Kaffee, Alzheimer

Kaffee und Alzheimer: Drei bis fĂĽnf Tassen senken das Risiko nicht nachweislich

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 07:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschung untersucht Kaffee und kognitive Gesundheit; ein Schutz vor Alzheimer ist bislang nicht wissenschaftlich belegt.
Eine Tasse schwarzer Kaffee und Teeblätter auf einem schlichten Holztisch bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Frage, inwieweit die Ernährung und alltägliche Genussmittel die kognitive Gesundheit im Alter beeinflussen können, beschäftigt die neurologische Forschung seit Jahren. Berichten der britischen Organisation Alzheimer's Research UK und der Daily Mail zufolge steht die These im Raum, dass ein Konsum von drei bis fünf Tassen Kaffee täglich das Risiko für Alzheimer verringern könnte.

Simon Ridley von Alzheimer's Research UK betonte diesbezüglich jedoch, dass ein solcher protektiver Effekt bislang nicht wissenschaftlich bestätigt sei und es für belastbare Aussagen weiterer klinischer Studien bedürfe.

Mechanismen im Gehirn und experimentelle Befunde

Hintergrund der wissenschaftlichen Debatte sind unter anderem Daten, die das Coffee Science Information Centre – getragen von den Unternehmen illycaffe, Nestlé und DE Master Blenders – auf dem Jahreskongress von Alzheimer's Europe in Glasgow vorlegte. Diesen Angaben zufolge könnten im Kaffee enthaltene Polyphenole und Koffein Entzündungsprozesse dämpfen und die Zellalterung im Gehirn verlangsamen.

Ergänzende Hinweise auf biologische Mechanismen liefern tierexperimentelle Arbeiten aus den USA. An der School of Medicine and Health Sciences der University of North Dakota zeigte sich, dass eine dosis von 3 mg Koffein pro Tag – was bezogen auf das Körpergewicht etwa einer Tasse Kaffee für eine durchschnittlich große Person entspricht – bei Kaninchen nach zwölf Wochen cholesterinreicher Fütterung die Blut-Hirn-Schranke vor Schäden durch Cholesterin schützte.

Auch die Forscher dieser Studie hielten fest, dass darin kein Nachweis für eine Verhinderung von Alzheimer liege, moderater Kaffeegenuss aber als Bestandteil eines gesunden Lebensstils wirken könne. Am National Institute of Environmental Health Sciences wurde zudem beobachtet, dass Koffein die neuronale Aktivität im Bereich CA2 des Hippocampus von Mäusen steigert, was als ein möglicher Mechanismus für verbesserte Lernprozesse diskutiert wird.

Darmmikrobiom und Richtwerte fĂĽr den Konsum

Neben direkten Effekten auf Nervenzellen rückt auch die Darm-Hirn-Achse in den Fokus. John Cryan vom University College Cork untersuchte die Auswirkungen von Kaffeekonsum auf die Darmflora. Dabei zeigten sich Veränderungen der Mikrobiota sowohl bei koffeinhaltigem als auch bei entkoffeiniertem Kaffee, was auf die Wirkung der Polyphenole zurückgeführt wird.

In kognitiven Tests schnitten Probanden mit entkoffeiniertem Kaffee bei Gedächtnis- und Lernaufgaben wie dem Erinnern von Wörtern besser ab, während die koffeinhaltige Variante mit geringerem Unwohlsein und besseren Werten bei Aufmerksamkeitstests einherging.

Da lediglich 31 Kaffeetrinker die entsprechende Phase der Untersuchung abschlossen, lässt sich daraus kein pauschaler Vorzug für eine der beiden Varianten ableiten.

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Auf breiterer Datenbasis beschrieb eine Publikation im Fachjournal Nature Microbiology aus dem Jahr 2024 anhand von 22.867 Teilnehmenden aus 211 Kohorten, dass das Bakterium Lawsonibacter asaccharolyticus bei Kaffeekonsumenten 4,5- bis 8-mal häufiger im Darm nachweisbar ist.

Unabhängig von potenziellen Vorteilen gelten für den Koffeinkonsum anerkannte Sicherheitsgrenzen: Für gesunde Erwachsene wird eine Aufnahme von bis zu 400 mg Koffein pro Tag als unbedenklich eingestuft, während für Schwangere ein Richtwert von maximal 200 mg täglich gilt.

Globale Dimension und komplexe Risikofaktoren

Die Suche nach präventiven Ansätzen gewinnt vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen an Dringlichkeit. Prognosen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehen davon aus, dass sich die weltweiten Alzheimer-Fälle bis zum Jahr 2050 verdoppeln werden; derzeit leben global rund 26 Millionen Menschen über 65 Jahren mit dieser Diagnose.

Allein in GroĂźbritannien sind laut Alzheimer's Research UK etwa 850.000 Menschen von Demenzerkrankungen betroffen, wovon Alzheimer einen Anteil von 60 Prozent ausmacht.

Gleichzeitig verweisen Fachleute darauf, dass Demenzerkrankungen multifaktoriell bedingt sind. Eine Arbeitsgruppe der Mayo Clinic in Florida unter Leitung der Neurologin Dr. Nilüfer Ertekin-Taner untersuchte Gehirngewebe von Hunderten Alzheimer-Patienten auf epigenetische Veränderungen.

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Die Wissenschaftler identifizierten Veränderungen, die mit dem Tau-Protein und Oligodendrozyten in Verbindung stehen, und stellten ein entsprechendes Datenwerkzeug bereit. Ertekin-Taner hob hervor, dass das Alter der größte Risikofaktor für Alzheimer sei, genetische Veranlagungen sowie Umwelt- und Lebensstilfaktoren die Entstehung der Demenz jedoch maßgeblich mitbestimmen.

Einzelne Nährstoffe scheinen dabei begrenzt wirksam zu sein: So fand eine Analyse der Duke University keine starke Evidenz dafür, dass die Einnahme von Vitamin B6, B12 oder Folat die Gehirnfunktion signifikant verbessert.

Faktoren wie kognitive Reserven bleiben dennoch relevant; eine Studie von Ellen Bialystok an der York University mit 184 Alzheimer-Patienten in Toronto zeigte etwa, dass zweisprachige Patienten erste Demenzsymptome im Schnitt mit 75,5 Jahren entwickelten – vier Jahre später als einsprachige Vergleichspersonen mit einem Durchschnittsalter von 71,4 Jahren.

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