Fluch, Segen

Fluch oder Segen: Hat Botsuana zu viele Elefanten?

09.12.2024 - 06:00:39 | dpa.de

In Botsuana leben mehr Elefanten als in jedem anderen Land. Das zieht viele Touristen an. FĂŒr Einwohner in lĂ€ndlichen Gegenden werden die Jumbos jedoch oft zum Problem.

  • Elefanten trinken Wasser im Chobe-Nationalpark. (Archivbild) - Foto: Charmaine Noronha/AP/dpa
    Elefanten trinken Wasser im Chobe-Nationalpark. (Archivbild) - Foto: Charmaine Noronha/AP/dpa
  • Landwirtin Rebecca Gatshele bereitet ein Gemisch aus Chili und Elefantendung zu, dass sie auf ihrem Feld verbrennt, um Elefanten davon abzuhalten, ihre Ernte zu fressen. - Foto: Kristin Palitza/dpa
    Landwirtin Rebecca Gatshele bereitet ein Gemisch aus Chili und Elefantendung zu, dass sie auf ihrem Feld verbrennt, um Elefanten davon abzuhalten, ihre Ernte zu fressen. - Foto: Kristin Palitza/dpa
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Botsuana gilt als Land der Elefanten. Wer hier auf Safari geht, wird zweifelsohne Dutzende der grauen Riesen zu sehen bekommen. Denn der Staat im sĂŒdlichen Afrika hat nach Angaben der Tierschutzorganisation Elephants Without Borders (EWB) mit geschĂ€tzt 130.000 wilden Elefanten die grĂ¶ĂŸte Elefanten-Population aller LĂ€nder. Das ist gut fĂŒr den Tourismus, Botsuanas zweitgrĂ¶ĂŸte Industrie nach dem Diamantenbergbau. Doch die hohe Anzahl der DickhĂ€uter birgt auch viele Probleme.

VerwĂŒstung von Dörfern und Feldern

Elefanten brauchen viel Platz und Nahrung. Schließlich sind sie die grĂ¶ĂŸten Landtiere der Welt. Ein erwachsener Bulle trinkt nach Angaben der Umweltstiftung WWF bis zu 200 Liter Wasser pro Tag und frisst rund 150 Kilogramm. «Elefanten mĂŒssen tĂ€glich weite Strecken zurĂŒcklegen, um Futter zu finden, und zerstören dabei viele BĂ€ume», erklĂ€rt Walona Sehularo von der Tierschutzorganisation Elephants for Africa in Botsuana. 

Die DickhĂ€uter richten dabei Schaden auf WaldflĂ€chen und Feldern an, fressen StrohdĂ€cher von HĂŒtten, fallen in GemĂŒsegĂ€rten ein und verwĂŒsten Dörfer, wie Sehularo schildert. Es komme in Botsuana nahezu tĂ€glich zu Konflikten zwischen Elefanten und Menschen, die ihr Hab und Gut verteidigen wollten. Jedes Jahr werden in Botsuana und in anderen afrikanischen LĂ€ndern Menschen von Elefanten getötet, und Menschen töten Elefanten - als Vergeltung, wegen des Elfenbeins oder bei der TrophĂ€enjagd.

Rebecca Gatshele kennt die Sorgen um die SchĂ€den durch Elefanten gut. Sie ist BĂ€uerin in Morematao, einem kleinen Dorf, das im Norden des Landes an den Makgadikgadi Pans Nationalpark grenzt. Über die Jahre haben Elefanten immer wieder die Ernte von Gatshele und anderen Landwirtinnen und Landwirten zerstört. Über Monate gezĂŒchtete Nahrungspflanzen wie Mais, Sorghum, Bohnen, Erbsen und KĂŒrbisse seien innerhalb weniger Stunden von den grauen Riesen geplĂŒndert worden, klagt die 56-JĂ€hrige. Wassersuchende Elefanten vertrieben Bauern von ihren Brunnenanlagen und demolierten Wasserleitungen.

Konflikte zwischen Mensch und Tier

Wer die Gegend um Morematao besucht, kann die Zerstörung durch Elefantenherden leicht erkennen. Rund 50 Prozent der BĂ€ume und StrĂ€ucher sind beschĂ€digt, umgestoßen oder entwurzelt. «Wenn es zu viele Elefanten gibt, hat das Auswirkungen auf die ĂŒbrige Natur, die Pflanzen- und Tierwelt. Elefantenzahlen zu kontrollieren, ist daher eine gute Sache», sagt auch Gofiwa Thebenala, der Naturschutzmanager des Tuludi Camps im Khwai Naturreservat im Okavango-Delta.

Um Elefanten fernzuhalten, hat Gatshele gemeinsam mit anderen Bauern ihre Felder mit BaumstĂ€mmen und Ästen eingezĂ€unt. Elephants for Africa stellt ihnen wĂ€hrend der Erntesaison getrockneten Chili zur VerfĂŒgung, der verbrannt wird, um die DickhĂ€uter abzuschrecken. «Doch wenn ein Elefant wirklich etwas will, kann man kaum etwas tun, um ihn aufzuhalten», sagt Gatshele resigniert. Selbst ElektrozĂ€une helfen dann nicht. 

In Gegenden, in denen es viele Elefanten gibt, hĂ€tten zahlreiche Bauern aufgegeben, ihre Felder zu bestellen, sagt Sehularo. «Die Menschen leben in stĂ€ndiger Angst. Sie haben Angst, Feuerholz suchen zu gehen, ihr Vieh zu Wasserstellen zu fĂŒhren, ihre Kinder zur Schule gehen zu lassen oder Bekannte in Nachbardörfern zu besuchen», erzĂ€hlt er. «Die traurige RealitĂ€t ist, dass es im Zusammenleben mit Elefanten immer Probleme geben wird».

Keine einfachen Antworten

Elephants for Africa will Einwohnern helfen, einen Weg zu finden, mit den Tieren in Einklang zu leben, auch wenn dies nicht einfach sei, sagt Sehularo. Denn Elefanten spielten trotz ihrer zerstörerischen Seite eine wichtige Rolle im Ökosystem. «Sie tragen zur biologischen Vielfalt bei, weil sie tĂ€glich weite Strecken zurĂŒcklegen und dabei Samen transportieren», sagt Sehularo. Viele kleinere Tierarten ernĂ€hrten sich von Elefantendung, der zahlreiche NĂ€hrstoffe enthalte. Und grasende Tiere profitierten davon, dass Elefanten BĂ€ume umstoßen und damit Äste und BlĂ€tter einfacher erreichbar machten.

Elefanten haben nur wenige natĂŒrliche Feinde. Ihr grĂ¶ĂŸter Widersacher ist der Mensch. Viele Jahre wurden Elefanten in ganz Afrika fĂŒr ihr Elfenbein und Fleisch in großen Zahlen gejagt – bis ihr Bestand dramatisch einbrach. Im Jahr 2016 berichtete die Weltnaturschutzunion IUCN von abermals starker Wilderei, die Zahl der Savannenelefanten (Loxodonta africana) habe den schlimmsten RĂŒckgang seit 25 Jahren erlebt. Allerdings seien die großen Populationen in Namibia, SĂŒdafrika und Simbabwe stabil geblieben oder hĂ€tten zugenommen, und es habe Hinweise auf eine Ausweitung des Verbreitungsgebiets der Elefanten in Botsuana gegeben. 

FĂŒr 2018 bis 2022 verzeichnet die EWB ein flaches Wachstum der Elefantenpopulation in Botsuana. In Gebieten mit Jagd sei die Zahl der Tiere gesunken, dagegen vor allem in den Nationalparks und anderen Schutzgebieten, insbesondere im Okavango-Delta, gestiegen. Allerdings habe letzteres auch zu einem erneuten Anstieg der Wilderei gefĂŒhrt. Nun steht das Land vor einer großen Herausforderung: Es muss eine Lösung finden, die fĂŒr Elefanten, TierschĂŒtzer sowie die Bevölkerung akzeptabel ist.

Botsuana ist ein großes Land, vergleichbar mit der FlĂ€che Frankreichs, hat jedoch eine kleine Bevölkerung von nur etwa 2,5 Millionen Menschen. Das heißt: Hier kommt auf etwa 19 Einwohner ein Elefant. Die Frage, ob es zu viele Elefanten in Botsuana gibt, ist Gegenstand hitziger Debatten. Selbst Forscher sind sich nicht einig, wie groß Botsuanas ökologische TragfĂ€higkeit fĂŒr Elefanten ist und ab wann sie das lokale Ökosystem ĂŒberlasten und schĂ€digen.

Keulung und TrophÀen

Die Jagd auf Elefanten ist ein kontroverses und emotionales Thema. Die majestĂ€tischen Riesen der afrikanischen Savanne haben viele Eigenschaften, mit denen sich Menschen identifizieren können: Sie sind neugierig, verspĂŒren Trauer und haben einen engen Familienzusammenhalt; ihnen wird enorme Intelligenz zugeschrieben sowie ein gutes GedĂ€chtnis.

Botsuana verbot 2014 die Elefantenjagd. Doch fĂŒnf Jahre spĂ€ter hob die Regierung das Verbot wieder auf – eine Entscheidung, die weltweite Empörung auslöste. Botsuana argumentiert, dass die TrophĂ€enjagd und kontrollierte Keulungen dazu beitragen können, die Elefantenpopulation in den Griff zu bekommen und die Konflikte zwischen Mensch und Tier zu verringern.

Die Jagd sei zudem eine wichtige Einnahmequelle fĂŒr Gemeinden in Botsuana, sagte Boatametse Modukanele, der StĂ€ndige SekretĂ€r des Ministeriums fĂŒr Umwelt und Tourismus, der Deutschen Presse-Agentur. Eine einzige TrophĂ€enjagd bringe Tausende US-Dollar ein. Die Einnahmen flössen in Treuhandfonds und wĂŒrden fĂŒr soziale Dienstleistungen und Naturschutz verwendet. Sie gĂ€ben lokalen Gemeinden zudem Anreiz, illegale Wilderei zu unterbinden und dazu beizutragen, dass ElefantenbestĂ€nde stabil bleiben, so Modukanele.

Nur etwa 250 Jagdlizenzen pro Jahr wĂŒrden in ausgewĂ€hlten Gebieten vergeben, vor allem in Gegenden, in denen es hĂ€ufig zu Konflikten zwischen Menschen und Elefanten komme. «Bei der hohen Zahl von Elefanten, die wir haben, macht das keinen großen Unterschied», sagt der Politiker.

Streit mit Deutschland

Im FrĂŒhjahr war eine Debatte zwischen Botsuana und Deutschland ĂŒber die mögliche weitere BeschrĂ€nkung der Einfuhr von JagdtrophĂ€en hochgekocht. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (GrĂŒne) gilt als BefĂŒrworterin und hatte damit die Kritik Botsuanas auf sich gezogen. Im April wetterte der scheidende PrĂ€sident Mokgweetsi Masisi (2019-2024) gegenĂŒber der «Bild»-Zeitung, er wolle aus Protest 20.000 Elefanten nach Deutschland schicken, was aber nicht geschah. 

«Die Botschaft hinter dem Geschenkangebot war, dass es nicht einfach ist, mit Elefanten zusammenzuleben, wenn man nicht von ihnen profitiert», erklĂ€rte Modukanele nun der Deutschen Presse-Agentur. Ende September drohte Masisi dann, die 20.000 Elefanten abschießen zu lassen, um ihr Fleisch an hungernde Menschen in Botsuana zu verteilen. Wieder ließ der Staatschef offen, wie ernst er meinte.

Offene Elefantenkorridore

In der Zwischenzeit suchen Wissenschaftler nach Lösungen fĂŒr das Zusammenleben zwischen Menschen und Jumbos. Der gemeinnĂŒtzige Ecoexist Trust glaubt beispielsweise, die Zahl der Elefanten sei gar nicht der entscheidende Faktor. Ein wichtiger Grund fĂŒr die vielen Konflikte sei, dass Dörfer und Felder an Orten lĂ€gen, die Elefanten seit Jahrhunderten als Korridore nutzen, um Wasser und Nahrung zu finden. Ecoexist hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese zu identifizieren, abzugrenzen und zu schĂŒtzen. Die Theorie der Organisation: Wenn sich die Wege von Menschen und Elefanten nicht kreuzen, gibt es automatisch weniger Konkurrenz um natĂŒrliche Ressourcen.

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