KHK-Reha, Bewegungsprogramme

KHK-Reha: Bewegungsprogramme senken Klinikaufnahmen um ein Drittel

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 21:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bewegungsprogramme senken bei koronarer Herzkrankheit Infarkte und Klinikaufnahmen; ein Lernmodell schätzt individuelle Reha-Erfolge mit 77 Prozent Genauigkeit ein.

Herz-Reha bei KHK: Weniger Infarkte, Klinikaufenthalte und Sterbefälle
Ein sonniger Pfad in einem grünen Park, der zu Bewegung und körperlicher Aktivität einlädt. Illustration mit AI erstellt.

Eine bewegungsbasierte Rehabilitation senkt bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) das Risiko für erneute Herzinfarkte sowie Krankenhausaufenthalte deutlich. Zugleich belegen aktuelle Untersuchungen sowohl den langfristigen Nutzen als auch Möglichkeiten, therapeutische Erfolge durch moderne Analyseverfahren präziser vorherzusagen, während Fachorganisationen strukturelle Reformen in der Versorgungslandschaft anmahnen.

Signifikante Reduktion von Infarkten und Klinikaufenthalten

Umfassende Erkenntnisse zur Wirksamkeit strukturierter Bewegungsprogramme liefert die Cochrane Database of Systematic Reviews. Eine in Glasgow vorgelegte Metaanalyse randomisierter Studien, deren Datenbestand bis September 2026 reicht, belegt eine Reduktion von Krankenhauseinweisungen um ein Drittel sowie ein um mehr als ein Viertel vermindertes Herzinfarktrisiko bei teilnehmenden KHK-Patienten.

Diese Vorteile bleiben demnach über längere Zeiträume stabil erhalten. Zudem bestätigt die Auswertung erneut die Sicherheit des Koronarsports. Hinsichtlich der Gesamtmortalität fiel der nachweisbare Nutzen der untersuchten Maßnahmen dagegen geringer und statistisch unsicherer aus.

Überlebensvorteile in großen Patientenkohorten

Ergänzende Befunde stammen aus der internationalen Revision CROS-III, die im European Heart Journal Open erschien. Für diese Untersuchung wurden 40 Studien analysiert und Daten von 308.514 Patienten aus 29 Studien in einer Metaanalyse zusammengeführt.

In retrospektiven Kohorten nach einem akuten Koronarsyndrom, einschließlich eines Herzinfarkts, ermittelten die Forscher eine Hazard Ratio von 0,64, was einer um rund 36 Prozent niedrigeren Sterblichkeitsrate entspricht.

Bei Patienten nach einer Bypass-Operation lag der Wert bei 0,65, was einer Verringerung um etwa 35 Prozent gleichkommt. Günstigere Resultate zeigten sich im Rahmen von CROS-III zudem bei kardiovaskulären Todesfällen, nicht-tödlichen Schlaganfällen sowie in gemischten Populationen bei Krankenhausaufnahmen.

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Prognostische Faktoren für den Reha-Erfolg

Trotz der allgemeinen Wirksamkeit profitiert nicht jeder Betroffene im gleichen Ausmaß. Eine gemeinsame Studie der Universität Witten/Herdecke, der Klinik Königsfeld der Deutschen Rentenversicherung und des Instituts FORTH im Journal of Sport and Health Science untersuchte 353 KHK-Patienten nach Herzinfarkt, Angioplastie oder Bypass während einer drei- bis vierwöchigen stationären Maßnahme.

Den Ergebnissen der Autoren Boris Schmitz und Frank Mooren zufolge zeigt mindestens jeder fünfte Patient keine messbare Verbesserung der körperlichen Belastbarkeit.

Ein im Rahmen der Studie erstelltes Modell auf Basis von maschinellem Lernen konnte sogenannte Responder und Non-Responder mit einer Genauigkeit von 77 Prozent anhand von Eingangsdaten trennen.

Als wesentliche Parameter für die Prognose erwiesen sich Messwerte aus kardiopulmonalen Belastungstests und Pulswellenanalysen zu Rehabeginn, insbesondere die Atmungseffizienz sowie die arterielle Steifigkeit. Zudem beeinflussten zwei Klassen von Blutdruckmedikamenten, konkret Angiotensin-II-Rezeptorblocker und Kalziumkanalblocker, die Erfolgsaussichten.

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Forderungen nach Modernisierung der Versorgungsstrukturen

Parallel zu den klinischen Ergebnissen fordert die Bundesärztekammer im Positionspapier „Reha stärkt Resilienz“ eine grundlegende Neuausrichtung der medizinischen Rehabilitation. Primäres Ziel sei es, die Selbstständigkeit der Patienten zu erhalten und Pflegebedürftigkeit abzuwenden oder zu verzögern.

Bei einer Fachveranstaltung in Berlin betonte BÄK-Vizepräsidentin Dr. Susanne Johna, dass Rehabilitation Menschen nach Erkrankungen wieder handlungsfähig machen müsse. Das von einer Arbeitsgruppe unter dem Co-Vorsitz von Dr. Wolfgang Miller und Dr. Marion Charlotte Renneberg erarbeitete Papier definiert vier Handlungsfelder: die frühzeitige Erkennung von Rehabedarfen bereits in der Akutversorgung, wohnortnahe und mobile Angebote für ältere Menschen, individuelle Konzepte bei Multimorbidität sowie die Verknüpfung mit der nationalen Gesundheitsresilienz, der Krisenvorsorge, dem Katastrophenschutz und der Qualifizierung von Fachkräften.

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