Intel streicht 15 Prozent der ArbeitsplÀtze
02.08.2024 - 05:32:11Der kriselnde Halbleiter-Pionier Intel greift zu einem drastischen Stellenabbau, um schnell die Kosten zu senken. Rund 15.000 ArbeitsplÀtze - etwa 15 Prozent der Belegschaft - sollen wegfallen, wie Intel-Chef Pat Gelsinger an die Mitarbeiter schrieb. Insgesamt will er zum kommenden Jahr mehr als zehn Milliarden Dollar einsparen.
Intels Pressemitteilung lieà sogar noch höhere Jobverluste vermuten. Denn dort war vom Abbau von «mehr als» 15 Prozent die Rede - und die Zahl der Mitarbeiter wurde mit 116.500 bei Intel und gut 125.000 im Konzern samt Tochterunternehmen angegeben.
Chip-Fertiger fĂŒr andere
Zu Gelsingers Strategie fĂŒr das Ăberleben von Intel gehört, stĂ€rker zum Auftragsfertiger fĂŒr andere Chip-Entwickler zu werden. Dabei soll der Konzern modernste Produktionsverfahren meistern, um im Wettbewerb gegen etablierte Produzenten wie TSMC aus Taiwan zu bestehen. Zugleich positionierte Gelsinger Intel geschickt als SchlĂŒsselelement der PlĂ€ne, wieder mehr Chip-Produktion aus Asien in den Westen zurĂŒckzuholen.
Zu den PlĂ€nen gehört auch der Bau eines rund 30 Milliarden Euro teuren Werks in Magdeburg, in dem nach frĂŒheren Angaben die modernsten Produktionsverfahren zum Einsatz kommen. Intel wartet noch auf Genehmigungen unter anderem fĂŒr die Milliardensubventionen, die die Kosten abfedern sollen. Der erste Spatenstich wurde bisher bis Ende des Jahres angepeilt - mit einem Produktionsbeginn ab 2027.
Könnte der Sparkurs Folgen fĂŒr die Deutschland-PlĂ€ne haben?
Gelsinger betonte, dass die Auftragsfertiger-Strategie grundsĂ€tzlich bleibe. Bis es jedoch feste Bestellungen gibt, werde Intel darauf achten, nicht zu hohe KapazitĂ€ten aufzubauen. Man habe auch InvestitionsplĂ€ne an die nun erwartete Marktentwicklung angepasst, sagte der Intel-Chef ohne nĂ€here Details. Der Konzern wolle zugleich schneller die FrĂŒchte der hohen Investitionen ernten. Intel will auch in den USA neue Fabriken bauen und dafĂŒr Milliarden an Förderung kassieren.
Intel dominierte einst die Chipbranche, fiel dann aber zurĂŒck. Ein entscheidender Moment war der verlorene Kampf um den Platz in den heute allgegenwĂ€rtigen Smartphones. Intel hoffte, die StĂ€rke im PC-GeschĂ€ft auf die Mobil-GerĂ€te zu ĂŒbertragen - doch bei den Computer-Handys setzten sich sparsamere Prozessoren mit Architekturen des britischen Chip-Designers Arm durch.
Druck bei PC-Prozessoren und KI
Inzwischen muss sich Intel auch um die Position im PC-Markt Sorgen machen. Apple stellte die gesamte Modellpalette seiner Mac-Computer auf Arm-Chips aus eigener Entwicklung um. Eine Folge waren deutlich lĂ€ngere Batterielaufzeiten. Im Sommer setzte auch Microsoft bei neuen Windows-PCs mit KI-Funktionen zunĂ€chst auf Chips mit Arm-Architektur. Computer mit Intel-Prozessoren sollen zwar folgen - diese mĂŒssen aber zunĂ€chst einmal auf den Markt kommen.
Derweil musste Intel vom Spielfeldrand zusehen, wie der einst viel kleinere Konkurrent Nvidia dank Chipsystemen zum Training KĂŒnstlicher Intelligenz zur heiĂesten Adresse in der Branche wurde. Intel versucht zwar auch, in dem GeschĂ€ft mitzumischen, liegt aber weit hinter Nvidia.
Zu Intels Sparprogramm gehört auch, vom vierten Quartal an vorerst keine Dividende mehr zu zahlen. Die Kapitalausgaben sollen nun 20 Prozent niedriger als ursprĂŒnglich angepeilt sein.
«Kosten zu hoch, Margen zu niedrig.»Â
Gelsinger klang in der E-Mail an die Mitarbeiter recht dramatisch. Intels Kostenstruktur sei «nicht wettbewerbsfÀhig», schrieb er unter anderem. «Unsere Kosten sind zu hoch, unsere Margen sind zu niedrig.» Der Umsatz sei im vergangenen Jahr 24 Milliarden Dollar niedriger gewesen als 2020 - aber die Mitarbeiterzahl zehn Prozent höher. Entscheidungen dauerten zu lange und es gebe zu viele Reibungsverluste im System.
Im vergangenen Quartal verbuchte Intel einen Verlust von gut 1,6 Milliarden Dollar nach einem Gewinn von 1,48 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Der Umsatz sank im Jahresvergleich um ein Prozent auf 12,8 Milliarden Dollar (11,9 Mrd. Euro) und verfehlte damit die Erwartungen der Analysten.
Anleger verlieren das VertrauenÂ
Gelsinger nannte die GeschĂ€ftszahlen des vergangenen Quartals «enttĂ€uschend». Und auch die Lage im zweiten Halbjahr werde schwieriger sein als bisher erwartet. Der Intel-Chef hatte Anleger zuvor oft auf die zweite JahreshĂ€lfte vertröstet, in der Besserung zu erwarten sei. Sie lieĂen die Intel-Aktie im nachbörslichen Handel um rund 19 Prozent fallen.


