Vogelgrippe breitete sich unter See-Elefanten aus
13.11.2024 - 10:02:05 | dpa.deDas aktuelle Vogelgrippevirus kann sich gut von einem MeeressĂ€uger zum nĂ€chsten ausbreiten und auch wieder auf Vögel zurĂŒckspringen. Das berichtet ein internationales Forschungsteam nach der Untersuchung eines Massensterbens von See-Elefanten in SĂŒdamerika im Journal «Nature Communications».
Nachdem sich die derzeitige Variante des Vogelgrippevirus H5N1 dort schon unter Seelöwen ausgebreitet hatte, beobachteten die Forschenden im Oktober vergangenen Jahres ein noch nie dagewesenes Sterben bei SĂŒdlichen See-Elefanten (Mirounga leonina). Mehr als 17.000 KĂ€lber und eine unbekannte Zahl ausgewachsener Tiere sei innerhalb weniger Wochen allein auf der Halbinsel ValdĂ©s in Argentinien verendet.
Die Studie des Forschungsteams zeigt, dass das Virus zwischen unterschiedlichen MeeressĂ€ugetierarten und auch innerhalb von Kolonien von SĂ€ugetieren ĂŒbertragen werden kann. Wie genau die Ăbertragung passiert, ist den Fachleuten zufolge noch unklar, möglich sei dies ĂŒber direkten Kontakt oder ĂŒber Tröpfchen. Die KĂ€lber könnten das Virus ĂŒber die Plazenta oder die Muttermilch bekommen haben.
Virus springt immer wieder von Vögeln auf SÀugetiere
Viele Jahrzehnte schon sorgt die Vogelgrippe H5N1 fĂŒr heftige Erkrankungswellen unter Vögeln weltweit. Seit einigen Jahren breitet sich eine besondere Gruppe von H5N1-Viren aus, die sogenannte Klade 2.3.4.4b, mit der sich auch zahlreiche SĂ€ugetiere angesteckt haben - neben MeeressĂ€ugern in verschiedenen Weltregionen wie Robben und Walen sind unter anderem auch KĂŒhe in den USA betroffen.
In SĂŒdamerika starben nach Angaben des Forschungsteams mehr als 30.000 Seelöwen, als sich das Virus in den Jahren 2022 bis 2023 entlang der KĂŒste von Peru und Chile ausbreitete. SpĂ€ter tauchte es auch an der AtlantikkĂŒste Argentiniens auf und wanderte schnell nordwĂ€rts bis Uruguay und SĂŒdbrasilien.
Nur wenige See-Elefanten-Harems ĂŒbrig
Marcela Uhart von der University of California in Davis und ihr Team schÀtzen, dass auf der Halbinsel Valdés im vergangenen Jahr etwa 95 Prozent aller See-Elefanten-KÀlber starben. Nun, ein Jahr spÀter, sei nur etwa ein Drittel der sonst sich dort fortpflanzenden See-Elefanten zu finden, schÀtzt Uhart. «Wir laufen zwischen Haufen von Kadavern und Knochen umher und sehen nur sehr wenige Seeelefanten-Harems, was immer noch beunruhigend ist.»
Das Forschungsteam sei angesichts der AusmaĂe erschĂŒttert gewesen, ergĂ€nzte Mitautorin Valeria Falabella von der Wildlife Conservation Society Argentinien. «Wahrscheinlich ist mehr als die HĂ€lfte der fortpflanzungsfĂ€higen Population durch das Virus gestorben. Es wird Jahrzehnte dauern, bis die Bestandszahlen wieder das Niveau von 2022 erreichen.»
Virus passte sich an MeeressÀuger an
Bei der Analyse des Virusgenoms stellte das Team fest, dass sich der Erreger nach seiner Ankunft in SĂŒdamerika weiter entwickelt und an die MeeressĂ€ugetiere angepasst hat. AuĂerdem zeige ihre Studie auch, dass die Viren von MeeressĂ€ugetieren auf Vögel zurĂŒck springen könnten, ergĂ€nzte Rimondi. «Das zeigt, dass eine verstĂ€rkte Ăberwachungs- und Forschungszusammenarbeit in der Region notwendig ist.»
In Europa scheinen die Auswirkungen auf MeeressĂ€uger bisher nicht so dramatisch zu sein. Wie Timm Harder vom Friedrich-Loeffler-Institut erlĂ€utert, wurde das Virus nur in wenigen Robben und in einem Fall auch in einem Schweinswal nachgewiesen. DarĂŒber hinaus seien vereinzelt auch andere SĂ€ugetiere hierzulande betroffen, in diesem Jahr gehörten dazu ein WaschbĂ€r und FĂŒchse.Â
Ăbertragungen auf Menschen kommen vor
«Bei Menschen sind bisher mit dem hochpathogenen aviĂ€ren Influenzavirus der Klade 2.3.4.4.b vergleichsweise wenig Infektionen aufgetreten», erklĂ€rte Harder. Immer wieder kam es zum Beispiel vereinzelt dazu, dass sich Menschen bei GeflĂŒgel ansteckten; diese FĂ€lle verliefen zum Teil auch tödlich.Â
In diesem Jahr wurden auĂerdem Dutzende Infektionen von Mitarbeitern von Milchvieh-Betrieben in den USA nachgewiesen; dabei waren die VerlĂ€ufe mild. JĂŒngste Testungen ergaben, dass sich noch viel mehr solcher Mitarbeiter als bisher gedacht infiziert haben dĂŒrften, diese Ansteckungen aber hĂ€ufig unentdeckt bleiben.
Das EuropĂ€ische Zentrum fĂŒr die PrĂ€vention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) erklĂ€rt, das Virus sei noch nicht gut an den Menschen angepasst. Eine anhaltende Ăbertragung von Mensch zu Mensch zum Beispiel wurde noch nicht beobachtet. Trotzdem raten die Autorinnen und Autoren der See-Elefanten-Studie zur Vorsicht. «Je besser sich das Virus an SĂ€ugetiere anpasst, desto relevanter wird es auch fĂŒr den Menschen», sagte Uhart.
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