KI-Anhörung: Britisches Parlament lädt OpenAI und Anthropic vor
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 15:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das britische Parlament verstärkt den Druck auf die Entwickler moderner künstlicher Intelligenz. Der zuständige Parlamentsausschuss für Wirtschaft, Innovation, Wissenschaft und Handel hat die führenden KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic sowie Google DeepMind und Meta zu einer Dringlichkeitsanhörung vorgeladen.
Die Befragung ist für den 13. Oktober 2026 angesetzt und findet im Rahmen einer parlamentarischen Untersuchung zur wirtschaftlichen KI-Strategie des Vereinigten Königreichs statt.
Wie aus den veröffentlichten Schreiben des Ausschusses hervorgeht, haben die Unternehmen bis zum 29. September 2026 Zeit, ihr Erscheinen zu bestätigen.
Als Auskunftspersonen geladen sind Tom Duff Gordon, zuständig für EMEA-Politik bei OpenAI, Pip White als Verantwortliche für Großbritannien und Irland bei Anthropic, Koray Kavukcuoglu, Senior Vice President von Google DeepMind, sowie Derya Matras, Europa-Vizepräsidentin bei Meta.
Neben den Unternehmensvertretern sollen auch Jacob Coxon, ein ehemaliger und inzwischen zurückgetretener Forscher von Anthropic, sowie Henry de Zoete als Direktor des staatlichen britischen AI Security Institute (AISI) aussagen.
Kernfragen zu gesetzlichen Kontrollen und Transparenz
Im Zentrum der parlamentarischen Befragung steht die Frage, ob Sicherheitsprüfungen vor der Markteinführung neuer Modelle künftig gesetzlich vorgeschrieben werden müssen. Hintergrund ist unter anderem, dass Anthropic sein jüngstes Modell ohne vorherige Tests durch das AISI veröffentlicht hatte, wenngleich AISI-Direktor de Zoete die behördliche Überwachung auch ohne umfassenden Vorabzugang verteidigte.
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Der Ausschuss will von den Firmenvertretern zudem wissen, ob sie verbindliche Meldepflichten für schwerwiegende Vorkommnisse mittragen würden. Dabei geht es insbesondere um Verhaltensweisen wie gezielte Täuschung durch Modelle, das Umgehen technischer Schutzbarrieren, unautorisierte Replikation oder andere Anzeichen für einen drohenden Kontrollverlust.
Weitere Themen der Befragung sind der behördliche Zugang des AISI zu Entwicklungsmodellen, eine mögliche Verlangsamung des Innovationstempos sowie Maßnahmen, die einen internationalen Unterbietungswettlauf bei den Sicherheitsstandards verhindern sollen.
Kritik an freiwilliger Selbstregulierung
Der Ausschussvorsitzende Liam Byrne begründete die Vorladung damit, dass der bisherige britische Regulierungsrahmen sowie bestehende internationale Abkommen noch nicht für künftige Herausforderungen gewappnet seien. Byrne verwies auf Warnungen aus der Branche sowie von Whistleblowern und betonte, dass eine rein freiwillige Selbstregulierung der Anbieter kaum eine dauerhaft tragfähige Sicherheitsgarantie darstelle.
Die Dringlichkeit der Betrachtung spiegelt sich auch in der Sorge um neue Angriffsvektoren wider, die durch leistungsfähige Modelle entstehen können. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Cyberbedrohungen im Kontext neuer Technologien für Unternehmer jetzt wirklich relevant sind. Gratis-Report zu Cyberrisiken und neuen KI-Gesetzen sichern
Die Dringlichkeit der Debatte spiegeln auch aktuelle Risikoeinschätzungen und Kennzahlen wider. Der Anthropic-Forscher Evan Hubinger bezifferte das Risiko einer existenzgefährdenden Bedrohung durch KI innerhalb der kommenden zehn Jahre auf mehr als 10 Prozent. Gleichzeitig hielt das AISI in seinem aktuellen Trendbericht fest, dass sich die Fähigkeiten führender KI-Modelle etwa alle acht Monate verdoppeln.
So kletterte die Erfolgsquote bei Benchmarks für Cybersicherheit von 9 Prozent Ende 2023 auf 50 Prozent Anfang 2025. Das Centre for Long-Term Resilience verzeichnete im vergangenen Jahr zudem einen fünffachen Anstieg bei Zwischenfällen rund um den Kontrollverlust über Systeme.
Während das Vereinigte Königreich noch über verbindliche Leitplanken berät, drohen Unternehmen im Rechtsraum der Europäischen Union über den EU AI Act bereits empfindliche Strafen von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
