KI-Agenten, Pilotprojekte

KI-Agenten: 88% der Pilotprojekte scheitern bei Skalierung

Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 08:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Microsoft-365-Studien zeigen Risiken durch Fehlkonfigurationen und KI-Agenten, während Unternehmen stärker in Datenmanagement und Governance investieren.

Microsoft 365: Sicherheitslücken trotz großem Governance-Vertrauen
Moderne, dunkle Serverräume in einem Rechenzentrum mit blauer Beleuchtung als Symbol für IT-Infrastruktur und Sicherheit. Illustration mit AI erstellt.

Ein aktueller Branchenbericht zur Sicherheit von Microsoft 365 zeigt eine deutliche Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Sicherheit und der operativen Realität in Unternehmen auf.

Der Ende August veröffentlichte „2026 State of Microsoft 365 Security Report“ des Anbieters CoreView verdeutlicht, dass Verantwortliche in der Informationstechnik (IT) mit grundlegenden Problemen wie Fehlkonfigurationen und mangelnder Transparenz kämpfen.

Die Untersuchung, für die 279 Experten aus den Bereichen IT und Sicherheit befragt wurden, identifiziert zudem übermäßige Zugriffsrechte und Herausforderungen bei der Governance als kritische Schwachstellen.

Vertrauensvorschuss versus operative Realität

Die Ergebnisse von CoreView werden durch Daten des Softwareunternehmens ShareGate gestützt. Demnach gaben 93 Prozent der befragten Organisationen an, großes Vertrauen in ihre Governance-Strukturen innerhalb von Microsoft 365 zu haben. Dem steht jedoch die Angabe von 29 Prozent der Unternehmen gegenüber, wonach durch den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) bereits sensible Informationen offengelegt wurden.

Diese Sicherheitslücken gewinnen angesichts großflächiger Rollouts von KI-Assistenten an Bedeutung. So plant der britische Gesundheitsdienst NHS England derzeit die Bereitstellung von Microsoft 365 Copilot für rund 505.000 Mitarbeiter.

Gleichzeitig äußerten in Umfragen 68 Prozent der dort tätigen Ärzte Bedenken, dass die notwendige digitale Infrastruktur für solche Modernisierungsschritte noch nicht ausreichend vorhanden sei.

Auch PwC Canada hat den Copilot für eine Belegschaft von 8.000 Mitarbeitern eingeführt. Branchenübergreifend zeigt sich dabei eine Hürde: Laut Marktdaten scheitern etwa 88 Prozent der KI-Pilotprojekte bei dem Versuch, diese auf das gesamte Unternehmen zu skalieren.

Risiken durch automatisierte KI-Agenten

Ein besonderer Fokus der Sicherheitsbetrachtung liegt auf sogenannten KI-Agenten. Eine Untersuchung von Cequence Security und EMA ergab, dass lediglich 33 Prozent dieser Agenten nach dem Prinzip der minimalen Rechtevergabe („Least Privilege“) konfiguriert sind.

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Trotzdem zeigen sich 94 Prozent der Unternehmen zuversichtlich, dass ihre KI-Agenten nicht über privilegiert sind. In der Praxis erlebten jedoch bereits 65 Prozent der Organisationen Aktionen von Agenten, die außerhalb ihrer zugewiesenen Rolle lagen; bei 29 Prozent der Fälle führte dies zu messbaren Auswirkungen.

Die Reaktionszeiten auf solche Vorfälle variieren stark. Während 32 Prozent der Unternehmen angeben, Vorfälle mit KI-Agenten innerhalb von Minuten isolieren zu können, benötigen 55 Prozent dafür mehrere Stunden. Diese Verzögerungen werden oft durch mangelnde Sichtbarkeit verschärft.

Laut der Cloud Security Alliance berichten 92 Prozent der Unternehmen von Schwierigkeiten bei der Erlangung einer umfassenden Übersicht über ihre Sicherheitsrichtlinien. Fehlkonfigurationen in diesem Bereich führten bereits bei zwei Dritteln der befragten Firmen zu Betriebsausfällen.

Investitionen in Datenmanagement und Governance

Als Reaktion auf diese Herausforderungen rückt das Datenmanagement verstärkt in den Fokus. Die Info-Tech Research Group stellte fest, dass 72,5 Prozent der Organisationen bereits in diesen Bereich investieren oder entsprechende Erhöhungen planen. Die Daten-Governance wurde dabei von 30 Prozent der Befragten als wichtigstes Ziel für KI-Projekte und von 40 Prozent als allgemeine Priorität außerhalb von KI-Anwendungen genannt.

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Trotz der Sicherheitsbedenken berichten viele Unternehmen von produktiven Gewinnen. In Erhebungen von SolarWinds gaben 84 Prozent der Befragten an, dass KI die Erwartungen an den Return on Investment (ROI) erfüllt oder sogar übertroffen habe.

Die durchschnittliche Zeit zur Problemlösung sei um etwa 18 Prozent gesunken, was einer Ersparnis von rund drei Stunden pro Woche entspreche. Dennoch stieg für 33 Prozent der Mitarbeiter die Arbeitslast durch die neuen Technologien an.

Für den weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur kündigten Microsoft und HUMAIN eine Kooperation an, um ein Produktivitäts-Bundle im Nahen Osten und Afrika anzubieten, das eine Million Nutzer adressiert. In diesem Zusammenhang soll im September 2026 zudem ein neuer KI-PC auf Windows-Basis erscheinen.

Fachleute von Broadcom raten Unternehmen unterdessen dringend dazu, KI-Agenten wie menschliche Identitäten zu behandeln und strenge Kontrollpunkte sowie eine kontinuierliche Überwachung einzuführen, um unzertifizierte Zugriffe zu verhindern.

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