ISS-Automatisierung, Euro

ISS-Automatisierung: 130.000 Euro pro Stunde treiben Robotik voran

14.06.2026 - 11:42:40 | boerse-global.de

Neue humanoide Roboter und 3D-Druckverfahren treiben die Automatisierung im Orbit und auf dem Mond massiv voran.

Weltraum-Roboter Helios: Automatisierung erobert das All
ISS-Automatisierung - An advanced humanoid robot with multiple arms performing maintenance on a space station, with Earth visible in the background. 14.06.2026 - Bild: ĂĽber boerse-global.de

Denn Astronautenarbeit auf der ISS kostet umgerechnet rund 130.000 Euro pro Stunde – ein Preis, den sich die Industrie nicht länger leisten will.

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Schweizer Start-up präsentiert Weltraum-Roboter

Am 20. Mai 2026 stellte das Schweizer Unternehmen Orbit Robotics „Helios" vor – einen vierarmigen humanoiden Roboter, der speziell für die Schwerelosigkeit entwickelt wurde. Mit 160 Zentimetern Größe und 32 Kilogramm Gewicht bewegt sich die beinlose Konstruktion hand-über-hand an den Strukturen der Raumstation entlang. Helios kann Wartungsarbeiten durchführen und Fracht entladen – bei einer Betriebsdauer von drei Stunden pro Akkuladung.

Bereits im März 2026 hatte China den Satelliten Xiyuan-0 gestartet, der einen hochflexiblen Roboterarm des Unternehmens Sustain Space testet. Der Arm besteht aus federähnlichen Röhren und simuliert autonome Betankungsmanöver sowie bildgesteuerte Reparaturen. Das Ziel: Satelliten länger im Orbit halten und Weltraumschrott beseitigen.

Europa setzt auf orbitalen Service

Die Europäische Kommission hat im Juni 2026 Thales Alenia Space – ein Gemeinschaftsunternehmen von Thales und Leonardo – mit dem EROSS-SC-Projekt beauftragt. Der Auftrag im Wert von zwölf Millionen Euro ist Teil des ISOS-Programms und zielt auf eine Pilotmission bis 2030 ab. Demonstriert werden sollen automatisches Andocken, Betanken und der Austausch von Nutzlasten.

3D-Druck in der Schwerelosigkeit

Die Fertigung im All könnte effizienter sein als auf der Erde. Das belegt ein Test des 3D-Druckers CosmicMaker, den Photocentric als Spin-off ausgegründet hat. Vom 22. bis 24. April 2026 durchlief das Gerät Parabelflüge des Unternehmens Novespace.

Die Besonderheit: Der Drucker nutzt ein geschlossenes LCD-Verfahren und verarbeitet Siliziumkarbid, Aluminiumoxid sowie Duroplaste. Weil die Schwerkraft fehlt, sind keine Stützstrukturen nötig – ein entscheidender Vorteil für komplexe Geometrien. Unterstützt wurde das Projekt von der britischen Weltraumagentur und der ESA.

Forscher der Universität Twente arbeiten parallel an der Wärmeableitung im All. Sie nutzen 3D-gedruckte Mikrosäulen und elektrische Felder, um in der Schwerelosigkeit kochende Blasen von Oberflächen zu entfernen. Diese elektrohydrodynamische Methode könnte künftig von der Schwerkraft abhängige Kühlsysteme ersetzen.

Roboter fĂĽr den Mond

Auch die Monderkundung setzt zunehmend auf Automatisierung. Für Chinas Mission Chang'e-8 entwickelte die Hongkonger Universität für Wissenschaft und Technologie einen 100 Kilogramm schweren Roboter mit vier Rädern und Greifarmen. Das halbautonome System soll am Südpol des Mondes Bauarbeiten durchführen und Sensoren platzieren – und dabei nach Wassereis für Treibstoff und Trinkwasser suchen.

In Kanada vergab die Raumfahrtbehörde kürzlich 500.000 Dollar an die Firma SpaceDirt für eine zehnmonatige Studie zur Mondressourcennutzung. Das Unternehmen entwickelt den Rover „Sled 75", der 250 Kilogramm Nutzlast auf künftigen Mondmissionen transportieren soll.

Die strategische Lage hat sich jedoch verändert: NASA-Chef Jared Isaacman strich das Lunar-Gateway-Projekt zugunsten einer Oberflächenbasis. Das schafft Unsicherheit für MDA Space, den Hersteller des Canadarm3. Der über eine Milliarde Euro teure Arm war ursprünglich für die Gateway-Station gedacht – nun sucht MDA Space nach kommerziellen Alternativen.

Milliarden für „Physical AI"

Die Branche lockt gewaltige Investitionen an. Das deutsche Unternehmen Neura Robotics sicherte sich in einer Serie-C-Finanzierungsrunde umgerechnet bis zu 1,3 Milliarden Euro. Zu den Investoren zählen NVIDIA, Amazon und die Europäische Investitionsbank. Neura entwickelt eine gemeinsame Intelligenz-Plattform für kognitive Roboter und meldet einen Auftragsbestand von über einer Milliarde Euro.

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Auch der Raketenbauer Astra setzt nach seiner Privatisierung 2024 auf Automatisierung. CEO Chris Kemp will zugekaufte Software durch hauseigene KI-Modelle ersetzen, die mit Unternehmensdaten trainiert werden. Astra erzielte 2025 rund 45 Millionen Euro Umsatz mit elektrischen Triebwerken und hat die Belegschaft von 400 auf 110 Mitarbeiter reduziert. Noch 2026 soll der erste Start der Rakete Rocket 4 von Cape Canaveral erfolgen.

Bereits heute arbeiten auf der ISS automatisierte Systeme: Zwei Roboter des NASA-Programms Astrobee – „Bumble" und „Honey" – sind im Einsatz, seit im Sommer 2019 die dritte Einheit „Queen" eintraf. Dazu kommt der ESA-KI-Assistent CIMON, der seit Ende 2018 an Bord ist.

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