Apple, Behörden

iOS-Sperrmodus: Apple will Behörden den Zugriff auf iPhones erschweren

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 03:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Apple lehnt den britischen Zugriff auf geschützte iCloud-Daten ab; eine Einigung im Konflikt um Verschlüsselung ist nicht absehbar.

Apple und Behörden streiten weiter über Zugriff auf verschlüsselte Daten
Eine leicht geöffnete, schwere Stahltür in einem minimalistischen, architektonisch kühlen Raum mit dramatischem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Der Streit zwischen Apple und staatlichen Stellen um Zugriff auf gesperrte oder verschlüsselte Geräte reicht Jahre zurück und flammt in unterschiedlichen Ländern immer wieder auf. Im Kern geht es stets um dieselbe Frage: Darf ein Hersteller Sicherheitsmechanismen so gestalten, dass selbst Behörden mit richterlicher Anordnung keinen Zugriff mehr erhalten?

Der USB Restricted Mode und das Werkzeug GrayKey

Ein zentrales Element dieser Auseinandersetzung ist eine Schutzfunktion, die den Datenzugriff über den Lightning-Port zeitlich begrenzt. Ermittlungsbehörden nutzen dafür unter anderem das Gerät GrayKey, das mit Kosten von 15.000 US-Dollar zu Buche schlägt und wochenlang nach der letzten Entsperrung eines iPhones noch Zugriff ermöglichen kann.

Apples Gegenmaßnahme soll dieses Zeitfenster drastisch verkürzen – auf nur noch eine Stunde nach der letzten Entsperrung. Laut Berichten von MacRumors und Motherboard wurde eine entsprechende Funktion in iOS 12 getestet, das mit dem iPhone 5S und dem SE sowie neueren Modellen kompatibel ist.

Apple-Sprecher Fred Sainz betonte damals, das Unternehmen habe größten Respekt vor der Strafverfolgung und entwerfe Sicherheitsverbesserungen nicht, um deren Arbeit zu behindern.

Die Vorgeschichte: Apple gegen das FBI

Der Grundkonflikt lässt sich bis 2016 zurückverfolgen. Damals ordnete ein US-Bundesrichter an, dass Apple dem FBI Zugriff auf das iPhone 5c eines getöteten Terroristen gewähren solle – konkret durch eine Brute-Force-Software, die den automatischen Löschmechanismus des Geräts umgeht. Apple verweigerte dies. CEO Tim Cook argumentierte, eine solche Hintertür würde letztlich alle Nutzer gefährden, nicht nur die Zielperson der Ermittlungen.

Apples Position erhielt damals breite Unterstützung: WhatsApp-Chef Jan Koum, Google-CEO Sundar Pichai, die Bürgerrechtsorganisation EFF sowie Harvard, Facebook und Twitter stellten sich hinter das Unternehmen. Der damalige Präsidentschaftskandidat Donald Trump hingegen bezeichnete Apples Haltung als "disgraceful".

Der Kongressabgeordnete Ted Lieu warf der Regierung vor, Apple auf diese Weise "zum Arm der Strafverfolgung" machen zu wollen. Auch aus Großbritannien kam damals eine Positionierung: Die britische Innenministerin Theresa May erklärte, die Behörden wollten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht grundsätzlich verbieten, verlangten aber Zugriff auf Daten "in lesbarer Form auf Abruf".

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Neue Front im Vereinigten Königreich

Der Konflikt hat sich seither auf weitere Schauplätze verlagert. Die britische Regierung forderte von Apple Zugriff auf verschlüsselte iCloud-Daten, gestützt auf den Investigatory Powers Act 2016, im öffentlichen Diskurs auch als "Snooper's Charter" bekannt.

Betroffen ist insbesondere die Funktion Advanced Data Protection (ADP), die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet, auf die selbst Apple keinen eigenen Zugang hat. Die britische Seite begründet ihre Forderung damit, dass verschlüsselte Backups Ermittlungen zu Terrorismus, Kindesmissbrauch und organisierter Kriminalität erschweren würden.

Apple verweigert den geforderten Zugriff und warnt, eine Hintertür für Strafverfolgungsbehörden sei zwangsläufig auch eine Hintertür für Hacker, Cyberkriminelle und ausländische Geheimdienste. Zudem würde ein solcher Präzedenzfall Druck auf andere Anbieter wie Google, Microsoft, Meta, Signal und Telegram erzeugen, ähnliche Zugänge zu schaffen.

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Bereits 2023 hatte Apple angedroht, die Dienste iMessage und FaceTime im Vereinigten Königreich zurückzuziehen, sollte der Druck anhalten. Als mögliche Reaktionen stehen weiterhin im Raum, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nur für den britischen Markt zu deaktivieren oder den Streit gerichtlich austragen zu lassen.

Ein Konflikt ohne absehbares Ende

Die verschiedenen Episoden – vom FBI-Streit über das iPhone 5c bis zur aktuellen Auseinandersetzung mit britischen Behörden – zeigen ein wiederkehrendes Muster: Apple positioniert sich konsequent gegen jede Form von Hintertüren, während staatliche Stellen in unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen rechtlichen Instrumenten versuchen, Zugriff auf verschlüsselte Daten zu erzwingen. Eine grundsätzliche Lösung dieses Zielkonflikts zwischen Verschlüsselungssicherheit und Strafverfolgungsinteressen ist bislang nicht in Sicht.

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