Arbeitsplatz, Bulgariens

KI am Arbeitsplatz: Bulgariens ESC fordert menschliche Aufsicht und Transparenz

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 00:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Rat verlangt menschliche Kontrolle und Schutz der Beschäftigten; zugleich bewertet er Bulgariens Fachkräftemangel als strukturell.
Ein heller, minimalistisch gestalteter Büroarbeitsplatz ohne Menschen und Technik, der eine ruhige und strukturierte Arbeitsumgebung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Der bulgarische Wirtschafts- und Sozialrat (ESC) hat in Sofia eine Stellungnahme verabschiedet, die klare Leitplanken für den Einsatz von Systemen mit Künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt verlangt.

Das Beratungsgremium fordert eine verbindliche menschliche Aufsicht, weitreichende Transparenz sowie die strikte Wahrung von Arbeitnehmerrechten. Ein zentraler Punkt der Initiative ist die effektive Durchsetzung von Ruhezeiten und das Recht der Beschäftigten, dienstliche Kommunikation außerhalb der Arbeitszeit abzulehnen.

Psychosoziale Risiken und algorithmisches Management

Nach den Empfehlungen des ESC sollen die psychosozialen Risiken von Künstlicher Intelligenz und algorithmischem Management künftig fest in die betriebliche Gefährdungsbeurteilung integriert werden.

Im Fokus stehen dabei Belastungen durch ständige digitale Überwachung, intransparente automatisierte Entscheidungen und unzureichende menschliche Kontrollmechanismen. Der technologische Wandel dürfe weder zu digitaler Ausgrenzung noch zu erhöhter Jobunsicherheit oder gesundheitlichen Risiken führen.

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Um einer Benachteiligung schutzbedürftiger Gruppen entgegenzuwirken, fordert der Rat den Erhalt persönlicher und unterstützter Zugangswege zu Grundrechten und Basisdiensten. Dies betreffe insbesondere ältere Menschen, Personen mit Behinderungen, Beschäftigte mit geringen digitalen Fähigkeiten sowie Menschen in strukturschwachen Regionen.

Um die Umstellung zu bewältigen, spricht sich der ESC für einen aktiven Dialog zwischen Arbeitgebern, Gewerkschaften und Behörden aus, flankiert von praktischen Leitlinien für kleine und mittlere Unternehmen sowie verstärkten Investitionen in digitale Qualifikationen.

Arbeitskräftemangel bleibt strukturelles Problem

Auf derselben Plenarsitzung verabschiedete der ESC eine Analyse zur Effektivität der Arbeitsmarktpolitik bei Personalengpässen in Bulgarien. Der Rat stuft den dortigen Fachkräftemangel als tiefgreifendes, strukturelles Problem ein.

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Verantwortlich hierfür seien der demografische Rückgang, Passungsstörungen bei Qualifikationen, regionale Disparitäten und die geringe Attraktivität mancher Berufsfelder. Ein positives Saldo der internationalen Migration im Jahr 2025 habe den negativen natürlichen Bevölkerungszuwachs demnach nur teilweise ausgleichen können, ohne die Schrumpfung des Arbeitskräfteangebots aufzuhalten.

Europäischer Rahmen nimmt Gestalt an

Die bulgarische Initiative deckt sich inhaltlich mit Debatten auf europäischer Ebene. Am 19. Oktober 2026 berieten die EU-Beschäftigungsminister in Luxemburg über den geplanten Rechtsakt für hochwertige Arbeitsplätze, dessen Vorlage für Dezember 2026 erwartet wird.

Die europäischen Gespräche thematisierten ebenfalls den Einsatz von KI bei Rekrutierungsverfahren und Leistungsüberwachungen, flankiert von Vorgaben für menschliche Kontrolle und dem Recht auf digitale Abschaltung. Europäische Gewerkschaften drängen in den laufenden Rechtsetzungsverfahren auf verbindliche Standards gegen ein rein algorithmisches Management in Betrieben.

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