IT-Notfallplanung: Nur 20 Stunden Durchhaltevermögen bei Ausfall
26.05.2026 - 09:30:34 | boerse-global.deEine aktuelle Bitkom-Studie zeigt: Die meisten Betriebe sind auf lÀngere AusfÀlle kaum vorbereitet. Besonders der Gesundheitssektor leidet unter den Folgen.
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Nur 20 Stunden Durchhaltevermögen
Die Bitkom-Untersuchung, durchgefĂŒhrt von November 2025 bis Januar 2026 unter 604 Unternehmen, offenbart alarmierende SchwĂ€chen. Im Durchschnitt können Betriebe ihren GeschĂ€ftsbetrieb bei einem kompletten Internetausfall nur 20 Stunden aufrechterhalten. Besonders erschreckend: 21 Prozent der Firmen sind sofort handlungsunfĂ€hig, sobald die Verbindung reiĂt.
Die Angst vor gezielten Angriffen ist groĂ. 74 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer erhöhten Gefahr durch Sabotage und hybride Bedrohungen. Noch kritischer sehen sie die staatliche Vorbereitung: 73 Prozent halten Deutschland fĂŒr unzureichend auf groĂflĂ€chige Störungen vorbereitet. Als besonders verwundbar gilt mit 90 Prozent die Energieversorgung.
Immerhin: 61 Prozent der Betriebe haben den IT-Schutz auf GeschĂ€ftsfĂŒhrungsebene verankert. Doch bei der SelbsteinschĂ€tzung herrscht Skepsis. Kein einziges Unternehmen fĂŒhlt sich âsehr gutâ auf einen langfristigen Ausfall vorbereitet. Immerhin planen 37 Prozent, ihre Investitionen in die IT-Vorsorge zu erhöhen.
NIS2 und TISAX erhöhen den Druck
Die europĂ€ische NIS2-Richtlinie und ihre nationale Umsetzung im BSI-Gesetz verschĂ€rfen die Anforderungen massiv. Besonders das Gesundheitswesen â nun als âwesentliche Einrichtungâ eingestuft â unterliegt strengen Meldeverpflichtungen.
Ein Sicherheitsvorfall gilt als erheblich, wenn er zu schweren Betriebsstörungen, finanziellen Verlusten ab 500.000 Euro oder SchĂ€den fĂŒr Dritte fĂŒhrt. Die erste Meldung ans BSI muss dann innerhalb von 24 Stunden ĂŒber das Melde- und Informationsportal (MIP) erfolgen. Das zwingt Organisationen zur Professionalisierung ihrer Incident-Response-Prozesse.
Auch die Automobilindustrie steht unter Zugzwang. Seit April 2024 ist der PrĂŒfkatalog VDA ISA 6.0 verbindlich. Das dazugehörige TISAX-Verfahren wĂ€chst jĂ€hrlich um 18 Prozent â ĂŒber 9.500 aktive Labels gibt es mittlerweile. Die Neuerung bringt das Label âVerfĂŒgbarkeitâ und fĂŒnf neue Controls fĂŒr Incident-Management und Business Continuity. Zudem wurde die Norm ISA/IEC 62443-2-1 fĂŒr OT integriert.
FĂŒr viele Zulieferer ist die Zertifizierung der SchlĂŒssel zum Markt. Die Kosten variieren: FĂŒr Assessment Level 2 (AL2) fallen 8.000 bis 15.000 Euro an, fĂŒr Level 3 (AL3) 18.000 bis 35.000 Euro. Rund 75 Prozent der Anforderungen decken sich mit ISO 27001.
Von Backups zu unsichtbaren Daten
Ransomware-Angreifer zielen zunehmend auf Backup-Infrastrukturen. Ihr Ziel: die Wiederherstellung verhindern und den Druck bei Lösegeldforderungen erhöhen. Die Antwort der Branche: âunsichtbare Datenâ. Experten setzen auf logisch isolierte und verdeckte Backups als letzte Verteidigungslinie. Denn automatisierte Schadsoftware findet sichtbare Systeme im Netzwerk schnell.
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Parallel dazu verĂ€ndert sich die Sicherheitsstrategie in industriellen Umgebungen. Weg vom klassischen Perimeterschutz mit Firewalls, hin zu identitĂ€tsbasierter Kommunikation. Hier steuert eine Public Key Infrastructure (PKI) den Datenverkehr. Jeder Zugriff erfordert einen kryptographischen Nachweis â ein Paradigmenwechsel fĂŒr vernetzte Produktionsanlagen.
Die Sicherheitsausgaben steigen weltweit. IDC prognosticiziert fĂŒr 2025 ein Wachstum von 12,2 Prozent. Das Geld flieĂt verstĂ€rkt in Resilienz-Technologien. Im Gesundheitswesen reichen die Fördermittel aus dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) laut Branchenberichten jedoch nicht aus, um die chronischen Defizite zu beheben.
Zehn Milliarden fĂŒr den Zivilschutz
Die Bundesregierung reagiert auf die Bedrohungslage. Ein am 24. Mai 2026 vorgestelltes Eckpunktepapier des BMI sieht ein Zehn-Milliarden-Programm vor. Die Mittel sollen in SchutzrĂ€ume, moderne Warnsysteme und Hilfsorganisationen flieĂen. Doch die PlĂ€ne stoĂen auf lokaler Ebene auf Widerstand. FĂŒr den 22. Juni ist ein kommunaler Protesttag angekĂŒndigt â StĂ€dte und Gemeinden sehen Herausforderungen bei der Umsetzung.
Die Nachfrage nach Weiterbildung im Bereich IT-Sicherheit und Notfallmanagement steigt. Heise Online bietet zwischen Juni und November mehrtĂ€gige Schulungen zu BCM und IT-Notfallplanung an. Schwerpunkte: Risikoidentifikation, Aufbau einer Notfallorganisation und WiederanlaufĂŒbungen.
Auch KI-gestĂŒtzte Methoden gewinnen an Bedeutung. Workshops im Juni, August und November 2026 behandeln KI-basierte Schwachstellenanalyse und Bedrohungserkennung. FĂŒr Webentwickler gibt es spezialisierte Fortbildungen zu OWASP Top 10, Injection-Angriffen und Cross-Site Scripting (XSS).
Fazit: IT-Notfallplanung wird zur Ăberlebensfrage
Die Kombination aus wachsender Bedrohung und verschĂ€rfter Regulierung zwingt Unternehmen zum Umdenken. IT-Notfallplanung ist kein reines IT-Thema mehr â sie wird zur GeschĂ€ftsstrategie. Die Bitkom-Studie zeigt: Viele Betriebe stehen hier noch am Anfang.
Technologische Innovationen wie identitĂ€tsbasierte Sicherheit und isolierte Backups bieten neue Schutzmöglichkeiten. Doch die Umsetzung bleibt eine finanzielle und organisatorische Herausforderung. Ob die geplanten Investitionen ausreichen, um die digitale Resilienz nachhaltig zu stĂ€rken, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Der Druck durch NIS2 und die neuen TISAX-Standards dĂŒrfte dabei als Katalysator wirken.
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