KI-Hilfe, Experimente

KI-Hilfe: Drei Experimente mit 1.222 Probanden zeigen Einbruch danach

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 10:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Drei Experimente mit 1.222 Personen zeigen geringere Folgeergebnisse nach KI-Nutzung, belegen aber keine langfristigen kognitiven Schäden.
Ein minimalistischer Arbeitsplatz mit einem leeren Notizbuch und einem Bleistift in einem lichtdurchfluteten, ruhigen Raum. Illustration mit AI erstellt.

Digitale Assistenzsysteme auf Basis künstlicher Intelligenz erleichtern die Bewältigung komplexer Problemstellungen. Eine wissenschaftliche Untersuchung verdeutlicht nun jedoch mögliche Schattenseiten dieses Hilfsmittels.

Nach einer kurzen Phase der KI-Unterstützung schnitten Teilnehmer bei nachfolgenden Aufgaben, die sie komplett ohne Hilfsmittel lösen mussten, messbar schlechter ab. Dies ging aus drei randomisierten Experimenten mit insgesamt 1.222 Probanden hervor, die von einem Forscherteam um Grace Liu und Brian Christian auf der Conference on Language Modeling vorgestellt wurden.

An der unter der Leitung von Brian Christian am Center for Human-Compatible AI der UC Berkeley durchgeführten Studie waren zudem Wissenschaftler der Carnegie Mellon University, des MIT, der University of Oxford und der UCLA beteiligt.

Leistungseinbrüche nach Abschalten der Assistenz

Die Experimente untersuchten kognitive Leistungen in mathematischen und sprachlichen Tests. In den ersten beiden Experimenten bearbeiteten die Teilnehmer Aufgaben zur Bruchrechnung.

Im ersten Rechentest mit 354 Probanden erzielte die zuvor KI-unterstützte Gruppe bei den anschließenden eigenständigen Aufgaben eine Lösungsquote von 57 Prozent, während die Kontrollgruppe ohne vorherige KI-Hilfe 74 Prozent erreichte.

Allerdings waren die Gruppen nach Ausschlüssen unterschiedlich zusammengesetzt. In einem methodisch verbesserten zweiten Rechentest mit 667 Personen lag die Quote bei 71 Prozent für die ehemals KI-gestützte Gruppe gegenüber 77 Prozent in der Kontrollgruppe.

In den ersten beiden Durchläufen zeigte sich, dass die Probanden mit KI-Unterstützung anfangs genauer arbeiteten. Wurde das System jedoch ab der zwölften Aufgabe abgeschaltet, brach die Genauigkeit ein und viele Testpersonen gaben frühzeitig auf. Die Kontrollgruppe hielt demgegenüber länger durch.

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Ein drittes Experiment überprüfte das Leseverständnis anhand eines standardisierten Lesetests mit 201 Teilnehmern. Auch hier zeigte sich eine Differenz: Bei den richtig gelösten Aufgaben erreichte die Gruppe nach dem Entzug der KI 76 Prozent, verglichen mit 89 Prozent in der Kontrollgruppe.

Auch bei diesem Test nahmen Ausdauer und Genauigkeit nach dem Wegfall der Assistenz ab. Das Forscherteam stellte klar, dass diese Tests das konkrete Aufgabenverständnis abbildeten und keinen allgemeinen Intelligenzquotienten maßen.

Fokus, Durchhaltevermögen und methodische Grenzen

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bereits eine Nutzungsdauer von 10 Minuten ausreicht, um Fokus und Durchhaltevermögen bei anspruchsvollen Problemstellungen zu verringern.

Dennoch lassen die Daten keine pauschalen Rückschlüsse auf langfristige kognitive Schäden zu: Eine dauerhafte Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten lässt sich aus den Experimenten nicht ableiten. Zudem fiel der Ausdauerunterschied im zweiten Rechentest statistisch nicht eindeutig aus.

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KI als Tutor statt als Orakel einsetzen

Zur Einordnung der Ergebnisse verweist das Forschungsteam auf bestehende lernpsychologische Untersuchungen. Eine Arbeit von Karpicke und Blunt an der Purdue University hatte bereits im Fachjournal Science belegt, dass aktives Erinnern für nachhaltige Lerneffekte wirksamer ist als passive Methoden wie das sogenannte Concept Mapping.

Gleichzeitig kann Technologie bei richtiger Anwendung Vorteile bieten: Eine im Journal Scientific Reports erschienene Untersuchung von Kestin und Kollegen an der Harvard University mit 194 Physikstudenten zeigte, dass ein spezialisierter KI-Tutor zu höheren unmittelbaren Lernzuwächsen führen konnte.

Basierend auf diesen Beobachtungen empfehlen die Wissenschaftler um Brian Christian, KI-Systeme primär als Tutoren und nicht als Antwort-Orakel zu konzipieren. Ziel müsse es sein, menschliche Fähigkeiten durch die Technologie gezielt zu augmentieren, anstatt das eigenständige kognitive Handeln vollständig zu ersetzen.

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