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Industrielle KI: 6,8 Milliarden Euro flossen in europäische Realwirtschaft

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Automationslösungen von Mazak, SCHUNK und Delta verbinden Robotik, Sensorik und Software für flexiblere industrielle Fertigung.

Industrielle Automation 2026: Paletten, Roboter und KI
Eine moderne, weitläufige Industriehalle mit Fertigungsmaschinen in einer professionellen Produktionsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die industrielle Produktion steht im Jahr 2026 im Zeichen einer zunehmenden Verzahnung von Hardware-Automation und intelligenter Steuerungstechnik. Im Rahmen von Branchenereignissen wie der Fachmesse AMB in Stuttgart zeigen Hersteller, wie kompakte und flexible Lösungen die Effizienz in der Zerspanung und Montage steigern sollen. Im Zentrum dieser Entwicklung steht die Reduzierung von Integrationshürden für mittelständische und industrielle Anwender.

Integrierte Palettenautomation für die Werkzeugmaschine

Yamazaki Mazak präsentiert mit der CP-450 eine vollintegrierte Automation, die speziell für die Bearbeitungszentren der Serien CV5-500, CV5-700, VCN-500, VCN-600 und VARIAXIS C-600 konzipiert wurde.

Das System verfügt über zwölf Paletten mit den Maßen 404 x 350 mm und ist für ein maximales Werkstückgewicht von 150 kg sowie Durchmesser bis zu 450 mm ausgelegt. Mit einer Stellfläche von 5,8 m² zielt die Lösung auf eine hohe Packungsdichte in der Werkshalle ab.

Die Steuerung erfolgt über die MAZATROL Smooth-Technologie, wobei optional ein Dual-Monitor zur Verfügung steht. Richard Smith von Yamazaki Mazak Europa erläuterte dazu, dass diese Lösung klassische Barrieren bei der Einführung von Automatisierungssystemen beseitigen könne. Ein wesentlicher Aspekt ist die Nachrüstbarkeit an ausgewählten Bestandsmaschinen, was die Flexibilität für bestehende Fertigungslinien erhöht.

Auch der Hersteller EMCO nutzt die Plattform der AMB 2026, um Modelle wie die UNIVERSALTURN 90 mit Automation eXpress sowie die UMILL 1000 vorzustellen. Jörg Weinkogl von EMCO verwies in diesem Zusammenhang auf die weltweit steigenden Anforderungen an Produktivität und Flexibilität.

Robotergestützte Handhabung und spezialisierte Sensorik

Parallel zur klassischen Palettenautomation gewinnen robotergestützte Systeme an Bedeutung, die ohne komplexe Infrastruktur auskommen. SCHUNK hat ein standardisiertes Schraubstock-Automationssystem entwickelt, das für die High-Mix-Low-Volume-Zerspanung optimiert ist.

Ein Roboter übernimmt hierbei den Transfer des bestückten Schraubstocks auf eine erhöhte Nullpunktspannstation, die eine 5-Achs-Zugänglichkeit ermöglicht. Solche Systeme erreichen typischerweise Wiederholgenauigkeiten von unter 0,005 mm und Einzugskräfte zwischen 15 kN und über 40 kN, ohne dass Medienleitungen durch den Maschinentisch geführt werden müssen.

Für schwerere Lasten in der Montage, etwa bei Batteriepacks, kommen spezialisierte Portalsysteme zum Einsatz. Ein Schwerlast-Gantry-Portal von Bosch Manufacturing Solutions nutzt Lineartechnik von Bosch Rexroth, um Werkzeuge mit einem Gewicht von bis zu 250 kg zu handhaben.

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Zum Einsatz kommen Präzisions-Kugelschienenführungen der Baugröße 25 sowie Linearmotoren des Typs ML3. Laut Konrad Riedel von Bosch Manufacturing Solutions konnte durch diesen Aufbau die Zeit bis zur Markteinführung maßgeblich verkürzt werden. Das System sei zudem auf Nutzlasten bis zu 2000 kg skalierbar.

Ergänzend dazu hat Delta Electronics am 16. September 2026 ein neues Automation & Robotics Center in Stuttgart eröffnet. Auf rund 600 m² zeigt das Unternehmen Anwendungen wie kollaborative Roboter der D-Bot-Serie und robotergestützte Schweißapplikationen. Michael Mayer-Rosa, zuständig für intelligente Robotersysteme bei Delta EMEA, begründete die Standortwahl mit der notwendigen Kundennähe für komplexe Robotikprojekte.

Standards und Software in der Prozessoptimierung

Ein zentraler Trend in der Branche ist die Vereinheitlichung der Steuerungswelt. Die Einführung der MTP-Spezifikation 2.0 (Module Type Package) Anfang 2026 markiert einen wichtigen Punkt für die modulare Produktion.

In einem gemeinsamen Projekt von Zeta, Turck und Copa-Data wurde demonstriert, dass durch MTP-konforme Schnittstellen der Integrationsaufwand in biopharmazeutischen Anlagen um bis zu 80 % gesenkt werden konnte. Die Orchestrierung von Prozessmodulen über OPC UA dauerte in diesem Umfeld lediglich rund eine Stunde.

Im Bereich der Schneidtechnologie verfolgt Eckelmann einen ähnlichen Ansatz und führt vereinheitlichte Hardware für Laser-, Plasma- und Wasserstrahlschneiden ein. Die Steuerungen der Serien EXC89 und EXC880 unterstützen Protokolle wie EtherCAT und OPC-UA. Dr. Marco Münchhof vom Eckelmann-Vorstand hob hervor, dass der Trend zu Lasertechnologien flexible Steuerungssysteme zwingend erforderlich mache.

Für die automatisierte Nachbearbeitung zeigt Teqram auf der im Oktober 2026 stattfindenden EuroBLECH Erweiterungen für den EasyGrinder. Das System nutzt künstliche Intelligenz und 3D-Vision, um Schweißnähte automatisch vorzubereiten, ohne dass ein manuelles Teachen der Roboterbahnen erforderlich ist. Es verarbeitet Werkstücke bis zu 600 kg und Blechstärken bis 30 mm.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen für industrielle KI

Der technologische Fortschritt wird durch massive Investitionen in industrielle KI-Anwendungen gestützt. Laut einer Studie von McKinsey und Boardwave flossen im ersten Halbjahr 2026 rund 6,8 Mrd. Euro in europäische KI-Unternehmen der Realwirtschaft. Dies entspricht nahezu dem gesamten Investitionsvolumen des Vorjahres 2025. Europäische Start-ups im Bereich industrieller KI konnten in diesem Zeitraum pro Finanzierungsrunde durchschnittlich 68 Mio. Euro einwerben und damit erstmals vergleichbare US-Unternehmen übertreffen. Über 94 % dieses Kapitals konzentrieren sich auf sechs Schlüsselbranchen, darunter die Industrie, Energie, Transport und Logistik.

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Analysten wie Johan Rauer von McKinsey sehen zudem erhebliche Chancen für den Maschinenbau beim Aufbau der notwendigen Infrastruktur für KI-Rechenzentren. Gefragt seien hier insbesondere modulare Energieeinheiten, intelligente Kühlsysteme und digitale Zwillinge zur Optimierung komplexer Systeme.

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