Ingwer, Erkältung

Ingwer bei Erkältung: Gingerol versetzt Immunzellen laut Studie in Alarmbereitschaft

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gingerol kann Immunzellen aktivieren; ein Schutz vor Erkältungen oder eine Heilung von Virusinfektionen ist jedoch nicht belegt.
Frische Ingwerknollen auf einem dunklen Holzuntergrund bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Experten und Fachratgeber befassen sich eingehend mit den Wirkungen von Ingwer auf das menschliche Immunsystem sowie mit der Linderung entzündlicher Prozesse bei Erkältungsbeschwerden. Die Wurzelknolle, botanisch als Zingiber officinale bezeichnet, stammt ursprünglich aus Südostasien und den Tropen und wird traditionell seit Jahrtausenden genutzt.

Heute zählen Indien, China, Nigeria und Indonesien zu den Hauptanbauländern der Pflanze, die mehr als 100 Aromastoffe und über 160 nachgewiesene Pflanzenstoffe in frischer Form aufweist.

Biochemische Wirkstoffe und wissenschaftliche Erkenntnisse

Die zentralen Inhaltsstoffe der Wurzel sind Scharfstoffe und ätherische Öle. In frischem Zustand dominieren milde Gingerole, insbesondere 6-Gingerol. Durch Erhitzen oder Trocknen, etwa bei 40 bis 50 Grad Celsius über sechs bis zehn Stunden im Dörrautomaten, wandeln sich diese Verbindungen in schärfere Shogaole sowie Zingeron um.

Wissenschaftliche Untersuchungen liefern Hinweise auf die physiologische Wirkung dieser Substanzen. Laut einer Studie der Technischen Universität München stimuliert der Scharfstoff Gingerol Immunzellen. Demnach versetzen bereits kleine Mengen die weißen Blutkörperchen in erhöhte Alarmbereitschaft.

Der Internist Dr. Nikita Charlow weist darauf hin, dass Ingwer bioaktive Verbindungen mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften enthält, denen auch potenzielle Effekte gegen Bakterien, Pilze und Viren zugeschrieben werden.

Gleichzeitig betont der Mediziner, dass es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege dafür gibt, dass Ingwer Erkältungen vollständig verhindert oder Virusinfektionen als alleiniges Mittel heilen kann.

Laborbefunde zu 6-Gingerol und 6-Shogaol lassen sich zudem nicht eins zu eins auf den menschlichen Organismus übertragen. In Untersuchungen mit Menschen ist allerdings dokumentiert, dass Ingwer leichte Übelkeit in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten lindern kann.

Aus dem Rhizom einer verwandten Art, Zingiber zerumbet, ist zudem der Stoff Zerumbon bekannt. Untersuchungen zeigen, dass dieser entzündungsfördernde Mediatoren wie die Zytokine Interleukin-6, Interleukin-1-beta und den Tumornekrosefaktor Alpha sowie COX-2 und iNOS hemmt. In Modellen zu Magengeschwüren schützte die Substanz die Schleimhautintegrität und verringerte das Einwandern von Leukozyten.

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Empfehlungen zur Zubereitung und Anwendung im Alltag

Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl vom Medicum Hamburg warnt davor, bei Erkältungsbeschwerden auf industriell gefertigte Ingwershots zurückzugreifen, und rät stattdessen zur eigenen Zubereitung. Bei empfindlichem Magen warnt Charlow vor dem Verzehr auf nüchternen Magen und empfiehlt die Einnahme im Tee.

Scharfe Gewürze können Beschwerden subjektiv lindern, verkürzen die eigentliche Dauer einer Infektion jedoch nicht. Eine gewöhnliche Erkältung dauert erfahrungsgemäß rund zehn Tage, während eine Influenza im Unterschied dazu schlagartig ausbricht.

Für die Zubereitung von Ingwertee empfehlen Fachleute, ein daumengroßes Stück beziehungsweise drei bis fünf Zentimeter der Wurzel in Scheiben zu schneiden und mit kochendem Wasser zu übergießen. Der Sud sollte zugedeckt acht bis zehn Minuten ziehen. Eine andere Variante setzt auf zehn bis 15 Gramm Ingwer auf 250 Milliliter Wasser bei einer Ziehzeit von fünf bis zehn Minuten.

Auch Kombinationen mit weiteren Lebensmitteln werden beschrieben. Ein Rezept für einen hausgemachten Ingwer-Shot zur Vorbeugung umfasst 200 Gramm Ingwer, 200 Milliliter Zitronensaft aus vier Bio-Zitronen, 200 Milliliter Orangensaft aus drei Orangen, 300 Milliliter Apfelsaft, 150 Milliliter Agavendicksaft, etwa einen Teelöffel Kurkuma und Pfeffer. Empfohlen wird eine tägliche Dosis von 30 bis 50 Millilitern, vorzugsweise am Morgen.

Für eine Mischung vor Beginn der Erkältungssaison werden 222 Gramm roher Honig mit 15 Gramm Ingwer, 10 Gramm Kurkuma und 2,5 Gramm schwarzem Pfeffer kombiniert. Diese Mischung wird im Kühlschrank aufbewahrt und löffelweise pur oder in warmem Tee eingenommen. Das im Pfeffer enthaltene Piperin kann die Aufnahme des im Kurkuma enthaltenen Curcumins um bis zu 2000 Prozent steigern.

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Traditionelle Methoden und Kontraindikationen

In der traditionellen Praxis wird Ingwer vor allem wegen seiner wärmenden Eigenschaften geschätzt. Neben dem klassischen Tee wird beispielsweise ein Getränk aus 15 Gramm Ingwer und 30 Gramm Pflaumen auf einem Liter Wasser beschrieben, das 20 Minuten gekocht und über drei Tage hinweg fünf- bis sechsmal täglich in Portionen von 100 Millilitern getrunken wird.

Äußerlich kommen Ingwerscheiben mit einer Dicke von 0,2 bis 0,5 Zentimetern bei Akupunkturpunkten und für 30-minütige Moxibustionen zum Einsatz, ebenso Fußbäder mit sechs Gramm Ingwer. Diese traditionellen Anwendungen sind jedoch nicht für jeden Zustand geeignet. Sie sollten nicht bei Hitzezuständen, Fieber über 38,5 Grad Celsius, akuten Entzündungen oder dem sogenannten Yin-Mangel angewendet werden.

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