Interprofessionelle Lehre: Jutta Hübner erhält Lehrpreis der Universität Jena
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie strukturierte Vermittlung von Kompetenzen über Fakultäts- und Berufsgrenzen hinweg gewinnt in der akademischen Gesundheitsausbildung zunehmend an Bedeutung.
An der Friedrich-Schiller-Universität Jena wird dieser Ansatz nun offiziell gewürdigt: Prof. Dr. Jutta Hübner, Inhaberin der Professur für Integrative Onkologie, erhält den Lehrpreis 2026 der Universität Jena in der Kategorie „Wo Neues entsteht – Interdisziplinäre Lehre als Ort der Innovation“. Die Auszeichnung wird im Rahmen des diesjährigen Dies Legendi am 17. November verliehen.
Digitales Planspiel simuliert den Rehaklinik-Alltag
Im Mittelpunkt der Auszeichnung steht das Lehrformat „Querschnitt 12 – Kompetenz interfakultär“. Das Konzept basiert auf einem dreitägigen digitalen Planspiel, das über die Plattformen Zoom und Moodle umgesetzt wird und den Arbeitsalltag einer Rehabilitationsklinik nachbildet. Die Rollen der Patientinnen und Patienten werden dabei von Mitarbeitenden übernommen.
An dem Modul beteiligen sich Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen und Hochschulstandorte. Vertreten sind Medizinstudierende aus Jena und Leipzig, Studierende der Psychologie und Ernährungswissenschaften aus Jena, angehende Fachkräfte der Sozialen Arbeit aus Wiesbaden, künftige Sportmediziner aus Leipzig sowie Studierende der Pharmazie.
Pro Disziplin nehmen bis zu zehn Studierende teil, wobei die Gruppen jährlich neu zusammengesetzt werden. Das mit dem Lehrpreis verbundene Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro soll zweckgebunden eingesetzt werden, um künftig Schauspielpatienten in das Planspiel einzubinden.
Wissenschaftsrat und Studien fordern interprofessionelle Ansätze
Das Jenaer Projekt fügt sich in eine übergeordnete Debatte über die Modernisierung medizinischer Curricula ein. Auf einer Fachtagung am 20. Oktober 2026 an der HAW Hamburg im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2026 „Medizin der Zukunft“ betonte der Wissenschaftsrat die Relevanz berufsübergreifender Kooperationen.
Dessen Vorsitzender Wolfgang Wick erklärte, dass neue Profile wie das Community Health Nursing einen wesentlichen Beitrag zum notwendigen Kulturwandel leisten könnten. Das Ratsmitglied Uta Gaidys, Dekanin der Fakultät Gesundheit an der HAW Hamburg, forderte verlässliche Rahmenbedingungen für Qualifizierung, Studium und Forschung.
Wer interprofessionelle Lehre nicht nur ankündigen, sondern tatsächlich in den Studienalltag bringen will, braucht ein Format, das ohne große Infrastruktur funktioniert. Ein dreitägiges digitales Planspiel zeigt, wie Studierende aus Medizin, Pflege, Therapie und Pharmazie gemeinsam einen Klinikalltag durchspielen — inklusive Rollenverteilung und Gruppengrößen. Der kostenlose Praxisleitfaden liefert die Schritt-für-Schritt-Umsetzung. Praxisleitfaden jetzt anfordern
Zu den Kernforderungen des Wissenschaftsrats gehören die Schaffung institutioneller Freiräume für interprofessionelles Lehren sowie die Etablierung durchgängiger Versorgungspfade.
Empirische Erhebungen stützen diesen Kurs. Eine in der Fachzeitschrift BMC Medical Education veröffentlichte Studie der Hochschule Hannover untersuchte das interprofessionelle Curriculum „Interprofessional Collaboration in Palliative Care“, das im Sommersemester 2025 mit 25 Studierenden aus Medizin, Pflege, Sozialer Arbeit und Religionspädagogik durchgeführt wurde.
Mittels eines Mixed-Methods-Ansatzes – darunter 19 Befragte in einer Umfrage und zehn Teilnehmende in zwei Fokusgruppen – dokumentierten die Forschenden eine hohe Zufriedenheit mit der praxisorientierten Storyline-Methode.
Signifikante Lernzuwächse zeigten sich vor allem bei sozialen Fähigkeiten, der teambasierten Problemlösung und dem Verständnis für andere Berufsgruppen. Zugleich machten die qualitativen Auswertungen mit elf Sub-Codes in drei Hauptkategorien deutlich, dass eine Unterrepräsentation einzelner Gruppen wie Medizin oder Pflege das Entstehen von Hierarchien begünstigen kann.
Praxisnahe Simulationen an weiteren Standorten
Ähnliche Konzepte werden auch an anderen Hochschulen erprobt. An der FH Gesundheitsberufe OÖ und der Medizinischen Fakultät der Johannes Kepler Universität Linz setzten sich im Oktober 2026 rund 800 Studierende mit der interprofessionellen Versorgung auseinander, unter anderem im Rahmen eines zweitägigen Fachkongresses am 15. und 16. Oktober 2026.
Parallel rücken simulationsgestützte Trainingsumgebungen in den Fokus: Die Uniklinik Köln eröffnete Mitte Oktober 2026 im CeMIT Cologne den Trainingsraum „Loop“, der mit einem Simulator von Surgical Science für robotische Chirurgie sowie Stationen für Laparoskopie und Endoskopie ausgestattet ist.
Eine Unterrepräsentation einzelner Berufsgruppen begünstigt Hierarchien — noch bevor das erste Semester endet. Wer das vermeiden will, muss die Gruppenzusammensetzung bewusst steuern und Reflexionsräume einplanen. Der kostenlose Leitfaden zeigt anhand von Evaluationsdaten, welche Faktoren Lernzuwächse bei sozialen Fähigkeiten und teambasierter Problemlösung begünstigen und wie Sie Ihr Curriculum entsprechend aufsetzen. Checkliste zur Curriculums-Integration sichern
Unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Rabi Datta trainieren dort Studierende, Weiterbildungsassistenten und weitere Gesundheitsberufe gemeinsam praktische Fertigkeiten.
Auch eine 2026 publizierte Pilotstudie von Zhang und Kollegen in BMC Medical Education (Artikel 376) unterstreicht den Nutzen praxisnaher Rollenspiele: Anhand von 60 Studierenden der klinischen Pharmazie und zehn Studierenden der Sportphysiologie zeigte sich, dass gemeinsame Fallbearbeitungen und Simulationen mit Schauspielpatienten das wechselseitige Berufsverständnis signifikant verbessern können.
