GPS und KI: Wie viel Hightech braucht meine Mieze?
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 04:30 Uhr | dpa.deSchrittzĂ€hler am Arm, Blutdruck-App am Finger, Heizung per Sprachbefehl â gibt es bald auch die digital ĂŒberwachte «smart cat»? Das Internet ist voll von Angeboten fĂŒr intelligente TĂŒrklappen, GPS-Tracker, Futterautomaten und Bezahl-Apps. Und Katzen sind mit Abstand die beliebtesten Haustiere in Deutschland, ihre Zahl wird auf rund 15 Millionen geschĂ€tzt. Was kann Hightech fĂŒr Samtpfoten â und ist das sinnvoll? Ein kleiner Check anlĂ€sslich des Weltkatzentages am 8. August.
Ortung per GPS-Tracker umstritten
Viele Halter kennen die bangen Stunden, wenn ihre FreigĂ€nger-Fellnase nicht zur gewohnten Zeit nach Hause kommt. Wo ist sie, ist ihr etwas passiert? Die Tech-Industrie bietet fĂŒr diese Unsicherheit Tracker an. Die GPS-GerĂ€te an einem Halsband sind etwa halb so groĂ wie eine Streichholzschachtel. Miezes Rundgang durch ihr Revier lĂ€sst sich so per Handy oder Computer verfolgen.
Der Deutsche Tierschutzbund hÀlt jedoch gar nichts von den GPS-Trackern. «Bei HalsbÀndern besteht ein erhöhtes Verletzungsrisiko. Katzen können beim Klettern daran hÀngenbleiben», sagt Sprecherin Nadia Wattad.
Wissenschaftliche Studien aus Skandinavien fanden heraus, dass die meisten Katzen sich ohnehin selten sehr weit von ihrem Zuhause entfernen. In einer dĂ€nischen einwöchigen Untersuchung verbrachten die Tiere im Schnitt 5 Stunden drauĂen und liefen dabei rund 2,4 Kilometer. Dabei durchstreiften sie in etwa eine FlĂ€che in der GröĂe von fĂŒnf FuĂballfeldern.Â
Schmerzerkennung per KI?Â
Zu dieser Frage hat die TierĂ€rztliche Hochschule Hannover zusammen mit der UniversitĂ€t Tel Aviv vor drei Jahren eine Studie aufgesetzt. Speziell fĂŒr Samtpfoten trainierten die Forschenden zwei unterschiedliche KI-basierte Modelle. Damit wollten sie testen, ob KĂŒnstliche Intelligenz am Gesichtsausdruck von Katzen Schmerzen ablesen kann.
«Das ist in der Tiermedizin schon fĂŒr Menschen nicht einfach», erlĂ€utert Wissenschaftlerin Sabine KĂ€stner im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Denn Katzen verstecken Schmerzen, um nicht schwach zu wirken.» Sie seien zwar Beutegreifer, aber sie könnten auch zur Beute von anderen Tieren werden. «Deshalb verkriechen sie sich bei Schmerzen auch vor Menschen, entweder drauĂen oder etwa unter dem Bett.»
Mensch oder Maschine â wer ist besser bei der Diagnose?Â
Dennoch gebe es im eher unbeweglichen Gesichtsausdruck einer Katze Anhaltspunkte, die auf Unwohlsein oder Schmerzen hindeuten können: die Stellung der Ohren, die Augenpartie und auch die Mimik rund um das MÀulchen.
Wer war im Ergebnis erfolgreicher bei der Schmerzerkennung â die KI oder TierĂ€rztin und Tierarzt? «Das können wir bisher nicht sagen», sagt Forscherin KĂ€stner. Die KI sei von ihren messbaren Trefferquoten her nicht besser gewesen als der Mensch. «Doch ein Riesenvorteil von KI ist, dass sie keine schlechten Tage hat wie wir», sagt TierĂ€rztin KĂ€stner. Und nicht jeder VeterinĂ€r sei ein Katzenspezialist.Â
Apps mit Gesichtserkennung sollen unterstĂŒtzen
Das Wissen um visuelle Merkmale von Schmerzen bei Katzen hat inzwischen Einzug bei Bezahl-Apps gefunden. HĂ€lt KĂ€stner es fĂŒr sinnvoll, wenn damit der Gesichtsausdruck der Tiere fotografiert wird? «Wenn Katzen merken, dass wir sie beobachten und dann noch mit einem Smartphone vor ihrer Nase herumfuchteln, kann allein das schon von Schmerzen ablenken», sagt die TierĂ€rztin.
Hilfreich sei deshalb eher eine Serie von Fotos ĂŒber einem lĂ€ngeren Zeitraum â aber nicht als einziges Kriterium. Erfahrene Halter wĂŒrden ihre Miezen oft so gut kennen, dass sie eine verĂ€nderte Mimik und VerhaltensĂ€nderungen wie Verkriechen, eine niedrige Kopfhaltung oder mangelnden Hunger auch ohne technische Hilfe bemerkten.Â
Hightech bei der Katzenklappe und am Futterplatz
Manche FreigĂ€nger-Katzen tragen, tiermedizinisch unbedenklich, einen Mini-Chip mit Informationen ĂŒber ihr Zuhause unter der Haut, falls sie verloren gehen. Auch smarte Katzenklappen können diese Chips lesen. Nur das eigene Tier hat so Zuhause Zutritt. Manche Klappen mit Kameras verriegeln den Eingang, wenn die Mieze Beute im Maul trĂ€gt.
Smarte Futterautomaten helfen, das ErnĂ€hrungsmanagement zu verbessern. Ăberdies können Webcams Stubentiger im Visier haben. Das alles schade Katzen nicht, heiĂt es beim Tierschutzbund. «Klar ist aber auch, dass technische Hilfsmittel eine verantwortungsvolle Tierhaltung nicht ersetzen können», betont Sprecherin Wattad. Denn auch Hauskatzen werden nicht gern alleingelassen.Â
Wachstumsmarkt vermutetÂ
Nach den jĂŒngsten Zahlen des Branchenverbands der digitalen Wirtschaft, Bitkom, hatten 2024 rund vier Prozent der BundesbĂŒrger intelligente Haustier-Tools im Einsatz. GrundsĂ€tzlich sei anzunehmen, dass â wie beim Menschen â ein Trend zur zunehmenden Technisierung und Datenerfassung auch den Heimtierbereich erfasse, heiĂt es beim Tierschutzbund.
Die Versprechen der Werbung sind dabei beinahe grenzenlos und reichen von selbstreinigenden Katzentoiletten bis hin zu und Miau-Apps fĂŒr eine bessere Kommunikation mit den Vierbeinern.
Der Tierschutzbund ordnet ein: «Technologien sind abzulehnen, wenn sie dem Tier schaden. Akzeptabel, wenn sie lediglich dem Menschen nutzen, ohne das Tier zu beeintrÀchtigen. Und sinnvoll, wenn sie nachweislich dem Tierwohl dienen», sagt Wattad.
