KI-Delegation, Deutschland

KI-Delegation: Deutschland führt in der EU – doch nur 2,5 Prozent ganz autonom

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 08:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Obwohl Deutschland bei der KI-Delegation EU-weit vorn liegt, lassen sich nur 2,5 Prozent der Aufgaben vollständig übertragen.
Ein minimalistischer, moderner und leerer BĂĽroarbeitsbereich mit klaren architektonischen Linien und hellem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

In Deutschland lässt sich ein größerer Anteil der anfallenden Arbeit vollständig an Systeme mit künstlicher Intelligenz delegieren als in jedem anderen Mitgliedsstaat der Europäischen Union. Dies geht aus Erhebungen des Agent Delegability Index hervor.

Zugleich zeigt die Auswertung jedoch klare Grenzen der autonomen Ausführung auf: Während sich gut ein Drittel der beruflichen Tätigkeiten zumindest teilweise an KI-Agenten übertragen lässt, trifft dies auf lediglich 2,5 Prozent der Aufgaben im vollen Umfang zu.

Für die Erhebung ordnete ein Forschernetzwerk 18.796 Tätigkeiten aus der US-Berufsdatenbank O*NET mithilfe von zwei Claude-Modellen vier verschiedenen Stufen zu: keine KI, Assistenz, teilweise Delegation sowie vollständige Delegation.

Eine teilweise Delegation liegt der Definition zufolge vor, wenn ein Agent größere Teilschritte selbstständig abarbeitet, der Mensch jedoch mindestens einen wesentlichen Arbeitsschritt übernimmt oder das Endergebnis überprüft.

Arbeitsmarkt verlangt verstärkt nach KI-Kompetenzen

Die steigende Relevanz spiegelt sich auch auf dem Stellenmarkt wider. Laut einer Auswertung des Jobportals Indeed wuchs der Anteil der Stellenanzeigen mit Bezügen zu Begriffen wie maschinellem Lernen, Data Science oder künstlicher Intelligenz in Deutschland binnen eines Jahres um mehr als die Hälfte auf knapp sechs Prozent.

In den USA und Großbritannien verdoppelte sich dieser Wert fast. Zum Marktstart von ChatGPT Ende 2022 lag Deutschland bei dieser Quote noch knapp vor den beiden Ländern.

Zugleich verändert sich die betriebliche Praxis im Land. Laut einer im September durchgeführten Erhebung für den Workday AI@Work Pulse sank der Anteil der KI-Nutzer in Deutschland, die ihren Einsatz im Arbeitsalltag verheimlichen, von 62 auf 39 Prozent.

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Dieser Rückgang um 23 Prozentpunkte stellte den stärksten Wandel unter sechs untersuchten Ländern dar; global lag der Vergleichswert bei 41 Prozent. Gleichzeitig ging die allgemeine KI-Nutzung hierzulande von 79 auf 75 Prozent zurück, während die Delegation ganzer Aufgaben an entsprechende Software von 81 auf 72 Prozent sank.

Rund 47 Prozent der befragten Beschäftigten in Deutschland verlassen sich der Workday-Erhebung zufolge auf KI-Ergebnisse, ohne diese genau zu prüfen. Zudem gaben 36 Prozent an, mindestens die Hälfte der eingesparten Zeit wieder durch die Nachbearbeitung von Ergebnissen zu verlieren. Die durchschnittliche Zeitersparnis belief sich auf 2,6 Stunden pro Woche.

Debatten über Produktivität und Qualifikation

Auf dem Digital Summit in Berlin betonten Regierungsvertreter die Bedeutung der Technologie für den Standort. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger forderte mehr Ambition und verwies darauf, dass der Einsatz von Algorithmen in der Sortimentsplanung Margensteigerungen von 20 bis 30 Prozent ermöglichen könne.

Bundesarbeitsminister Alexander Schweitzer erklärte sinngemäß, dass es künftige Arbeitsplätze ohne entsprechende Basistechnologien nicht mehr geben werde.

Ökonom Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gab zu bedenken, dass nicht jeder Beschäftigungswandel negativ zu werten sei und der Wegfall von Tätigkeiten mit niedrigem Anforderungsprofil nicht per se zur Krise erklärt werden sollte.

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Weber riet davon ab, alle Betroffenen in handwerkliche Berufe zu drängen, und betonte, Deutschland sei weiterhin auf Zuwanderung angewiesen. Vor den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt warnten parallel mehr als 230 Ökonomen in einem offenen Brief.

Gewerkschaftsseitig mahnte Verdi-Vorsitzender Frank Werneke regulatorische Leitplanken an. Werneke forderte europäische Cloud-Infrastrukturen ohne Zugriff ausländischer Regierungen sowie verbindliche Vorgaben, wonach wesentliche Entscheidungen – insbesondere in der Personalverwaltung – weiterhin von Menschen getroffen werden müssen.

Zwar böten sich Chancen bei wiederkehrenden Routinetätigkeiten, doch sei in Branchen wie Banken, Versicherungen, Telekommunikation und Callcentern bereits ein kontinuierlicher Stellenabbau im Zuge der Automatisierung spürbar.

Mehr zum Thema bei FAZ: „Agent Delegability Index: Deutschland führt in EU bei KI-Delegation“

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