Keyless-Go-DiebstÀhle, Delaware

Keyless-Go-DiebstÀhle: Delaware verbietet ManipulationsgerÀte

16.05.2026 - 09:34:05 | boerse-global.de

Delaware stellt Besitz von ManipulationsgerĂ€ten fĂŒr Keyless-Systeme unter Strafe. Europa verschĂ€rft Regeln, doch viele Fahrzeuge bleiben verwundbar.

Keyless-Go-DiebstĂ€hle: Delaware verbietet ManipulationsgerĂ€te - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Keyless-Go-DiebstĂ€hle: Delaware verbietet ManipulationsgerĂ€te - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Der House Bill 351 stellt den Besitz und Verkauf von GerÀten zur Umgehung von Keyless-Go-Systemen unter Strafe.

Das ReprĂ€sentantenhaus verabschiedete die parteiĂŒbergreifende Initiative am Donnerstag einstimmig. Die Abgeordneten Frank Cooke und Darius Brown unterstĂŒtzen das Gesetz, das auf die steigende Zahl digitaler FahrzeugdiebstĂ€hle reagiert. Zwischen 2020 und 2024 stiegen die DiebstĂ€hle in Delaware um 26 Prozent.

Was das Gesetz verbietet

HB 351 kriminalisiert die Herstellung, den Verkauf und den Besitz von GerĂ€ten, die Funksignale von FahrzeugschlĂŒsseln abfangen oder manipulieren. Dazu zĂ€hlen ProgrammiergerĂ€te fĂŒr SchlĂŒssel und Apparaturen fĂŒr sogenannte Relay-Attacken.

Die Strafen sind klar gestaffelt: ErsttĂ€ter zahlen zwischen 29 und 115 US-Dollar oder sitzen bis zu 90 Tage. Bei Wiederholung steigen die Bußgelder auf bis zu 230 US-Dollar, kombiniert mit bis zu sechs Monaten Haft. Wer solche GerĂ€te verliert, muss dies innerhalb von 48 Stunden der Polizei melden. Der Senat von Delaware berĂ€t nun ĂŒber die Vorlage.

Europa zieht nach

Auch in Europa verschĂ€rfen sich die Regeln. Seit Juli 2024 gelten die UNECE-Regelungen R155 und R156 fĂŒr alle Neuwagen in der EU. Sie zwingen Hersteller, Cyber-Security-Management-Systeme ĂŒber den gesamten Fahrzeuglebenszyklus zu betreiben.

Doch die RealitĂ€t sieht anders aus. 2024 wurden in Deutschland 16.129 Fahrzeuge gestohlen – ein Schaden von 312 Millionen Euro. Ein Großteil der Taten nutzt Keyless-Go-Schwachstellen aus. In Großbritannien sind Relay-Attacken fĂŒr rund 70 Prozent aller DiebstĂ€hle verantwortlich. Die Versicherer zahlen dort jĂ€hrlich ĂŒber 1,2 Milliarden Pfund.

Die Zurich Versicherung stellt klar: Kaskoversicherungen kommen fĂŒr SchĂ€den durch Keyless-Manipulationen auf – solange der Halter nicht grob fahrlĂ€ssig handelt. Doch die zunehmende Integration von Smartphones als digitale SchlĂŒssel bereitet der Branche Sorgen.

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Wie die TĂ€ter vorgehen

Die Methoden der Diebe werden immer ausgefeilter. Bei der klassischen Relay-Attacke fĂ€ngt ein TĂ€ter das Funksignal des SchlĂŒssels durch HauswĂ€nde ab, wĂ€hrend ein Komplize am Fahrzeug steht. Das Auto glaubt, der Besitzer sei in der NĂ€he – TĂŒren öffnen sich, der Motor startet. Der gesamte Vorgang dauert weniger als 60 Sekunden und hinterlĂ€sst keine Spuren.

Noch raffinierter ist die CAN-Bus-Injektion. Hier greifen TĂ€ter direkt auf die interne Datenkommunikation des Fahrzeugs zu – oft ĂŒber die Verkabelung der Scheinwerfer. In unter zwei Minuten deaktivieren sie die Wegfahrsperre. Diese Methode wird zum neuen Trend bei organisierten Banden, da sie unabhĂ€ngig vom Funksignal funktioniert.

Schwachstelle bleibt bestehen

Der ADAC testete Anfang 2026 ĂŒber 800 Fahrzeugmodelle mit schlĂŒssellosen Systemen. Das Ergebnis: Nur rund 15 Prozent waren ausreichend gegen Manipulation geschĂŒtzt. Selbst neuere Modelle basieren oft auf veralteten Funkstandards, die fĂŒr einfache SignalverstĂ€rker anfĂ€llig sind.

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UWB als Rettung?

Die vielversprechendste Technik heißt Ultra-Wideband (UWB). Statt einfacher Funkverbindung misst UWB die exakte Signallaufzeit zwischen SchlĂŒssel und Fahrzeug. Da Lichtgeschwindigkeit eine physikalische Konstante ist, lĂ€sst sich die Zeitmessung nicht durch VerstĂ€rker manipulieren. Erkennt das System eine Diskrepanz, bleibt das Auto verschlossen.

Audi, BMW, Jaguar und Volkswagen verbauen UWB bereits in ausgewĂ€hlten Modellen. Einige Hersteller setzen zudem auf Bewegungssensoren im SchlĂŒssel: Bleibt er fĂŒnf Minuten still, schaltet sich das Funksignal ab. Sicherheitsanalysten warnen jedoch, dass das Zeitfenster direkt nach dem Abstellen fĂŒr Angriffe ausreicht.

Was Halter jetzt tun können

Die Polizei empfiehlt einfache Maßnahmen: FunkschlĂŒssel in Faraday-Taschen oder MetallbehĂ€ltern aufbewahren – sie blockieren die Signalabstrahlung. SchlĂŒssel nicht in FensternĂ€he oder an AußentĂŒren ablegen. Mechanische Barrieren wie Lenkradkrallen erhöhen den Zeitaufwand fĂŒr Diebe und wirken abschreckend.

Ausblick: Branche unter Druck

Die Diskussion um Sicherheit vernetzter Fahrzeuge wird die Branchenkonferenz #Connect26 im Juni dominieren. Erwartet wird eine Debatte ĂŒber UWB-Standards fĂŒr alle Fahrzeugklassen und Haftungsfragen bei Software-DiebstĂ€hlen.

Das Bundeskriminalamt beobachtet einen klaren Trend: Die Digitalisierung schafft neue AngriffsflĂ€chen fĂŒr organisierte KriminalitĂ€t, wĂ€hrend klassische Einbruchsmethoden zurĂŒckgehen. 2025 sanken die Diebstahlzahlen in einigen Regionen leicht, doch die Schadenssummen pro Fall stiegen – wegen höherer Fahrzeugwerte und teurer Ersatzteile. Ob UWB und schĂ€rfere Gesetze wie in Delaware reichen, um die professionalisierten TĂ€tergruppen zu stoppen, bleibt abzuwarten.

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