Infotainment-Malware, Schadsoftware

Infotainment-Malware: Erste Schadsoftware für 30 Millionen Fahrzeuge

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 23:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kaspersky identifiziert einen Angriff auf DoFun-Systeme in über 30 Millionen Fahrzeugen; DoFun veröffentlicht einen Patch, dessen Verteilung offen bleibt.

Kaspersky entdeckt gezielte Android-Malware für Auto-Infotainment
Dunkler Infotainment-Bildschirm in einem modernen Fahrzeug-Cockpit bei gedimmtem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Sicherheitsforscher von Kaspersky haben eine neuartige Bedrohung im Automobilsektor identifiziert. Es handelt sich um die erste Schadsoftware, die gezielt für Android-basierte Infotainment-Systeme in Fahrzeugen entwickelt wurde. Die Entdeckung markiere laut den Experten einen Wendepunkt in der Cybersicherheit von Fahrzeugen, da Angriffe bisher zumeist unspezifisch waren oder auf allgemeine mobile Endgeräte abzielten.

Die aktuelle Kampagne nehme die sogenannte DoFun-Firmware ins Visier. Nach Angaben der Sicherheitsforscher ist diese Software in mehr als 30 Millionen Fahrzeugen weltweit verbaut. Die Infektion erfolge über den TWCore-Update-Kanal, wodurch Angreifer den bösartigen Dienst „JarService“ auf den betroffenen Head-Units installieren könnten.

Dreistufiger Infektionsprozess durch MoYu Group

Der Angriff vollziehe sich in drei aufeinanderfolgenden Stufen. Zunächst werde der Dienst „JarService“ etabliert, gefolgt von einem Loader, der schließlich das Reverse-Proxy-Modul mit der Bezeichnung „zhima“ nachlade. Hinter der Kampagne wird die Angriffsgruppe „MoYu Group“ verantwortlich gemacht. Diese stehe bereits in Verbindung mit der bekannten Schadsoftware „BadBox“, was auf organisierte Strukturen hinter dem aktuellen Angriff hindeute.

Besonders kritisch bewerten die Forscher den Umstand, dass für die Infektion keinerlei Nutzeraktion erforderlich sei. Die ausgenutzte Sicherheitslücke befinde sich direkt in der TWCore-App des Infotainment-Systems. Einmal aktiv, sammle die Malware sensible Fahrzeug- und Netzwerkdaten, darunter das konkrete Fahrzeugmodell, die Bildschirmauflösung sowie die SSID und die MAC-Adresse der drahtlosen Schnittstellen.

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Risiken für Fahrer und verbundene Endgeräte

Für Fahrzeugbesitzer äußere sich ein Befall durch eine spürbare Systemverlangsamung, die Einblendung unerwünschter Werbung sowie einen ungewöhnlich hohen Datenverbrauch über die fahrzeugeigene Internetverbindung. Zudem stelle die Malware ein erhebliches Risiko für verbundene Smartphones dar, da diese über das kompromittierte Infotainment-System als Brückenkopf ebenfalls angegriffen werden könnten.

Der Hersteller DoFun hat bereits reagiert und einen Patch für die identifizierte Sicherheitslücke veröffentlicht. Allerdings bleibe derzeit unklar, wie die Verteilung dieses Updates an die Millionen betroffenen Fahrzeuge flächendeckend sichergestellt werde.

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Kaspersky empfiehlt betroffenen Nutzern, ihre Systemprozesse eigenständig nach verdächtigen Einträgen wie „TWCore“ oder „JarService“ zu durchsuchen. Sollte eine Infektion festgestellt werden, wird dazu geraten, das Gerät vollständig auf die Werkseinstellungen zurückzusetzen. Als generelle Schutzmaßnahme gelte zudem, ausschließlich offizielle Updates des Herstellers zu installieren.

Die Zunahme solcher Bedrohungen fügt sich in einen allgemeinen Trend zunehmender Cyberkriminalität im Verkehrswesen ein. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 494 Cybervorfälle im Automobilbereich registriert. Auffällig sei dabei die Professionalisierung der Angriffe: 92 Prozent dieser Vorfälle erfolgten remote, also ohne physischen Zugriff auf das Zielobjekt.

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