KI-Agenten im Einsatz: Hacker stehlen 594 Bitcoin in 25 Minuten
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 20:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsanalysten von CloudSEK haben eine neue Dimension der Cyberkriminalität identifiziert, bei der autonome KI-Agenten für den Diebstahl von Kryptowährungen und die Kompromittierung von Web-Infrastrukturen eingesetzt werden. Ein chinesischsprachiger Akteur nutzte dabei spezialisierte Tools wie Claude Code, Codex, Hermes und pi, um massenhaft WordPress-Instanzen zu übernehmen und Krypto-Wallets zu entwenden.
Im Rahmen der Analyse stießen die Experten auf ein offenes Verzeichnis des Angreifers, das 21.442 Verzeichnisse und 142.262 Dateien umfasste. Die Kampagne, deren Hauptaktivitätsfenster zwischen dem 10. und 28. Juli 2026 lag, zielte auf ein breites Spektrum ab: Neben dem Diebstahl von Zugangsdaten (Credential Harvesting) und Cryptojacking wurden über 12.000 WordPress-Backdoor-Datensätze angelegt.
Zudem gelang es dem Angreifer, 66 Datenbank-Administrator-Zugänge zu erbeuten und ein Korpus von 3,4 Millionen Host-Reconnaissance-Daten für künftige Operationen aufzubauen. Besonders besorgniserregend sei laut CloudSEK die Entdeckung einer Blockchain-basierten Command-and-Control-Infrastruktur (C2), die sich zum Zeitpunkt der Untersuchung noch in der Entwicklung befand.
Systematische Angriffe durch KI-Agenten nehmen zu
Die Beobachtungen von CloudSEK stehen nicht isoliert. Ein separater Bericht von Dream Research dokumentierte einen nahezu autonomen KI-Angriff auf Regierungsbehörden in Asien, bei dem vermutlich Taiwan im Fokus stand.
Hierbei setzte ein chinesischsprachiger Angreifer Anfang Juli 2026 bis zu acht KI-Agenten, darunter OpenClaw und Hermes, in zwölf aufeinanderfolgenden Angriffswellen ein. Das taiwansche Ministerium für digitale Angelegenheiten (MODA) bestätigte diese Vorfälle im Juli; die Untersuchungen dazu wurden Mitte August abgeschlossen.
Auch bei der sogenannten Operation ASTERIX, die von Rapid7 dokumentiert wurde, spielten KI-Codierungsassistenten wie GitHub Copilot und Kimi eine zentrale Rolle.
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Die Betreiber dieser Kampagne nutzten eine exponierte Infrastruktur für Phishing-Panels und gefälschte Wallet-Apps, die populäre Dienste wie Trezor Suite, Ledger Live oder Exodus imitierten. Im Zuge dieser Operation wurden rund 885.000 Telefonnummern gegen die Plattformen Crypto.com und Kraken validiert.
Schwachstellen in Hardware-Wallets und enorme Schadenssummen
Parallel zu den KI-gestützten Angriffen erschütterte ein schwerwiegender Fehler bei Coldcard-Hardware-Wallets den Sektor. Seit März 2021 generierten bestimmte Geräte aufgrund eines Fehlers in der Entropie-Berechnung vorhersagbare private Schlüssel. Ende Juli 2026 nutzte ein Angreifer diese Schwachstelle aus und entwendete innerhalb von nur 25 Minuten 594 BTC von rund 500 inaktiven Wallets.
Analysten von Galaxy Research bezifferten den Gesamtschaden über mehrere Wellen hinweg auf rund 2.000 BTC. Bis zum 2. August beläuft sich der Wert des Diebstahls auf etwa 88,6 Millionen US-Dollar. Eine KI-basierte Code-Überprüfung durch den Hersteller Coinkite hatte den zugrunde liegenden Fehler zuvor nicht erkannt.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krypto-Kriminalität bleiben massiv. Im Jahr 2025 verloren Nutzer laut Angaben der EC-Council University über 2,1 Milliarden US-Dollar durch Smart-Contract-Exploits und Bridge-Ausfälle. In Australien verzeichnete die Aufsichtsbehörde ASIC für das Jahr 2025 Verluste in Höhe von 2,18 Milliarden AUD durch Finanzbetrug.
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Gegenmaßnahmen der Branche und Behörden
Trotz der zunehmenden Professionalisierung der Angreifer berichten Handelsplattformen von Erfolgen in der Abwehr. Die Börse Bybit gab in ihrem Sicherheitsbericht für das erste Halbjahr 2026 bekannt, potenzielle Nutzerverluste in Höhe von über 700 Millionen US-Dollar abgefangen zu haben. Dabei wurden über 10.000 Adressen auf eine Blacklist gesetzt und rund 100.000 KI-gestützte Sicherheitswarnungen generiert.
Auch Strafverfolgungsbehörden erzielen Erfolge. In Indien verhaftete die Polizei von Navi Mumbai 13 Personen, die ein gefälschtes Support-Callcenter betrieben und US-Bürger um Kryptowährungen betrogen hatten.
In den USA gelang es der Generalstaatsanwaltschaft von Georgia, entwendete Krypto-Bestände eines älteren Ehepaars durch die Nachverfolgung von Transaktionen über mehrere Wallets sicherzustellen und per Gerichtsbeschluss zurückzuführen.
Experten raten dennoch zu erhöhter Vorsicht, da Kriminelle vermehrt versuchen, Nutzer über manipulierte Google-Suchergebnisse auf gefälschte Installationsseiten für KI-Tools wie Claude oder Gemini zu locken, um dort Infostealer-Malware zu verbreiten.
