KHBK nimmt Gesuche an: Neue Kommission klÀrt Streit um belastetes Kulturerbe
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 15:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die neu geschaffene Kommission fĂŒr historisch belastetes Kulturerbe (KHBK/CPCP) hat ihre operative TĂ€tigkeit zur Bearbeitung strittiger Herkunftsfragen aufgenommen. Das Fachgremium ermöglicht ab sofort die Einreichung von Gesuchen in FĂ€llen, in denen die Provenienz von KulturgĂŒtern zu Konflikten zwischen Institutionen und Anspruchstellern fĂŒhrt.
Im Fokus der Kommissionsarbeit stehen dabei insbesondere Objekte, die aus dem Kontext der nationalsozialistischen Herrschaft oder aus kolonialen UnrechtszusammenhÀngen stammen.
Organisatorischer Rahmen und Leitung der Fachkommission
Die Leitung der Kommission liegt in den HÀnden von Simonetta Sommaruga, die das Amt der PrÀsidentin bekleidet, sowie Felix Uhlmann als VizeprÀsident. Die strategischen und operativen Leitlinien der Institution wurden im Rahmen einer Medienkonferenz in Bern öffentlich dargelegt.
Ein wesentlicher Meilenstein in der Konstituierung des Gremiums war die Verabschiedung der offiziellen Verfahrensregeln, welche die Kommission am 18. September 2026 wÀhrend ihrer dritten Sitzung beschloss.
Dieses Regelwerk bildet die rechtliche und methodische Grundlage fĂŒr die kĂŒnftige Arbeit der KHBK. Interessierte Kreise sowie betroffene Institutionen können die detaillierten Bestimmungen ĂŒber die offizielle InternetprĂ€senz der Kommission unter www.khbk.admin.ch abrufen. Damit wurde die infrastrukturelle Voraussetzung geschaffen, um komplexe Restitutionsfragen auf nationaler Ebene fachgerecht zu moderieren.
Zweistufiges Verfahren: Mediation und Empfehlung
Der fĂŒr die Bearbeitung von Gesuchen vorgesehene Prozess folgt einem klar definierten zweistufigen Modell. Vorrangiges Ziel der Kommission ist es, in strittigen FĂ€llen eine gĂŒtliche Einigung zwischen den Parteien herbeizufĂŒhren.
Seit dem 30. September 2026 nimmt die neue Kommission Gesuche zu strittigem Kulturgut entgegen â zuerst Mediation, bei Scheitern eine fachliche Stellungnahme. Wer als Museum oder Sammlung betroffen ist, findet in diesem kostenlosen Leitfaden den zweistufigen Verfahrensweg, eine Sorgfalts-Checkliste und ein Muster-Gesuch. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Zu diesem Zweck wird zunĂ€chst ein Mediationsverfahren eingeleitet, sofern Aussicht auf einen konsensualen Lösungsweg besteht. Dieser Ansatz unterstreicht das Bestreben, kooperative Lösungen in der Provenienzforschung und RĂŒckgabepraxis zu fördern.
Sollte die Mediation jedoch scheitern oder nicht zielfĂŒhrend erscheinen, sieht das Mandat der Kommission die Abgabe einer fachlichen Stellungnahme vor. Diese mĂŒndet in einer nicht bindenden Empfehlung an die Beteiligten.
Obwohl diese Empfehlungen keine direkte Rechtswirkung entfalten, wird ihnen aufgrund der personellen Besetzung und der fachlichen Expertise des Gremiums ein hohes Gewicht in der öffentlichen und institutionellen Bewertung beigemessen.
Schwerpunkte und laufende Projekte in der Bestandsaufnahme
Ein aktueller Schwerpunkt der Kommissionsarbeit liegt auf der ĂberprĂŒfung von Sammlungen im ZustĂ€ndigkeitsbereich des Bundes. In diesem Zusammenhang fĂŒhrte das Gremium im September Anhörungen mit Vertretern der Nationalbibliothek, der ETH ZĂŒrich sowie des Landesmuseums durch. Ziel dieser Konsultationen war es, einen detaillierten Ăberblick ĂŒber potenziell belastete BestĂ€nde in den bundeseigenen Institutionen zu gewinnen.
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Neben der Aufarbeitung von NS-Raubgut und kolonialen Objekten widmet sich die KHBK zwei spezifischen Kernprojekten. Von hoher PrioritĂ€t ist dabei die Erstellung eines Inventars menschlicher Ăberreste in Schweizer Sammlungen, die aus einem Unrechtskontext stammen könnten. Parallel dazu ist ein verstĂ€rkter Dialog mit Museen auĂerhalb des Bundesbereichs geplant.
In diesem Rahmen sollen Sorgfaltspflichten im Umgang mit historisch belastetem Kulturgut thematisiert und einheitliche Standards fĂŒr die Provenienzforschung gefördert werden. Dieser Dialog soll sicherstellen, dass auch nicht-staatliche Institutionen von der Expertise der Kommission profitieren können.
