Infektionen: Herzinfarktrisiko steigt um das Vierfache
23.06.2026 - 14:42:52 | boerse-global.de
Aktuelle Studien aus dem ersten Halbjahr 2026 zeigen: Infektionen erhöhen das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes massiv. Die Forschung fordert deshalb eine Neuausrichtung der Prävention.
Herzinfarkt-Risiko steigt um das Vierfache
Prof. Erik Sander von der Charité präsentierte auf dem Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2026) alarmierende Zahlen. In den ersten vier Wochen nach einer Atemwegsinfektion steigt das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall um das Drei- bis Siebenfache.
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Konkret: Influenza-Patienten haben ein fünffach erhöhtes Schlaganfallrisiko und ein vierfaches Risiko für einen Herzinfarkt. Bei Covid-19 liegt das Herzinfarktrisiko 3,1-fach, das Schlaganfallrisiko 2,9-fach höher. Schätzungen zufolge gehen fünf bis zehn Prozent aller kardiovaskulären Ereignisse auf vorangegangene Infektionen zurück.
Eine englische Kohortenstudie vom Mai 2026 belegt zudem: Nach einer Krankenhauseinweisung wegen Influenza steigt das Diabetesrisiko innerhalb von 90 Tagen um den Faktor 2,71.
Viren bleiben länger im Körper als gedacht
Forscher des Bernhard-Nocht-Instituts veröffentlichten im Fachmagazin Nature Microbiology (2026) Erkenntnisse zur Persistenz von Viren. Das Ebolavirus kann demnach bis zu 120 Tage in Hirnorganoiden überdauern und dort Neuronen sowie Astrozyten infizieren. Die Folge: lokale Entzündungen und neurologische Spätfolgen wie Enzephalitis.
Auch Herpes-Infektionen rücken in den Fokus. Eine Studie der Brown University an über 500.000 Pflegeheimbewohnern zeigt: Die neue Gürtelrose-Impfung senkt das Demenzrisiko innerhalb von zwölf Monaten um 24 Prozent. Als Ursache vermuten die Forscher eine Reduktion systemischer Entzündungen.
Entzündungsgedächtnis in Darmzellen
Das Projekt IBDverse belegt: Das Entzündungsgedächtnis in Darmstammzellen bleibt über 100 Tage nach einem Schub einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) nachweisbar. Das Pharmaunternehmen Merck meldete Fortschritte mit dem Anti-TL1A-Antikörper Tulisokibart. In der Phase-3-Studie ATLAS-UC erreichte das Mittel nach zwölf Wochen den primären Endpunkt der klinischen Remission.
Auch bei Blutstrominfektionen zeichnet sich ein Wandel ab. Die SNAP-Studie mit über 1.300 Patienten in acht Ländern belegt: Cefazolin ist bei S. aureus-Infektionen genauso wirksam wie Flucloxacillin – und verträglicher. Besonders das Risiko für Nierenversagen ist geringer.
Milliardenkosten durch Langzeitfolgen
Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind enorm. Für die EU beziffern Experten die jährlichen Kosten der Influenza auf zehn bis 14 Millionen Euro – die Produktivitätsverluste liegen mit über 100 Milliarden Euro jedoch deutlich höher.
Eine KI-gestützte Studie der Mass General Brigham zeigt: Jeder sechste Amerikaner leidet nach einer Covid-19-Infektion an Langzeitsymptomen. Das verdoppelt die bisherigen offiziellen Schätzungen. Die wirtschaftlichen Gesamtkosten von Long Covid in den USA werden auf 3,7 Billionen US-Dollar geschätzt.
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Impfungen als Schlüssel zur Prävention
Die Influenza-Impfung kann das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) um 45 Prozent senken. Dennoch kritisieren Fachleute das aktuelle Investitionsniveau. Für Deutschland wird ein Bedarf von rund 30 Milliarden Euro für Impfausgaben genannt – die tatsächlichen Ausgaben liegen bei etwa drei Milliarden Euro.
In der klinischen Entwicklung befinden sich universelle Impfstoffe. Ein an der University of Cambridge entwickeltes KI-basiertes Vakzin soll Schutz gegen verschiedene Coronaviren bieten. Nach erfolgreicher Phase 1 läuft nun die zweite Studienphase.
