Impostor-PhÀnomen, Frauen

Impostor-PhÀnomen: Warum Frauen besonders an ihrer Kompetenz zweifeln

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

FrĂŒhe Erfahrungen können Selbstkritik prĂ€gen; kleine Experimente, psychologische Sicherheit im Team und Gruppentherapie bieten mögliche AnsĂ€tze im Umgang damit.

Impostor-PhÀnomen: Ursachen von Selbstzweifeln und Wege zu mehr Sicherheit
Ein ruhiges, minimalistisches BĂŒro mit einem leeren Stuhl vor einem Fenster mit Blick auf eine abendliche Stadtkulisse. Illustration mit AI erstellt.

Erfolge dem Zufall zuschreiben und die eigene Leistung anzweifeln: Das sogenannte Impostor-PhĂ€nomen prĂ€gt den Alltag vieler BerufstĂ€tiger. Wie eine Psychologin in einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 24. September 2026 erlĂ€utert, neigen Betroffene dazu, eigene Errungenschaften primĂ€r auf GlĂŒck oder Fleiß zurĂŒckzufĂŒhren, wĂ€hrend sie ihre fachliche Kompetenz grundsĂ€tzlich infrage stellen.

Frauen seien von diesen quĂ€lenden Zweifeln besonders hĂ€ufig betroffen. Selbst Fachleute bleiben von diesen Mustern nicht verschont: Die Psychologin berichtete von eigenen Impostor-GefĂŒhlen, die im Jahr 2024 nach der Anfrage fĂŒr einen englischsprachigen Workshop aufkamen.

UrsprĂŒnge harter Selbstkritik

Die Wurzeln ausgeprĂ€gter Selbstzweifel reichen oft weit zurĂŒck. Der Psychologe RamĂłn Schlemmbach legte laut einem Bericht der Hamburger Morgenpost vom 22. September 2026 dar, dass ĂŒbermĂ€ĂŸige Selbstkritik hĂ€ufig aus frĂŒhen Erfahrungen wie mangelnder elterlicher Aufmerksamkeit, Mobbing, Geschwistervergleichen oder Gewalt resultiert.

Eine solche innere Haltung könne erheblichen Stress auslösen und Prokrastination begĂŒnstigen. Als Ausweg empfahl Schlemmbach, die biographischen UrsprĂŒnge der eigenen Zweifel zu ergrĂŒnden und begangene Fehler sachlich zu analysieren, statt sie unmittelbar als Abwertung der eigenen Person zu interpretieren.

Zu einer offeneren Haltung rĂ€t auch der Philosoph Manuel Scheidegger laut einem Bericht des Handelsblatts vom 23. September 2026. Er plĂ€diert fĂŒr eine gesellschaftliche Fehlerkultur, in der Einzelne Unsicherheiten und UnzulĂ€nglichkeiten offen einrĂ€umen dĂŒrfen.

RollenverstÀndnis und psychologische Sicherheit im Beruf

Im Arbeitsumfeld erfordert der Umgang mit persönlichen Grenzen ein klares Rollenbewusstsein. Der Karrierecoach Rainer Niermeyer warnte laut einem Bericht von Ihre Vorsorge vom 23. September 2026 vor ĂŒbersteigerter, radikaler AuthentizitĂ€t am Arbeitsplatz und betonte die Notwendigkeit professioneller Affektkontrolle.

Entscheidend sei, dass die berufliche Rolle zur eigenen Persönlichkeit passe. Signale wie Erschöpfung, Anspannung, Atembeschwerden oder Schlafstörungen sollten als ernsthafte Warnzeichen gewertet werden.

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Die Arbeitspsychologin Laura Venz ergÀnzte im selben Kontext, dass eine ausgeprÀgte psychologische Sicherheit im Team den Widerspruch sowie das EinrÀumen von Fehlern deutlich erleichtere. Sollte jedoch ein dauerhafter Konflikt zwischen den persönlichen Kernwerten und der Unternehmenskultur bestehen, könne ein Wechsel des Arbeitsplatzes der sinnvollere Schritt sein.

Neue Denkmuster und therapeutische UnterstĂŒtzung

Um Leistungsdruck abzubauen, schlÀgt die Neurowissenschaftlerin Anne-Laure Le Cunff eine schrittweise Herangehensweise vor. Laut einem Bericht des Handelsblatts vom 23. September 2026 rÀt sie zu kleinen, zeitlich befristeten Experimenten anstelle starrer Erfolgsziele.

Als Beispiel nannte sie den Vorsatz, an zehn Tagen jeweils 30 Minuten laufen zu gehen, anstatt direkt einen Marathon in unter zwei Stunden anzupeilen. Ein Experiment gelte bereits dann als gelungen, wenn daraus eine Erkenntnis gezogen werde; zudem solle stets nur ein Experiment zur gleichen Zeit verfolgt werden. Ihr 304 Seiten umfassendes Buch zum Thema erschien 2026 zum Preis von 22 Euro.

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Bei tiefer sitzenden Belastungen kann professionelle Hilfe greifen. Wie die Psychiaterin Petra Beschoner laut einem Bericht des Mindener Tageblatts vom 23. September 2026 darlegte, bietet die Gruppentherapie ein wirksames Instrument zur Minderung von SchamgefĂŒhlen. Sie ermögliche neue Perspektiven durch den Austausch mit anderen und diene als geschĂŒtzter Raum zur Erprobung persönlicher Grenzen und BedĂŒrfnisse.

Beschoner hob hervor, dass Gruppentherapien keineswegs eine reduzierte Form der Einzeltherapie darstellen, sondern eigenstÀndige Schwerpunkte setzen und diese ergÀnzen können. Studien und Metaanalysen wiesen bei bestimmten Diagnosen auf eine vergleichbare Wirksamkeit beider Therapieformen hin, wobei die konkrete Eignung stets vom Beschwerdebild und der individuellen Ausgangslage abhÀnge.

Auswirkungen auf persönliche Partnerschaften

Dass der Umgang mit eigenen SchwÀchen nicht nur die berufliche Ebene betrifft, belegt eine Untersuchung der UniversitÀten Bamberg und Halle-Wittenberg. Laut einem Bericht von Nau vom 23. September 2026 zeigte eine Erhebung mit 209 heterosexuellen Paaren, dass Nachsicht mit eigenen UnzulÀnglichkeiten mit einer höheren Partnerschaftszufriedenheit einhergeht.

MĂ€nner gaben dabei eine besonders hohe Zufriedenheit an, wenn ihre Partnerin ein wohlwollendes VerhĂ€ltnis zu sich selbst pflegte. Die Forschenden sprachen sich dafĂŒr aus, die ZusammenhĂ€nge kĂŒnftig auch bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sowie in anderen Kulturkreisen vertiefend zu untersuchen.

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