Jo-Jo-Effekt, Studie

Jo-Jo-Effekt: Neue Studie widerlegt Mythos der schnellen Diät

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 17:32 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Forschung zeigt: Radikale Diäten führen nicht zwangsläufig zum Jo-Jo-Effekt. Entscheidend ist die langfristige Begleitung.

Jo-Jo-Effekt: Neue Studien widerlegen alte Diät-Mythen
Jo-Jo-Effekt - Eine stilisierte menschliche Silhouette mit stabilen, leuchtenden Linien, die den Stoffwechsel und langfristige Stabilität symbolisieren. 09.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Forschungsergebnisse rütteln an jahrzehntealten Annahmen.

Langfristiger Erfolg trotz radikaler Diät

Auf dem Europäischen Kongress für Adipositas in Istanbul sorgte eine norwegische Studie für Aufsehen. Forscher des Vestfold Hospital Trust untersuchten 284 Erwachsene mit Adipositas. Eine Gruppe nahm über acht Wochen weniger als 1.000 Kilokalorien pro Tag zu sich, die andere ein moderateres Defizit von rund 1.400 Kilokalorien.

Die Ergebnisse nach vier Monaten: Die schnelle Gruppe verlor durchschnittlich 13 Prozent ihres Ausgangsgewichts, die langsame Gruppe 8 Prozent. Nach einem Jahr lagen die Werte bei 14,4 beziehungsweise 10,5 Prozent. „Wir konnten keinen verstärkten Jo-Jo-Effekt bei der radikaleren Diät beobachten", sagt Studienleiterin Dr. Line Kristin Johnson. Entscheidend sei weniger die Geschwindigkeit als die langfristige Begleitung.

Das Gedächtnis der Fettzellen

Bleibt die Frage: Warum nehmen so viele Menschen nach einer Diät wieder zu? Forscher der ETH Zürich fanden eine mögliche Erklärung. Fettzellen bewahren ein epigenetisches Gedächtnis an das Übergewicht. Chemische Markierungen auf der DNA bleiben mindestens zwei Jahre nach Gewichtsverlust bestehen. Hinzu kommen hormonelle Anpassungen: Der Leptinspiegel sinkt, der Ghrelinwert steigt – beides fördert die erneute Gewichtszunahme.

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung ordnet den Jo-Jo-Effekt medizinisch neu. Ein zeitweises Auf und Ab des Gewichts sei nicht schädlicher als dauerhaftes Übergewicht. Frühere Annahmen über negative Folgen wiederholter Diäten ließen sich oft auf unberücksichtigte Vorerkrankungen zurückführen. Zur Vorbeugung raten Mediziner zu ausreichender Eiweißzufuhr und regelmäßiger Bewegung.

Medikamente: Wirksam, aber nicht ohne Nebenwirkungen

Parallel zur Ernährungsforschung gewinnen GLP-1-Rezeptoragonisten an Bedeutung. Eine Meta-Analyse im Fachmagazin BMJ wertete 262 klinische Studien mit rund 100.000 Teilnehmern aus. Die wirksamsten Präparate:
- Tirzepatid: 14,9 Prozent Gewichtsverlust nach einem Jahr
- CagriSema: 14,8 Prozent Reduktion
- Semaglutid (injizierbar): 9,8 Prozent Gewichtsverlust

Semaglutid zeigte zudem kardiovaskuläre Vorteile: Die Sterblichkeit sank um 19 Prozent, Herzinfarkte reduzierten sich um 28 Prozent. Allerdings: Trotz des Gewichtsverlusts war nach einem Jahr keine klinisch relevante Verbesserung der Lebensqualität messbar. Und: Stärkerer Gewichtsverlust bedeutet häufig mehr Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden.

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Für die Zukunft zeichnen sich neue Darreichungsformen ab. Der EMA-Ausschuss CHMP empfahl Ende Mai die Zulassung von Semaglutid als Tablette. In Studien erzielte sie rund 14 Prozent Gewichtsverlust über 64 Wochen. Für das dritte Quartal ist zudem ein höher dosierter Einzeldosis-Pen für Tirzepatid angekündigt.

Qualitätsprobleme bei Abnehm-Shakes

Wer auf Mahlzeitenersatzprodukte setzt, sollte genau hinschauen. Die Stiftung Warentest testete Anfang 2026 zwanzig gängige Abnehmshakes. Nur zwei Produkte erhielten die Note „Gut": ein Fertigdrink von Nestlé Optifast und ein Shake von Layenberger.

Kritik gab es vor allem an Schadstoffen. In mehreren Produkten fanden die Tester Chlorat, Mineralölkohlenwasserstoffe oder Aluminium. Zudem fielen einige Anbieter durch Mogelpackungen mit geringen Füllmengen oder künstliche Aromen auf.

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Intervallfasten: Weniger Kontrollaufwand, gleiche Wirkung

Abseits von strengen Kalorienvorgaben gewinnt intermittierendes Fasten an Bedeutung. Eine 18-monatige Studie der University of Adelaide mit über 200 Teilnehmern verglich Fasten an drei Tagen pro Woche mit kontinuierlicher Kalorienrestriktion. Beide Methoden führten nach sechs Monaten zu einem vergleichbaren Gewichtsverlust von rund sieben Kilogramm.

Die Fasten-Gruppe berichtete jedoch über einen geringeren subjektiven Kontrollaufwand im Alltag. Forscher betonen: Die Methode sollte individuell auf die Lebensumstände abgestimmt werden. Über alle Ansätze hinweg gelten ausreichende Proteinzufuhr und Krafttraining als essenziell für den langfristigen Erfolg.

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