auf.
Neben biologischen Faktoren spielen auch soziale Rollen und das Vorsorgeverhalten eine Rolle. Frauen nehmen augenärztliche Untersuchungen etwa 1,5-mal so häufig in Anspruch wie Männer. Dennoch fordern Fachleute, biologische Faktoren stärker in der Forschung zu berücksichtigen.
Dies gilt auch für die Onkologie. Eine großangelegte Untersuchung an knapp 590.000 Erwachsenen aus Shanghai und der UK Biobank untersuchte die Geschlechterunterschiede bei 34 Krebsarten. Dabei zeigte sich, dass Männer in China 1,66-mal und in Großbritannien 1,49-mal so häufig erkrankten wie Frauen.
Während in China klassische Risikofaktoren wie Rauchen (52 %) und Alkoholkonsum (15 %) einen Großteil des Unterschieds erklärten, entfielen in Großbritannien lediglich 26 % auf die untersuchten elf Risikofaktoren, darunter starkes Übergewicht (8 %) und Diabetes (4 %).
Forderung nach geschlechtersensibler Forschung
Die Autoren der im Oktober 2026 thematisierten Science-Review betonen, dass die Berücksichtigung der Geschlechtschromosomen in klinischen Studien essenziell für die Entwicklung besserer Biomarker und Diagnostiken sei.
Frauen und Männer altern biologisch unterschiedlich — das betrifft Immunsystem, Stoffwechsel und Krankheitsrisiken. Wer sein persönliches Risiko ab 40 besser einordnen will, findet hier eine geschlechtsspezifische Vorsorge-Roadmap mit den entscheidenden Fragen für den nächsten Arzttermin. Vorsorge-Roadmap jetzt sichern
Während Mausstudien bereits darauf hindeuten, dass ein überwiegend mütterliches aktives X-Chromosom mit schnellerer Gehirnalterung verbunden sein könnte, muss die Übertragbarkeit solcher Mechanismen auf den Menschen noch abschließend geklärt werden.
Ziel sei eine geschlechtersensible Medizin, die sowohl die genetischen Grundlagen als auch das unterschiedliche Ansprechen auf Therapien systematischer einbezieht.
