Kaffee im Alter: Levothyroxin kann die Aufnahme des Medikaments beeinträchtigen
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 12:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die gesundheitliche Wirkung und Verträglichkeit von Kaffee bei älteren Menschen stehen zunehmend im Fokus wissenschaftlicher und medizinischer Berichte. Wie gut das Heißgetränk im fortgeschrittenen Lebensalter vertragen wird, hängt maßgeblich von der konsumierten Menge, dem Zeitpunkt des Konsums sowie von möglichen Wechselwirkungen mit verordneten Medikamenten ab.
Koffeinabbau und Einfluss auf das Schlafverhalten
Koffein passiert die Blut-Hirn-Schranke rasch. Die spürbare Wirkung setzt gewöhnlich innerhalb von 15 bis 30 Minuten nach dem Verzehr ein und hält über mehrere Stunden an.
Bei gesunden Erwachsenen liegt die durchschnittliche Halbwertszeit häufig bei etwa vier bis sechs Stunden, wobei der Abbau und die Ausscheidung über den Urin im Schnitt etwa vier Stunden beanspruchen. Dieser Prozess wird maßgeblich von genetischen Veranlagungen, der individuellen Leberfunktion und parallelen Medikamenteneinnahmen beeinflusst.
Auswirkungen auf die Nachtruhe sind dabei gut dokumentiert. Eine Schlaflaborstudie der Universität Montreal aus dem Jahr 2025 untersuchte 40 gesunde Erwachsene beim Vergleich von 200 Milligramm Koffein mit einem Placebo.
Die Forschenden stellten eine veränderte Hirnaktivität im Non-REM-Schlaf fest. Im REM-Schlaf zeigten sich Altersunterschiede: Die Effekte fielen bei Probanden im Alter von 20 bis 27 Jahren ausgeprägter aus als bei Personen zwischen 41 und 58 Jahren.
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Menschen im Pensionsalter waren in dieser Versuchsreihe allerdings nicht vertreten. Bei auftretenden Ein- oder Durchschlafproblemen raten Fachleute Betroffenen zur Orientierung, versuchsweise acht bis neun Stunden vor dem Zubettgehen auf koffeinhaltige Getränke zu verzichten.
Magenverträglichkeit, Nährstoffaufnahme und Medikamente
Kaffee regt die körpereigene Salzsäureproduktion im Magen an und kann die Magenschleimhaut reizen, was Sodbrennen, Magenschmerzen oder Durchfall begünstigen kann. Auf den Gesamtorganismus wirkt das Getränk hingegen eher basisch. Zudem kann Kaffee den Blutdruck kurzfristig ansteigen lassen und den Harndrang intensivieren.
Hinsichtlich des Flüssigkeitshaushalts betonen Gesundheitsexperten von Krankenversicherungen jedoch, dass die Urinproduktion zwar kurzfristig angekurbelt werde, der tatsächliche Flüssigkeitsverlust jedoch nicht über dem anderer Getränke liege. Ein verpflichtendes Glas Wasser zu jeder Tasse sei aus physiologischer Sicht daher nicht erforderlich.
Besondere Vorsicht gilt bei der Nährstoffaufnahme und Pharmakotherapie. Kaffee enthält Gerbstoffe, die Kalzium und Eisen binden können. Nach Einschätzung von Ernährungswissenschaftlern ist dieser Effekt insbesondere für ältere Menschen sowie für Personen mit vegetarischer oder veganer Ernährungsweise relevant.
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Ein Glas Fruchtsaftschorle oder frisches Obst am Morgen kann die Eisenresorption unterstützen. Zudem sind arzneimittelbezogene Wechselwirkungen zu beachten: So kann der Kaffeegenuss unter anderem die Aufnahme des Schilddrüsenmedikaments Levothyroxin beeinträchtigen.
Richtwerte und schrittweise Anpassung
Behörden wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stufen für gesunde Erwachsene Einzeldosen von bis zu 200 Milligramm Koffein sowie über den Tag verteilte Mengen von bis zu 400 Milligramm als unbedenklich ein.
Letzteres entspricht in etwa zwei bis vier Tassen Filterkaffee à 355 Milliliter. Diese Werte stellen jedoch keine generelle Zielmenge dar und gelten ausdrücklich nicht pauschal bei bestehenden Erkrankungen oder medikamentösen Wechselwirkungen.
Viele Fachleute bewerten den Konsum von ein bis vier Tassen am Tag als sicher. Wer seinen Kaffeekonsum reduzieren möchte, sollte dies schrittweise tun.
Bei einem abrupten Verzicht können nach 12 bis 24 Stunden Entzugserscheinungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit oder Ängstlichkeit auftreten, die gewöhnlich zwei bis neun Tage anhalten. Ein gelungener Verzicht oder eine Dosisreduktion kann im Gegenzug zu weniger Nervosität und einer verbesserten Schlafqualität führen.
