Kartoffelernte: Preise schießen auf 240 Euro pro Tonne hoch
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 14:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die landwirtschaftlichen Erträge in Deutschland und Teilen Europas bleiben im Jahr 2026 hinter den Erwartungen zurück. Der Deutsche Bauernverband um Verbandspräsident Rukwied warnt vor unterdurchschnittlichen Ernteergebnissen bei zentralen Kulturen wie Getreide, Weizen, Raps, Kartoffeln, Gemüse, Zuckerrüben, Körnermais und Soja.
Insbesondere im Süden des Landes seien regionale Totalausfälle möglich. Trotz der schwierigen klimatischen Bedingungen und der Ertragsrückgänge betont der Deutsche Bauernverband zugleich, dass die grundlegende Lebensmittelversorgung weiterhin gesichert sei.
Erhebliche Einbußen bei Getreide und Soja
Die finanziellen und quantitativen Auswirkungen der diesjährigen Witterung schlagen sich bereits in ersten Schätzungen der Branchenorganisationen nieder. Der Raiffeisenverband beziffert die fehlende Getreidemenge auf rund 3 Millionen Tonnen, was zu geschätzten Einnahmeverlusten von über 600 Millionen Euro für die Betriebe führe.
Neben Getreide steht auch der Anbau von Leguminosen unter Druck. Die Organisation Donau Soja erwartet für die EU-Sojaernte 2026 infolge von Hitze und Trockenheit in Mittel- und Westeuropa lediglich 2,5 bis 2,6 Millionen Tonnen. Dies entspricht einem Rückgang von etwa 10 bis 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wodurch ab Dezember Engpässe drohen könnten.
Deutlicher Rückgang bei der europäischen Kartoffelernte
Besonders deutlich fallen die Ausfälle im Kartoffelanbau aus. Eine Analyse der Organisation ECIU vom 17. September 2026 bestätigt eine deutlich geringere Kartoffelernte in Europa.
Demnach ernten Deutschland, Frankreich, Belgien und die Niederlande zusammen rund 3,1 Millionen Tonnen – bezogen auf das Fünfjahresmittel rund 3,11 Millionen Tonnen – weniger Kartoffeln als üblich. Unter Einbeziehung des Vereinigten Königreichs beläuft sich das Minus auf über 3,5 Millionen Tonnen.
ECIU-Analyst T. Lancaster verweist auf Ertragsrückgänge von teils 20 Prozent und beziffert den finanziellen Gesamtschaden auf 498 bis 818 Millionen Euro, wovon 405 bis 622 Millionen Euro auf die EU und 80 bis 169 Millionen Pfund auf Großbritannien entfallen. Deutschland verzeichnet dabei mit 1,13 Millionen Tonnen das größte absolute Defizit.
Verarbeitungskartoffeln notieren in Deutschland bei rund 240 Euro pro Tonne, nach etwa 30 Euro im Vorjahr — ein Preisschub, der Betriebe vor die Frage stellt, wie sie Erlöse und Risiken planbar machen. Der kostenlose Report ordnet die Marktlage ein und zeigt konkrete Hebel zur Preissicherung bei Agrarrohstoffen. Kostenlosen Agrar-Report anfordern
Auch Erhebungen der Nordwesteuropäischen Kartoffelerzeuger (NEPG) spiegeln die Entwicklung wider. Die NEPG-Schätzung beziffert das Produktionsvolumen der vier kontinentalen Länder auf rund 20,7 Millionen Tonnen, nachdem im Jahr 2025 noch 27,3 bis 27,75 Millionen Tonnen erzielt wurden.
Das ECIU rechnet mit einer Spanne von 19,5 bis 20,5 Millionen Tonnen. Laut NEPG sank die Anbaufläche um 13,7 Prozent von 604.000 auf 521.500 Hektar, während der Durchschnittsertrag bei rund 40,5 Tonnen pro Hektar liege – etwa 14 Prozent unter dem Vorjahr und dem Fünfjahresschnitt.
Aufgeschlüsselt entfallen davon 7,55 Millionen Tonnen auf Deutschland, 6,49 Millionen Tonnen auf Frankreich, 3,43 Millionen Tonnen auf Belgien sowie 3,23 Millionen Tonnen auf die Niederlande. Für Frankreich bedeute dies mit Ausnahme von 2022 die niedrigste Erntemenge seit 30 Jahren.
Expana-Analyst Craig Elliott führt diesen Umschwung von einer Rekordernte zu einem Rekordtief auf fünf aufeinanderfolgende Hitzewellen zurück. Die Verknappung wirkt sich spürbar auf die Preise aus: In Deutschland kosten Verarbeitungskartoffeln rund 240 Euro pro Tonne, teils werden bis zu 250 Euro erreicht – nach rund 30 Euro im Vorjahr.
Speisekartoffeln notierten zum Saisonauftakt bei 270 bis 280 Euro pro Tonne gegenüber rund 150 Euro im vorherigen Zeitraum. In Frankreich stiegen die Speisekartoffelpreise von 310 auf 520 Euro je Tonne. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die vorhandenen Bestände bis etwa Weihnachten reichen.
Forderungen der Verbände und agrarpolitische Debatte
Angesichts der Ertragsausfälle fordert der Deutsche Bauernverband konkrete Entlastungen für die Betriebe. Dazu zählen eine EU-Düngemittelbeihilfe, vorgezogene Direktzahlungen, eine Absenkung der Agrardieselsteuer bis Ende November sowie die Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage.
Der Deutsche Bauernverband rechnet im Süden mit regionalen Totalausfällen, und der Raiffeisenverband beziffert die Einnahmeverluste beim Getreide auf über 600 Millionen Euro. Wer sein Betriebsergebnis gegen solche Schläge absichern will, findet im Leitfaden eine Checkliste zu EU-Düngemittelbeihilfe, vorgezogenen Direktzahlungen und steuerfreier Risikoausgleichsrücklage. Leitfaden zur Risikoabsicherung jetzt sichern
Parallel dazu haben 14 Branchenverbände eine gemeinsame Petition an die Bundesregierung unter dem Titel „Damit regionale Lebensmittel Zukunft haben“ initiiert, um unter anderem verlässliche und wissenschaftsbasierte Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel einzufordern.
