Industrielle, Aufsicht

Industrielle KI: Nur 4 Prozent der Unternehmen sichern menschliche Aufsicht

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 16:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
KI und autonome Systeme steigern Effizienz in der Fertigung, während fehlende Sicherheitsprüfungen und menschliche Aufsicht Lücken offenlegen.
Moderne, leere Industriehalle mit modularen Fertigungsplattformen und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Branchenexperten und Hersteller rücken zunehmend flexible, intelligente und zugänglichere Automatisierungslösungen in den Mittelpunkt, um Industrieunternehmen bei der Skalierung und der Optimierung ihrer operativen Effizienz zu unterstützen.

Angesichts von Fachkräftemangel, veränderten Marktbedingungen und steigenden Anforderungen an die Produktivität vollzieht sich in Fertigungsbetrieben ein schrittweiser Wandel von starren Produktionslinien hin zu anpassungsfähigen Systemen.

Datenpotenziale und Kontrolllücken in der industriellen Praxis

Aktuelle Erhebungen belegen das wachsende Interesse an künstlicher Intelligenz in der Produktion, zeigen zugleich jedoch strukturelle Hürden auf. Laut dem „State of Smart Manufacturing Report 2026“ von Rockwell Automation nutzen oder planen fast 90 Prozent der Hersteller aus der Lebensmittel- und Getränkebranche den Einsatz von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen.

Gleichzeitig werden bislang nur rund 45 Prozent der erfassten Daten effektiv genutzt. Bis 2030 erwartet Rockwell Automation einen Anstieg KI-gestützter Fertigungsprozesse von derzeit rund 37 Prozent auf über 60 Prozent.

Zudem rechnen 93 Prozent der Befragten mit einer Umgestaltung der Belegschaft durch intelligente Fertigungstechnologien; 40 Prozent schulten im vergangenen Jahr bereits Personal um.

Wie stark sich Prozessanpassungen auswirken können, zeigt der „Industrial Index 2026“ von IFS, für den über 2.200 leitende Entscheider aus 14 Ländern befragt wurden.

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Über 90 Prozent der Befragten verzeichneten signifikante Verbesserungen bei Zuverlässigkeit und Leistung. 93 Prozent meldeten eine Steigerung der First-Time-Right-Performance, 90 Prozent einen Anstieg der Anlagenverfügbarkeit und 88 Prozent eine verbesserte Termintreue. In Schlüsselworkflows konnte über 50 Prozent der Arbeitszeit eingespart werden.

Während 43 Prozent bereits agentische digitale Arbeiter einführten und 37 Prozent Schulungen für KI-Werkzeuge anboten, offenbart der Index Sicherheitsdefizite: Lediglich 11 Prozent der Unternehmen haben KI-Ergebnisse für sicherheits-, qualitäts- oder missionskritische Abläufe validiert, und nur 4 Prozent verlangen eine verbindliche menschliche Aufsicht bei KI-gestützten Entscheidungen.

Physische KI und autonome Systeme im Praxistest

Parallel zur Softwareintegration gewinnt die sogenannte Physical AI an Relevanz. Eine Untersuchung des Capgemini Research Institute unter 1.678 Führungskräften aus 15 Branchen ergab, dass 67 Prozent diesen Ansatz als richtungsweisend einstufen. 79 Prozent der Organisationen setzen Physical AI bereits ein, wobei 74 Prozent den Arbeitskräftemangel als wesentlichen Treiber nennen.

Für humanoide Roboter beziffert das Institut die durchschnittliche Zeitspanne bis zur Skalierung auf sieben Jahre. Als zentrale Hürden gelten die Technologiereife, hohe Kosten, Sicherheitsstandards und Cybersicherheit.

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In Pilotprojekten wird die Verknüpfung von Unternehmenssoftware und Hardware bereits erprobt. So verbinden Intel und SAP am Intel-Campus im chinesischen Chengdu SAP Extended Warehouse Management mit autonomen Robotern über Edge-KI, um Transportaufträge direkt in Robotermissionen zu überführen.

Bei Michelin überwacht der mobile Roboter Spot von Boston Dynamics mehr als 700 Geräte und generierte in den ersten Monaten 72 Arbeitsaufträge für überhitzte Komponenten und Luftlecks.

Softwaredefinierte Architekturen lösen Hardwaregrenzen ab

Technologisch treibt die Industrie den Übergang zu softwaredefinierter Automatisierung voran. Marc Fischer von Siemens Digital Industries verweist auf den Nutzen der prozessnahen Datenharmonisierung, wie sie Vorwerk zur Standardisierung der Datenintegration über Hunderte Maschinen nutzt, und sieht containerisierte Anwendungen sowie virtuelle Steuerungen als nächste Ausbaustufe.

Paul Miller, Technikchef bei Wind River Software, hebt hervor, dass Edge-Plattformen vermehrt Standardprozessoren neben spezialisierten Beschleunigern benötigen, damit Inferenzprozesse und Steuerungsaufgaben mit strikten Zeitanforderungen nebeneinander betrieben werden können.

Dass modulare Softwaremodelle den Betrieb vereinfachen, demonstriert ABB: Statt 50 bis 60 Thin Clients physisch vorzuhalten, lassen sich temporär 50 zusätzliche Lizenzen buchen und nach zwei Monaten zurückgeben. Die weitere Entwicklung dieser Technologien hin zu softwaredefinierten Konzepten bildet auch den Schwerpunkt der Messe SPS – Smart Production Solutions vom 24. bis 26. November 2026 in Nürnberg.

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