Tote BriefkÀsten im Netz: ESET deckt neue Tricks russischer Cyberspione auf
25.06.2026 - 11:45:00 | pressetext.deWenn Russland feiert, ruhen die Angriffe
Ein Detail aus der ESET Telemetrie ist besonders aufschlussreich: Gamaredon entwickelte und aktualisierte seine Schadprogramme auffÀllig hÀufig in den Tagen vor wichtigen russischen und auf der Krim begangenen Feiertagen. WÀhrend und unmittelbar nach diesen Tagen jedoch ruhte die Entwicklung.
"Dieses Muster spricht stark dafĂŒr, dass es sich bei den Gamaredon-Operatoren um Mitarbeiter mit Behördenbezug handelt", sagt ESET Forscher ZoltĂĄn RusnĂĄk, der die Gruppe untersucht. "Die Gruppe legte zu Jahresbeginn eine kurze Pause ein und steckte einen GroĂteil ihrer Energie in die Entwicklung neuer Werkzeuge."
Das Ziel der Angreifer blieb 2025 unverĂ€ndert: Sie hatten es ausschlieĂlich auf ukrainische Regierungs- und MilitĂ€reinrichtungen abgesehen, um kritische Informationen abzugreifen, die russischen Interessen im Krieg dienen könnten.
Spionage-Klassiker im neuen Gewand: Tote BriefkÀsten im Netz
Eine der wichtigsten Erkenntnisse betrifft die Tarnung der Angriffsinfrastruktur. Gamaredon nutzt verstÀrkt sogenannte "Dead Drops". Dabei handelt es sich um ein Konzept, das aus der klassischen Spionage stammt: Statt sich direkt zu treffen, hinterlegt ein Agent eine Information an einem unauffÀlligen Ort, ein anderer holt sie spÀter ab.
Im digitalen Raum funktioniert das Ă€hnlich. Statt die Adresse ihres Schadservers direkt in die Software einzubauen, hinterlegen die Angreifer diese auf seriösen, weit verbreiteten Plattformen. Die Schadsoftware ruft dort zunĂ€chst eine harmlos wirkende Seite auf, liest einen versteckten Wert aus und verbindet sich erst dann mit dem eigentlichen Kontrollserver. 2025 missbrauchte Gamaredon dafĂŒr unter anderem Telegram-KanĂ€le, Dropbox sowie soziale Netzwerke wie Mastodon. Der Vorteil fĂŒr die Angreifer: Sicherheitsverantwortliche zögern oft, populĂ€re und legitime Dienste pauschal zu sperren.
Neue Allianz unter russlandnahen Gruppen
ESET beobachtete zudem, dass Gamaredon Anfang 2025 mit Turla und Sandworm zusammenarbeitete, einer weiteren russlandnahen Gruppe, die ebenfalls mit dem FSB in Verbindung gebracht wird. Solche Kooperationen deuten auf eine zunehmend koordinierte Cyberspionage hin, mit der die beteiligten Gruppen ihre Schlagkraft erhöhen.
LĂŒcke in WinRAR ausgenutzt
Im Herbst 2025 begann die Gruppe auĂerdem, eine Schwachstelle in der weit verbreiteten Pack-Software WinRAR (CVE-2025-8088) auszunutzen, um ihre Schadsoftware automatisch beim nĂ€chsten Anmelden des Opfers zu starten. Insgesamt brachte Gamaredon sechs neue Schadprogramme zum Einsatz und verlagerte den Abfluss gestohlener Daten zunehmend in handelsĂŒbliche Cloud-Speicher â damit verschmilzt der Datendiebstahl optisch mit ganz normalem Datenverkehr.
ESET geht davon aus, dass Gamaredon eine ernstzunehmende Bedrohung fĂŒr ukrainische Einrichtungen bleibt, solange der russische Angriffskrieg andauert.
Weitere Details liefern der neue ESET-Blogpost "Gamaredon in 2025: Einsatz von Tunneln, Arbeitern, geheimen Ăbergabeorten und neuen Allianzen ( https://www.welivesecurity.com/de/eset-research/gamaredon-in-2025-einsatz-von-tunneln-arbeitern-geheimen-ubergabeorten-und-neuen-allianzen )" auf WeLiveSecurity.com sowie das ESET-Whitepaper "Cyberespionage the Gamaredon way ( https://web-assets.esetstatic.com/wls/en/papers/white-papers/cyberespionage-gamaredon-way.pdf )".
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