Kampfer und Menthol: Lösungsmittel bringt Kurkumin in ein neues Emulgel
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer pflanzliche Wirkstoff Kurkumin gilt in der Pharmazie seit Langem als vielversprechender Kandidat zur Behandlung von Entzündungsprozessen, leidet jedoch unter einer ausgeprägt geringen Wasserlöslichkeit und schwachen Bioverfügbarkeit.
Um diese Hürden bei der Wundbehandlung zu überwinden, berichten Forschende über die Entwicklung eines speziellen Kurkumin-Emulgels namens Cur-EMG-T-7. Wie das Fachportal bioengineer.org in einem Bericht vom 29.10.2026 zusammenfasste, nutzt das System ein tief eutektisches Lösungsmittel auf natürlicher Basis, um den Transport des Wirkstoffs ins Gewebe maßgeblich zu verbessern. Die zugrunde liegenden Resultate wurden im Fachjournal Discover Pharmaceutical Sciences im Jahr 2026 veröffentlicht.
Physikalische Eigenschaften und verbesserte Wirkstoffbeladung
Traditionell stellt die Galenik von Kurkumin eine Herausforderung dar: Die Löslichkeit der Substanz in reinem Wasser liegt bei lediglich 7,80 µg/ml, während die Bioverfügbarkeit mit 0,051 µg/l beziffert wird. Für die Formulierung Cur-EMG-T-7 setzten die Wissenschaftler daher auf ein eutektisches System aus Kampfer und Menthol im Verhältnis 1:1 (CM-NADES). Dieses Lösungsmittelsystem ermöglichte eine Aufnahme von 22 mg Kurkumin pro g Formulierung.
Das resultierende Emulgel wies einen pH-Wert von 5,25 ± 0,19 auf und bewegte sich in einem Viskositätsbereich zwischen 32.560 und 51.537 cP. Diese Parameter sind für topische Darreichungsformen von Bedeutung, um ein adäquates Auftragen auf die betroffenen Hautareale zu ermöglichen.
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Freisetzungsprofil und Permeation im Gewebe
In Laborversuchen überprüften die Autoren das Freisetzungsverhalten und die Hautgängigkeit des Präparats. Bei der Untersuchung in der Franz-Zelle bei einem pH-Wert von 5,5 lag die Wirkstofffreisetzung nach 24 h bei 22,42 ± 1,78 %.
Für die ex-vivo durchgeführte Permeation an der Haut von Schweineohren ergab sich nach 24 h ein Wert von 3,70 ± 0,14 % bei einem Fluss von 0,00666 mg/cm²/h. Auch in puncto Lagerfähigkeit zeigte sich die Formulierung robust: Unter beschleunigten Testbedingungen über einen Zeitraum von 6 Monaten bei 40 °C und 75 % relativer Feuchte (rF) behielt das Präparat einen pH-Wert von 4,95 und wies einen Kurkumin-Gehalt von 98,3 % auf.
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Beobachtungen im Tiermodell und methodische Grenzen
Die Wirksamkeit bei der Wundkontraktion untersuchte das Forschungsteam in einer In-vivo-Studie an Wistar-Ratten mit einem Körpergewicht von 150–200 g. Im Rahmen des Versuchsdesigns mit n=16 Tieren, die auf 4 Gruppen aufgeteilt wurden, zeigte die Formulierung eine deutliche Geweberegeneration.
Am Tag 12 der Behandlung erreichte die Gruppe mit Cur-EMG-T-7 eine Wundkontraktion von 64,67 ± 3,10 %, während die Vergleichsgruppe unter Behandlung mit dem Standardtherapeutikum Povidon-Iod einen Wert von 68,32 ± 2,98 % verzeichnete.
Bis zum Tag 20 führte die Anwendung des Kurkumin-Emulgels zu einer vollständigen Wundschließung, wohingegen die unbehandelte Kontrollgruppe lediglich eine Kontraktion von 55,46 ± 5,14 % aufwies.
Trotz der gemessenen Effekte auf entzündliche Wundflächen mahnt der Versuchsaufbau zur Einordnung: Die Datenbasis stützt sich auf eine kleine Tierversuchsreihe an Ratten; klinische Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit am Menschen liegen bislang nicht vor.
