KI im Einzelhandel: 240 bis 320 Milliarden Euro Potenzial bis 2031
22.06.2026 - 20:19:05 | boerse-global.de
Eine aktuelle Studie von EuroCommerce und McKinsey vom 22. Juni 2026 prognostiziert ein wirtschaftliches Potenzial zwischen 240 und 320 Milliarden Euro innerhalb der nächsten fünf Jahre. Besonders der Softline-Handel mit Mode, Schuhen und Beauty profitiert: Hier liegt das Potenzial bei 100 bis 130 Milliarden Euro.
Die Analysten erwarten, dass KI-Anwendungen das EBITDA in diesem Sektor um vier bis teilen Prozentpunkte steigern könnten. Der Fokus verschiebt sich dabei von strategischen Überlegungen hin zur operativen Umsetzung.
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Agentic Commerce verändert die Kundeninteraktion
Ein zentraler Trend ist der sogenannte „Agentic Commerce“. SAP und Google Cloud präsentierten am 19. Juni 2026 eine gemeinsame Architektur auf Basis des „Universal Commerce Protocol“. Ziel ist es, den Datenaustausch zu standardisieren und Google-Gemini-Modelle direkt in die SAP Commerce Cloud zu integrieren.
Der Bedarf ist enorm: Laut einer SAP-Studie halten 78 Prozent der Unternehmen KI für die Kundenloyalität für unverzichtbar. Doch derzeit teilen nur 37 Prozent Kundendaten plattformübergreifend.
Auch der stationäre Handel entdeckt neue Datenquellen. Maarten Goossens von rpc erläuterte, wie KI Beratungsgespräche analysiert. Bisher unsichtbare Faktoren wie Kundenfragen, Zögern oder Einwände werden so messbar. Die Lücke zwischen Online-Daten und physischem Verkauf schließt sich.
Effizienzsprünge in der Lieferkette
In der Beschaffung und Logistik erzielen spezialisierte KI-Agenten bereits messbare Erfolge. SAP integrierte über 50 KI-Agenten auf Basis von Anthropic-Claude-Modellen in Systeme wie S/4HANA und Ariba. Die Ergebnisse sprechen für sich: Die Beschaffungseffizienz stieg um 20 bis 30 Prozent, die Logistikkosten sanken um fünf bis 20 Prozent. Die Quote fehlerhafter Chargen reduzierte sich um 80 Prozent.
Energieversorger wie EnBW nutzen ähnliche Technologien. Durch die Plattform Ivalua stieg die Automatisierungsquote von 60 auf 80 Prozent. Die Effizienz in transaktionalen Prozessen verbesserte sich um bis zu 25 Prozent.
T-Systems und SupplyOn kündigten am 18. Juni 2026 eine Partnerschaft an. Sie verbinden ein Netzwerk von 140.000 Unternehmen mit einer industriellen KI-Cloud. Die Datenverarbeitung erfolgt in europäischen Rechenzentren.
Die zunehmende Vernetzung von Lieferketten und der Einsatz industrieller KI-Clouds bringen neue Anforderungen an die Compliance mit sich. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und was Unternehmen jetzt konkret tun müssen, um rechtssicher zu agieren. Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act jetzt kostenlos herunterladen
Microsoft bringt KI-Assistenten für den Vertrieb
Microsoft stellte am 22. Juni 2026 „Copilot Cowork“ allgemein bereit. Der KI-Agent führt mehrstufige Aufgaben eigenständig aus und wird über ein nutzungsbasiertes Credit-System abgerechnet.
Auch kleine Unternehmen profitieren. Plattformen wie Claudomat oder der KI-Assistent von Jimdo zeigen Wirkung: Laut Unternehmensangaben führte Jimdos Lösung zu 45 Prozent mehr Transaktionen.
Große Hürden bei der Umsetzung
Trotz technologischer Fortschritte bleiben Implementierungshürden. Der „Global Enterprise AI Report“ von Publicis Sapient, vorgestellt am 21. Juni 2026 auf der VivaTech in Paris, zeigt: 42 Prozent der Unternehmen sind strukturell nicht in der Lage, den vollen KI-Mehrwert zu nutzen. Nur 38 Prozent sehen eine grundlegende Veränderung ihrer Arbeitsweise.
In Deutschland wird KI von 35 Prozent der Unternehmen primär als „Kollege“ wahrgenommen. Lediglich zehn Prozent haben die Technologie vollständig integriert. Die größten Hindernisse: fragmentierte IT-Systeme, organisatorische Defizite und Fachkräftemangel.
Gartner prognostiziert weltweite Einsparungen bei Arbeitskosten von 80 Milliarden Euro bis Ende 2026 – getrieben durch konversationelle KI.
Weiterbildung als Schlüssel
Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, setzen Unternehmen auf innovative Formate. Am 21. Juni 2026 entwickelten über 40 neurodiverse IT-Lernende in Zürich eigene KI-Agenten für konkrete Geschäftsszenarien. Der Hackathon von Microsoft Schweiz und Kauz Informatik zeigt: Talent findet sich jenseits klassischer Wege.
