Innovationsbremse Routine: 54% der Fachkräfte finden keine Zeit
Veröffentlicht am: 03.06.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Studien zeigen: Die Entlastung von monotonen Tätigkeiten ist die eigentliche Voraussetzung für kreative Prozesse.
Die Lücke zwischen Anspruch und Realität
Viele Fachkräfte kommen kaum zum Innovieren. Eine Untersuchung der WSCAD unter mehr als 1.200 Beschäftigten zeigt: 54 Prozent der E-CAD-Anwender finden keine ausreichende Zeit für Innovationen. Rund 40 Prozent der täglichen Arbeitszeit verschwinden in Routinetätigkeiten.
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Zeitmanagement-Expertin Anna Wörner betont: Innovation braucht Freiheit, nicht mehr Durchsatz. Unternehmen müssen Freiräume schaffen – etwa durch die Umstellung von Push- auf Pull-Prinzipien. Das Denken „mehr Arbeit bringt bessere Ergebnisse“ erweist sich oft als Innovationsbremse.
KI schafft Freiräume
Spezialisierte Software hilft, Zeit zurückzugewinnen. KI-gestützte Plattformen wie ELECTRIX AI beschleunigen Engineering-Prozesse massiv: Materiallisten lassen sich um 92 Prozent schneller abwickeln, Fehlerprüfungen um 98 Prozent. Dr. Axel Zein, CEO von WSCAD, verspricht jedem Mitarbeiter rechnerisch bis zu zehn Freistunden pro Woche für anspruchsvollere Aufgaben.
Auch in der Instandhaltung setzen Unternehmen auf digitale Helfer. Anfang Juni stellte der Anbieter Ultimo neue KI-Funktionen vor. Angesichts einer alternden Belegschaft in 63 Prozent der Industrieunternehmen sollen sie Entlastung bringen. Berkvens Doorsystems zeigt: Teamleiter sparen durch solche Systeme täglich 30 bis 60 Minuten.
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Neue Anforderungen an Führungskräfte
Mit der Automatisierung von Routineaufgaben wandelt sich das Führungsprofil. Dr. Ulrike Lehmann schreibt in ihrer aktuellen Publikation über Creative Leadership: Künstlerisch-kreatives Denken wird zur entscheidenden Managementressource. Klassische Logiken stoßen in unsicheren Märkten an Grenzen.
Virginie Briand von Deloitte sieht ähnliche Entwicklungen in der Kreativwirtschaft. KI definiere Kreativität neu – weg vom handwerklichen Output, hin zu Strategie und Konzept. KI fungiere als ständiger Sparringspartner. Briand kritisiert die verbreitete Zögerlichkeit in Deutschland gegenüber neuen Technologien.
Digitale Kompetenz als Schlüssel
Technologische Zeitgewinne nützen nur, wenn die Belegschaft sie nutzen kann. Ein Bericht des Schweizer Bundesamts für Statistik zeigt deutliche Unterschiede: Während 75 Prozent der 15- bis 29-Jährigen KI-Anwendungen nutzen, sind es bei den über 60-Jährigen nur 15 Prozent.
Neue Bildungsangebote sollen die Lücken schließen. Die ehemalige Google-Managerin Evelyn Leu startete Anfang Juni die Plattform lifturskill, um KI-Kompetenzen in Unternehmen zu fördern. Parallel bietet die TU Wien Mitte Juni eine Masterclass für Führungskräfte an.
Dass Technik allein nicht reicht, zeigen auch individuelle Beispiele. Die vietnamesische Jurastudentin Tran Thi Chau Anh schloss ihr Studium im Juni mit Bestnoten ab. Ihr Erfolgsrezept: Disziplin und Zeitmanagement sind wichtiger als bloße Begabung. Auch der Psychologe Dr. Herbert Scheithauer verweist darauf: Früh erlernte Selbstorganisation hilft, Prokrastination zu vermeiden.
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