Hib-Ausbruch, Hamburg

Hib-Ausbruch in Hamburg - Wer gefÀhrdet ist und wer nicht

08.08.2025 - 04:30:46

In Deutschland sind Hib-Erkrankungen nach Angaben des Robert Koch-Instituts selten. Ein Ausbruch bereitet jedoch aktuell manchen Menschen Sorgen. Wie schÀtzen Experten die Situation ein?

In Hamburg beobachten Experten einen Ausbruch der bakteriellen Krankheit Haemophilus influenzae Typ b (Hib) mit bislang 16 Erkrankungen und drei TodesfĂ€llen. Grund zur Sorge besteht fĂŒr gesunde Menschen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) aber nicht. Erwachsene könnten zwar mit Hib im Nasenrachenraum besiedelt sein, Gesunde seien aber in der Lage, den Erreger zu eliminieren, erlĂ€uterte eine RKI-Sprecherin. Von einer vermehrten Ausbreitung in Deutschland könne man nicht sprechen.

Eine Hib-Infektion verlĂ€uft bei gesunden Menschen oft mild. Bei Personen mit geschwĂ€chtem Immunsystem kann eine Infektion schwerwiegende VerlĂ€ufe nehmen, etwa in Form einer LungenentzĂŒndung, HirnhautentzĂŒndung oder Sepsis. Eine Erkrankung kann innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden, wie das RKI erklĂ€rt. 

Hamburg bietet Impfungen in Drogenkonsum-RÀumen an 

Von dem Ausbruch in Hamburg sind hauptsĂ€chlich Personen betroffen, die Drogen gebrauchen, und Personen ohne festen Wohnsitz. Die Erkrankten hĂ€tten hĂ€ufig intensivmedizinisch behandelt werden mĂŒssen, sagte eine Sprecherin der Hamburger Sozialbehörde. In zwei Drogenkonsum-RĂ€umen in Hamburg wĂŒrden nun Impfungen angeboten. «Ziel ist es, möglichst viele Menschen aus der genannten Risikogruppe zu erreichen, eine ImmunitĂ€t herzustellen und so weitere Infektionen zu verhindern.»

Die Übertragung der Krankheit erfolgt durch Tröpfchen, beim Husten, Niesen oder engem Gesichtskontakt. Beim aktuellen Ausbruch könnte Hib vermutlich auch indirekt ĂŒber Zigaretten, Rauchzubehör, Essensbesteck und Drogenkonsum-Utensilien ĂŒbertragen worden sein. 

Anstieg der FĂ€lle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum

Bundesweit wurden laut RKI in diesem Jahr bis zum 20. Juli bislang 27 FĂ€lle gemeldet. Im vergangenen Jahr wurden dem Institut im gleichen Zeitraum 16 FĂ€lle ĂŒbermittelt, im Jahr 2023 waren es 21 FĂ€lle. Insgesamt gab es 2024 deutschlandweit 33 Erkrankungen und zwei TodesfĂ€lle (beide in Hamburg), 2023 waren es 35 Erkrankungen und vier TodesfĂ€lle. 

Invasive Hib-Erkrankungen - also FĂ€lle, bei denen die Krankheit ausbricht - gehörten zu den eher seltenen meldepflichtigen Erkrankungen in Deutschland. Der Konsum von Drogen, die zum Beispiel mit einer Pfeife inhaliert werden, wird laut RKI als ein Risikofaktor vermutet. Es sei ebenfalls vorstellbar, dass chronische Vorerkrankungen, Rauchen oder MangelernĂ€hrung zu einer ImmunschwĂ€che beitragen könnten, die eine invasive Hib-Erkrankung begĂŒnstige. 

SĂ€uglinge werden standardmĂ€ĂŸig gegen Hib geimpft

Die Hib-Impfung gehört in Deutschland zu den Standardimpfungen bei SĂ€uglingen. Von einer invasiven Erkrankung sind nach RKI-Angaben in der Regel vor allem Kleinkinder betroffen. Ab einem Alter von fĂŒnf Jahren komme diese bei gesunden Kindern quasi nicht mehr vor. 

Vor EinfĂŒhrung der Schutzimpfung im Jahr 1990 war Hib eine schwere und hĂ€ufig tödlich verlaufende Kinderkrankheit. Im Jahr 2018 lag die Impfquote laut RKI bei SchulanfĂ€ngern bei 91,4 Prozent. 

«Bei bestimmten ImmunschwĂ€cheerkrankungen gibt es auch fĂŒr Erwachsene eine Impfempfehlung», hieß es. Im höheren Alter sei aber meist schon der Immunschutz ausreichend. Die StĂ€ndige Impfkommission berate derzeit darĂŒber, die Empfehlungen gegebenenfalls anzupassen, so das RKI.

@ dpa.de