KI-Governance-Krise, Firmen

KI-Governance-Krise: 65% der Firmen ohne Überblick über KI-Nutzung

25.06.2026 - 10:55:00 | boerse-global.de

63 Prozent der Unternehmen setzen generative KI produktiv ein, doch nur 15 Prozent haben die Risikokontrolle vollständig etabliert.

KI-Explosion in Firmen: Governance hinkt hinterher
KI-Governance-Krise - KI-Governance-Krise: 65% der Firmen ohne Überblick über KI-Nutzung 25.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Nutzung generativer Künstlicher Intelligenz in Unternehmen hat sich Mitte 2026 massiv beschleunigt. Doch interne Kontrollen und Governance-Strukturen halten mit dem Tempo nicht Schritt.

Laut einer aktuellen Studie von OneTrust und ISMG haben 63 Prozent der Organisationen generative KI in den Produktivbetrieb überführt – ein sprunghafter Anstieg gegenüber 15 Prozent im ersten Jahr der breiten Verfügbarkeit. Doch nur 15 Prozent der Befragten haben ihre KI-Governance vollständig operationalisiert. Besonders alarmierend: 65 Prozent der Unternehmen haben keinen vollständigen Überblick über die KI-Nutzung, und 29 Prozent benennen keine einzige Person, die für das Management von KI-Risiken verantwortlich ist.

Sicherheitsrisiken wachsen mit der Verbreitung

Die Sicherheitsbedenken nehmen parallel zur Verbreitung zu. 48 Prozent der Organisationen sehen in der unkontrollierten Preisgabe sensibler Daten durch Mitarbeiter das größte Risiko. 46 Prozent haben bereits KI-generierte Social-Engineering-Angriffe erlebt. Besonders erschreckend: 71 Prozent der Unternehmen haben noch keinen KI-spezifischen Notfallplan getestet.

Eine separate Umfrage des Anbieters Gravitee unter Technologievorständen und Vizepräsidenten ergab, dass bei großen US-amerikanischen und britischen Unternehmen rund 7,24 Millionen KI-Agenten im Einsatz sind – davon 2,45 Millionen mit voller Autonomie. Die Zahl der eingesetzten Agenten verdoppelt sich alle sechs Monate. Dennoch fühlen sich 80 Prozent der Befragten unter Druck gesetzt, diese Werkzeuge trotz bestehender Sicherheitslücken auszurollen.

Intensive Nutzung bleibt Nische

Trotz der breiten Adoption ist die intensive Nutzung noch ein Randphänomen. Die Europäische Zentralbank veröffentlichte am 24. Juni 2026 eine Studie mit über 5.000 Firmen im Euroraum: Mehr als 70 Prozent setzen KI ein, aber nur 7 Prozent tun dies intensiv. Diese Power-User sind meist jüngere, kleinere Unternehmen aus dem High-Tech-Dienstleistungssektor. Auffällig: Gruppenzwang ist ein starker Treiber. Steigt die KI-Investition der Branchenkollegen um zehn Prozentpunkte, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, selbst zum intensiven Nutzer zu werden, um 1,9 Prozentpunkte.

Anzeige

Die rasante Verbreitung von KI-Systemen stellt Unternehmen vor komplexe regulatorische Herausforderungen, die oft unterschätzt werden. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act hilft Ihnen, Risikoklassen richtig einzustufen und alle Fristen rechtssicher einzuhalten. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt

In den USA zeigt die KPMG-Umfrage für das zweite Quartal 2026: 53 Prozent der Organisationen setzen KI-Agenten ein. Die Komplexität wächst – 18 Prozent orchestrieren mehrere Agenten gleichzeitig, doppelt so viele wie zu Jahresbeginn. Die Kostentransparenz bleibt jedoch gering: Nur 26 Prozent haben einen Echtzeit-Überblick über die Ausgaben für KI-Systeme.

Weltweit liegt Indien laut einem JPMorgan-Bericht auf Platz drei der KI-Bereitschaft – hinter den USA und China. Der Bericht hebt auch die wachsende Bedeutung kosteneffizienter chinesischer KI-Modelle hervor, die pro Token deutlich günstiger sind als viele Wettbewerber.

Großkonzerne rollen KI massiv aus

Samsung hat den Zugang zu ChatGPT Enterprise und dem Programmier-Assistenten Codex auf die gesamte Belegschaft in Korea sowie die globale DX-Sparte ausgeweitet. Zuvor hatte der Konzern 2023 wegen Datenlecks Beschränkungen verhängt. Die Nutzungszahlen sprechen für sich: Die wöchentlich aktiven Codex-Nutzer in Korea sind seit Februar um 800 Prozent gestiegen.

Anzeige

Während immer mehr Unternehmen KI-Systeme implementieren, herrscht oft Unklarheit darüber, welche Anwendungen als Hochrisiko gelten und welche Dokumentationspflichten bestehen. Ein kostenloser Experten-Report klärt auf, was Unternehmen jetzt konkret tun müssen, um die neuen EU-Regeln zu erfüllen. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?

Im öffentlichen Sektor nutzen über 50.000 Mitarbeiter des US-Außenministeriums die Plattform „State Chat", rund 20.000 wöchentlich. Das Ministerium bereitet zudem den Test des persönlichen Assistenten „Beacon" vor. CIO Kelly Fletcher nennt als größte Hürden für den weiteren Ausbau die Notwendigkeit kontinuierlicher Schulungen und die Verfeinerung interner Prozesse.

Heimliche Nutzung und wachsender Widerstand

Parallel zu den offiziellen Rollouts zeichnet sich ein Trend zur heimlichen KI-Nutzung ab. Viele Mitarbeiter setzen KI-Tools im Verborgenen ein – aus Angst vor Konflikten mit Unternehmensrichtlinien oder davor, dass die Offenlegung zur Jobgefährdung führen könnte.

Diese Spannung zeigt sich in der Stimmung der Belegschaft. Die KPMG-Umfrage verzeichnet einen Anstieg des Widerstands gegen KI auf 20 Prozent – von nur 5 Prozent im ersten Quartal. Hauptgründe: ethische Bedenken und steigende Arbeitsbelastung. Eine Befragung von 7.000 Entwicklern ergab, dass mehr als 40 Prozent KI als Bedrohung für ihre langfristige Jobsicherheit sehen. Einige denken bereits über einen Karrierewechsel nach, während die Zahl neuer KI-Modellveröffentlichungen weiter zunimmt.

Die Transparenz der Führungsebene bleibt ein Problem. Ein Bericht zum IT-Asset-Management 2026 zeigt: Nur 31 Prozent der Organisationen haben einen genauen Überblick über ihre KI-Software. Die Folge: steigende Verschwendung durch ungenutzte KI-Lizenzen und Abonnements.

de | wissenschaft | 69622483 |