KI-Chips, Chinesische

KI-Chips: Chinesische Firmen nutzen Südostasien zur Sanktions-Umgehung

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 16:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Chinesische KI-Entwickler umgehen US-Exportlimits durch Cloud-Nutzung in Südostasien. Washington plant Gegenmaßnahmen, während Nvidia Teillieferungen erlaubt.

Chinas Tech-Firmen weichen auf Cloud-Zugriff in Südostasien aus
Ein modernes Rechenzentrum mit Server-Racks in Südostasien, beleuchtet durch kühles, blaues Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Chinesische Technologieunternehmen greifen verstärkt auf Nvidia-Rechenleistung in südostasiatischen Rechenzentren zurück, um die bestehenden US-Exportbeschränkungen für Hochleistungschips zu umgehen.

Da die aktuellen Sanktionen der Vereinigten Staaten primär den physischen Export von Hardware regeln, bleibt der Remote-Zugriff über Cloud-Infrastrukturen in Drittländern wie Thailand, Malaysia oder Japan eine rechtlich verfügbare Option für Entwickler aus der Volksrepublik.

Strategische Nutzung von Cloud-Kapazitäten in Drittstaaten

In den vergangenen Monaten hat sich dieser Trend zu einem zentralen Pfeiler der chinesischen KI-Entwicklung verfestigt. So nutzte das Unternehmen Moonshot AI im Juli GB300-Chips an Standorten in Thailand.

Zeitgleich arbeitete der TikTok-Mutterkonzern ByteDance mit dem Anbieter Aolani in Malaysia zusammen, um Zugriff auf die notwendigen Rechenkapazitäten zu erhalten. Auch Standorte in Singapur und im Nahen Osten werden laut Branchenberichten genutzt, um auf Nvidia-Modelle wie den H100 oder A100 zuzugreifen.

Diese Ausweichmanöver rücken die physische Infrastruktur in Südostasien in den Fokus. Analysten von JLL prognostizieren eine Verdopplung der weltweiten Rechenzentrumskapazität auf 200 GW bis zum Jahr 2030. Besonders in Malaysia, Indonesien und Thailand ist ein massiver Ausbau geplant: Während dort aktuell erst zwei Rechenzentren der 100-MW-Klasse existieren, befinden sich 31 weitere Projekte dieser Größenordnung in der Planung.

Tencent Cloud hat in diesem Kontext bereits zwei Verfügbarkeitszonen im malaysischen Johor eröffnet, eine dritte ist bereits geplant. Zudem kooperiert das Unternehmen mit der Universiti Teknologi Malaysia, um über 1.000 Studenten auszubilden.

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Gesetzgeberische Gegenmaßnahmen und regulatorische Hürden

Die US-Regierung beobachtet diese Entwicklung mit wachsender Besorgnis. Im Repräsentantenhaus wurde bereits der sogenannte RASA-Gesetzentwurf (Remote Access Security Act) verabschiedet, der darauf abzielt, den Fernzugriff auf fortschrittliche KI-Chips zu regulieren.

Eine Zustimmung des Senats steht derzeit noch aus. In der Industrie regt sich jedoch Widerstand gegen das Vorhaben, da die Durchsetzung solcher Cloud-Beschränkungen als technisch schwierig gilt.

Parallel dazu erwägen US-Gesetzgeber spezifische Beschränkungen für chinesische KI-Modelle wie DeepSeek, Qwen, GLM oder Kimi. US-Finanzminister Scott Bessent drohte China bereits im Juli mit Sanktionen und warf der Volksrepublik den Diebstahl von KI-Technologie durch sogenannte Distillation-Verfahren vor.

Diese Vorwürfe wurden von chinesischer Seite offiziell zurückgewiesen. Während die US-Regierung auch Beschränkungen für Open-Weight-Modelle prüft, fordert die „Little Tech Association“ weiterhin den Zugang zu chinesischen Modellen, um den Preisdruck im Markt niedrig zu halten.

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Nvidia zwischen Exportbeschränkungen und Marktnachfrage

Für den Chiphersteller Nvidia bleibt der chinesische Markt trotz der Sanktionen von großer Bedeutung. Inzwischen erlaubt die US-Regierung die Lieferung von bis zu 100.000 H200-Chips pro Firma nach China.

ByteDance und Tencent sollen im August bereits jeweils etwa 10.000 dieser Einheiten erhalten haben, die für das Training von KI-Modellen vorgesehen sind. Die H200-Hardware ist nach technischen Angaben sechsmal leistungsfähiger als das speziell für den chinesischen Markt entwickelte Modell H20.

Allerdings hat die chinesische Regierung angeordnet, dass diese Hardware außerhalb des Festlandes verbleiben und stattdessen in Hongkong betrieben werden muss. Trotz dieser Teillieferungen sank die Nvidia-Aktie zuletzt um 2,1 %, was Marktbeobachter auf die begrenzten Liefermengen der H200-Serie zurückführten.

Dennoch bleiben die Erwartungen an den Konzern hoch: Morgan Stanley prognostiziert für das zweite Quartal einen Umsatz von 91,1 Milliarden US-Dollar. Als Reaktion auf neue chinesische Entwicklungen wie das letzte Woche veröffentlichte Open-Weight-Modell DeepSeek V4 Pro haben Nvidia und Meta eigene offene Modelle publik gemacht, um im Wettbewerb der Architekturen präsent zu bleiben.

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