Ingwer, Reiseübelkeit

Ingwer bei Reiseübelkeit: EMA empfiehlt 1–2 Gramm vor der Fahrt

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 02:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschung belegt Nutzen bei Reiseübelkeit, zeigt gemischte Stoffwechseleffekte und mahnt bei hoch dosierten Präparaten zur Vorsicht.
Frische Ingwerwurzeln auf einer hölzernen Unterlage bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Die tägliche Verwendung von Ingwer steht im Mittelpunkt zahlreicher ernährungswissenschaftlicher und medizinischer Betrachtungen. Während die Wurzel traditionell als vielseitiges Hausmittel geschätzt wird, differenzieren klinische Untersuchungen und Fachbehörden zunehmend zwischen belegten Wirkungen, potenziellen Risiken und überzogenen Heilsversprechen.

Medizinische Evidenz und behördliche Bewertungen

Ingwer (Zingiber officinale) gilt seit Langem als Mittel gegen Übelkeit, Erkältungsbeschwerden, Gelenkschmerzen und Appetitlosigkeit. Für das Jahr 2026 wurde die Pflanze vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres gekürt; zudem zeichnete eine deutsche Initiative sie als Heilpflanze des Jahres 2026 aus.

Auf wissenschaftlicher Ebene bestätigen Institutionen wie die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) die Wirksamkeit insbesondere bei der Vorbeugung von Reiseübelkeit.

Die EMA empfiehlt hierfür ein bis zwei Gramm Ingwerpulver rund eine Stunde vor Fahrtantritt, da Wirkstoffe im getrockneten Zustand konzentrierter vorliegen als in der frischen Knolle. Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der EMA führt zudem traditionelle Anwendungen bei leichten Appetitstörungen sowie Erkältungssymptomen auf.

Hinsichtlich anderer Indikationen fällt die Evidenz gemischter aus. Das US-amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) weist darauf hin, dass die Datenlage je nach Gesundheitszustand variiert.

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Während klinische Studien Hinweise auf eine Linderung von Schwangerschaftsübelkeit liefern, rät das NCCIH vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln zu einer ärztlichen Abklärung. Bei Übelkeit infolge von Chemotherapien oder operativen Eingriffen fehlt es laut weiteren Auswertungen an ausreichender Evidenz.

Ebenso gibt es nach Angaben des National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK) keine klinischen Belege dafür, dass Ingwertee die Nierenfunktion schützt oder chronische Nierenerkrankungen verhindert; entscheidend seien hier medizinische Kontrollen und die Kontrolle von Risikofaktoren.

Stoffwechsel- und Entzündungsforschung

Im Fokus pharmakologischer Analysen stehen primär Gingerole in frischem Ingwer sowie Shogaole und Zingeron, die beim Trocknen oder Erhitzen entstehen. Diesen Scharfstoffen werden antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben.

In Untersuchungen zu Arthrose zeigten Protokolle mit rund einem Gramm Ingwerpulver täglich über mehrere Wochen teils Schmerzlinderungen, teils jedoch nur begrenzten Nutzen. Einen Nachweis dafür, dass Ingwer ähnlich schnell oder stark wie synthetische Arzneimittel wie Ibuprofen oder Kortison wirkt, gibt es nicht.

Im Bereich der Stoffwechselforschung zeigte eine Metaanalyse aus dem Jahr 2026, die 13 Studien auswertete, bei Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes durchschnittliche Senkungen der Nüchternglukose, des Langzeitblutzuckers HbA1c und der Triglyceride sowie einen geringen Effekt auf den systolischen Blutdruck.

Keine signifikanten Veränderungen ergaben sich hingegen beim Gesamt- und LDL-Cholesterin, dem diastolischen Blutdruck und dem Body-Mass-Index. Die untersuchten Dosierungen lagen bei circa 0,5 bis 3 Gramm Pulver oder Supplementen täglich, wobei keine allgemeingültige Verzehrempfehlung ausgesprochen wurde.

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Demgegenüber berichtete eine 2026 im Fachjournal „Diabetology & Metabolic Syndrome“ veröffentlichte Studienübersicht über Senkungen von Gesamt- und LDL-Cholesterin.

In „Current Pharmaceutical Design“ dokumentierte Daten beziffern eine Reduktion des LDL-Werts um circa 5 mg/dl und des Gesamtcholesterins um circa 7 mg/dl, wobei positive Effekte bei täglichen Gaben von rund 1,5 bis 2 Gramm beobachtet wurden. Als sichere und potenziell vorteilhafte Tagesdosis von Extrakten gelten in wissenschaftlichen Publikationen Mengen zwischen 250 Milligramm und einem Gramm.

Risiken, Wechselwirkungen und richtige Handhabung

In haushaltsüblichen Mengen gilt frischer Ingwer als gut verträglich. Hochdosierte Präparate und Supplemente können jedoch unerwünschte Wirkungen wie Sodbrennen, Magenreizungen, Reflux, Durchfall oder Reizungen von Mund und Rachen hervorrufen.

Besondere Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Medikamente wie Warfarin oder Acetylsalicylsäure (ASS), bei Blutdruck- und Diabetesmitteln sowie vor geplanten Operationen. Auch bei Gallensteinen oder während der Schwangerschaft wird geraten, größere Verzehrmengen medizinisch abzusprechen.

Behörden wie das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) betonen, dass es weder eine verbindliche Tageshöchstmenge noch einen standardisierten Umrechnungsfaktor zwischen frischem Ingwer und Pulver gibt.

Für die Zubereitung spielt die Schnittform eine Rolle: Eine 2026 im „Journal of Food Science“ veröffentlichte Laborstudie ergab, dass Tee aus geriebenem Ingwer die 3,6- bis 9,3-fache Menge an wesentlichen Sesquiterpenen freisetzt wie Tee aus gewürfeltem Ingwer.

Beim Verzehr ist zudem der Frischezustand entscheidend. Gekeimter Ingwer bildet kein Solanin und bleibt verzehrbar, verliert jedoch Wasser und an Schärfe. Schimmelige oder faulende Knollen müssen hingegen vollständig entsorgt werden, da sie das potenziell krebserregende und leberschädigende Safrol enthalten können und entsprechende Toxine hitzestabil sind.

Ungeschält hält sich frischer Ingwer im Gemüsefach laut LAVES bis zu drei Wochen, während ein Einfrieren bei -18 Grad Celsius die Haltbarkeit auf einige Monate verlängert.

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