Gesundheitswesen, Fachkräfte

KI im Gesundheitswesen: Fachkräfte sparen laut Bericht 132 Stunden pro Jahr

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 15:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Klinik bindet Corti in ihr Informationssystem ein; medizinische Entscheidungen bleiben beim ärztlichen Personal.

Eichsfeld Klinikum nutzt Corti-KI für die klinische Dokumentation
Ein heller, minimalistisch gestalteter Krankenhausflur mit natürlichem Lichteinfall und moderner Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Das thüringische Eichsfeld Klinikum setzt bei der Erfassung von Patientendaten auf automatisierte Unterstützung. Um das ärztliche und pflegerische Personal bei zeitraubenden Routineaufgaben zu entlasten, nutzt die Klinik die KI-Plattform Corti für die klinische Dokumentation. Das System wurde direkt an das bestehende Krankenhausinformationssystem (KIS) des Hauses angebunden.

Corti wurde 2016 von Andreas Cleve und Lars Maaløe gegründet und hat sich auf Sprachverarbeitung im Gesundheitswesen spezialisiert. Das zugrunde liegende Sprachmodell wurde mit mehr als 150.000 medizinischen Fachbegriffen sowie über 100 Millionen Patienteninteraktionen trainiert.

Für den Einsatz im sensiblen Klinikalltag verfügt das System über ein C5-Sicherheitszertifikat und erfüllt die Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Im Herbst 2025 wurde die Anwendung Corti Assistent MD zudem als EU-Medizinprodukt der Klasse I registriert.

Kooperation und Praxiseinsatz in der Notaufnahme

Die Einbindung der Lösung erfolgt im Rahmen einer Partnerschaft: Das Softwareunternehmen Dedalus kooperiert seit 2024 im Co-Development mit Corti, nachdem ein vorheriger Partner von einem US-Konzern übernommen worden war.

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Im Eichsfeld Klinikum startete ab Herbst 2024 zunächst eine Pilotphase für das sogenannte Ambient Listening, bei dem Gespräche im Hintergrund erfasst und strukturiert aufbereitet werden. Dies wurde unter anderem in der Notaufnahme erprobt. Inzwischen unterstützen über 60 spezialisierte Anwendungen die Abläufe der klinischen Dokumentation.

Trotz der zunehmenden Automatisierung soll die Kontrolle über die Behandlungsschritte vollständig in menschlicher Hand bleiben. Chefarzt Dr. Dušan Trifunovi? hob hervor, dass die medizinische Entscheidung weiterhin beim Arzt verbleibe. Die Software diene lediglich als vorbereitendes Hilfsmittel im Dokumentationsprozess.

Hohe Erwartungen an Entlastung durch KI

Der Schritt des Klinikums spiegelt einen breiteren Wandel in der Branche wider. Wie der Future Health Index 2026 von Philips zeigt, sehen viele Beschäftigte im deutschen Gesundheitswesen ein großes Potenzial in algorithmischer Unterstützung: 77 Prozent der Gesundheitsfachkräfte glauben dem Bericht zufolge, dass Künstliche Intelligenz die Behandlungsergebnisse verbessern kann. 63 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Vorteile der Technologie deren Risiken überwiegen.

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Zudem berichten vier von zehn Fachkräften von messbaren Produktivitätsgewinnen und sparen durch den Einsatz von KI mindestens 132 Stunden pro Jahr ein. Mit der Integration von Systemen wie Corti in etablierte Klinikinformationssysteme will das Eichsfeld Klinikum diesen Effizienzgewinn in der täglichen Versorgung nutzbar machen, ohne die datenschutzrechtlichen und regulatorischen Vorgaben zu vernachlässigen.

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